IHAG-Kommentar: Herbststurm an den Börsen, mit Käufen noch zuwarten

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Zürich – Die Korrektur an den Weltbörsen nahm in der letzten Woche Fahrt auf und in diversen Indizes wurden technisch wichtige Levels unterschritten. Erst am Freitag setzten die Märkte ausgehend von den USA zu einem Rebound an. Insgesamt korrigierte der S&P500 über die Woche 4.1%. In Europa verlor der Euro Stoxx 50 4.5% und der Dax sogar 4.9%. Dabei büssten der Dax-Neuling Wirecard (-11.1%), Infineon (-8.1%), BASF (-7.6%) und Adidas (-7.3%) am meisten ein. Selbst der defensive SMI vermochte sich dem Abwärtsstrudel nicht zu entziehen und fiel 4.2%. Besonders stark korrigierten die Uhrenwerte Swatch (-8.4%) und Richemont (-7.0%).

Bei den Währungen entwickelte sich der EUR/USD seitwärts. Der EUR/CHF konnte entgegen den Erwartungen etwas zulegen und schloss bei 1.147. Ein USD kostete per Wochenschluss 99.2 Rappen.

Bei den Zinsen beruhigte sich die Lage wieder etwas und die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen sank um sieben Basispunkte auf 3.16%, nachdem die Inflationsdaten vom September verhalten ausgefallen sind. Wir gehen bis zum Jahresende von einer Konsolidierung um 3% herum aus. Die Zinsen in Deutschland sanken hingegen um etwa sieben Basispunkte. In der Schweiz blieb es ruhig und es resultierte eine Seitwärtsentwicklung.

Mit den Börsen korrigierte auch der Ölpreis und zwar um 5% auf USD 80/bbl Brent. Die IEA reduzierte die Prognosen für die Ölnachfrage für 2018 und 2019. Grund ist die Abschwächung der Weltwirtschaft. Auf der anderen Seite bleibt das Angebot mit Fragezeichen behaftet (Iran-Sanktionen, Venezuela), womit der Preis relativ hoch bleiben dürfte. Und es bewegt sich doch: Gold machte am Donnerstag einen Sprung um 2.5% auf USD 1’224 pro Feinunze. Als Grund wurde die tiefer als erwartete September-Inflation in den USA angeführt. Es ist allerdings wenig wahrscheinlich, dass nun eine Trendwende beim Gold einsetzt.

Manche Investoren auf dem falschen Fuss erwischt
Die aktuelle Börsenkorrektur hat viele Investoren auf dem falschen Fuss erwischt. Auslöser ist unseres Erachtens das unglückliche Zusammenfallen mehrerer Faktoren. Die US-Bondmärkte wurden durch hohe Auktionen belastet, was zusammen mit dem an Fahrt aufnehmenden Quantitative Tightening zu einem Zinsanstieg führte. Zusätzlich redete das Fed hawkisher als auch schon. Auf der politischen Seite belasteten die neuen Zölle auf China-Importe und der Vizepräsident Mike Pence schlug in einer Rede einen scharfen Ton gegen China an. Weiter steht die Earnings-Season vor der Türe, womit sich die Firmen in der Quiet Season befinden und das Volumen der Aktienrückkäufe tief ist. Dazu dominieren wie oft im Oktober die negativen Schlagzeilen das Bild in der Presse und es fällt vermehrt das Wort Rezession.

Wie geht es nun weiter? Wirtschaftlich sehen wir nach wie vor eine starke US-Wirtschaft mit wenig Ermüdungserscheinungen. Ausserhalb der USA schwächt sich das Wachstum indes in den meisten Regionen ab. Rezessionen erwarten wir aber nicht. Es gibt auch positive Signale. So hat der Auftragseingang in der deutschen Industrie im August kräftig um 2% angezogen. Das gleiche gilt für die Industrieproduktion in der EU. Es ist gut möglich, dass sich dieser Rebound im 4. Quartal fortsetzt.

Die Börsen haben bis jetzt in den USA 7% bis 9% korrigiert, der SMI steht etwa 6% tiefer. Der Dax ist schon länger im Abwärtstrend und sieht nicht gut aus. Hier muss die Marke um 11’400/500 halten, sonst drohen weitere 1’000 Punkte Kursverlust. Für die US Earnings Season erwartet man ein Gewinnwachstum von etwa 19%. Wir achten bei den Gewinnausweisen auf die Margenentwicklung bei den Unternehmen. Es besteht die Gefahr, dass aufgrund steigender Löhne die Margen sinken könnten. Weiter sind die möglichen Auswirkungen der Chinazölle zu beobachten.

Boden wohl noch nicht erreicht
Wir sind seit dem Juli vorsichtig unterwegs und haben vorausschauend die Aktienquote reduziert. Wir empfehlen den Investoren mit Zukäufen noch zu warten, bis sich der Staub gelegt hat. Kurzfristig drohen weitere Kursverluste und der Boden ist wohl noch nicht erreicht.

Generell sind wir aber bereit den Dip zu kaufen, ähnlich wie in der Korrektur vom Februar/März. Der Anstieg des VIX auf 25 beim S&P500 deutet meist auf eine Einstiegsgelegenheit hin und die Chance für einen Gewinn über die nächsten 6 bis 12 Monate ist hoch. Zudem ist die Bewertung gesunken, die Gewinne steigen und die US-Firmen nehmen ab November ihre Aktienrückkäufe wieder auf. Häufig mit einem Teil des gesparten Geldes aus der Steuerreform. In Europa dürfte es generell schwieriger werden. Ein Rebound in qualitativ guten Aktien ist aber auch dort möglich. (IHAG/wum/mc/ps)

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