IHAG Kommentar: Unsicherheit steigt, Makro-Sorgen überall

IHAG Kommentar: Unsicherheit steigt, Makro-Sorgen überall

Zürich – Beunruhigende Nachrichten aus aller Welt bewirkten während der ganzen Woche stetige Kursrückgänge bei den meisten Aktienindices. Der S&P 500 erholte sich am Freitag etwas, gab im Wochenvergleich aber 1.3% nach, der Euro Stoxx 50 2.5% und der SMI 2.7%.

Die Entwicklung des Ölpreises wird momentan mit Argusaugen verfolgt. Nach einem weiteren Anstieg am Montag legte sich die Nervosität wieder etwas und der Preis für ein Fass Brent gab über die Woche leicht nach und schloss bei USD 115 pro Barrel. Der Goldpreis konsolidierte trotz erhöhter Unsicherheit und notierte am Freitag 1% tiefer bei USD 1410 pro Unze. Infolge Flucht in sichere Staatsanleihen gaben die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen in den USA, Europa und der Schweiz zwischen 10 und 20 Basispunkte nach.

Euro mit Verschnaufpause bis 2013
Der EUR/CHF-Kurs scheiterte zum zweiten Mal in 10 Tagen an der 1.30er Marke und schloss bei 1.28. Die Zusage der starken Euro-Staaten, den Rettungsschirm mit mehr Mitteln zu unterlegen und kein Land fallen zu lassen, gibt dem Euro bis 2013 eine Verschnaufspause. Kurzfristig könnte der EUR sich daher etwas erholen, aber die Marktteilnehmer sind sich auch bewusst, dass dieser Aufschub keine Gewähr für einen Schuldenschnitt ist. Der USD/CHF-Kurs konnte sich dagegen etwas von seinem Monatstiefstand bei 0.92 lösen und stieg leicht auf 0.93.

Viele makroökonomischen Probleme
An allen Ecken und Enden der Welt rücken die vielen makroökonomischen Probleme wieder ins Bewusstsein der Anleger. Gelingt China eine kontrollierte Abkühlung der Überhitzung? Falls zu stark gebremst wird, wären diverse europäische Firmen, welche auf den China-Boom setzen davon betroffen (Auto-, Luxus-, Maschinenaktien). Das überraschende Handelsdefizit Chinas im Februar von USD 7.3 Mrd. verunsicherte, weil der Trend unklar ist. Chinas Führung will zwar im Fünfjahresplan die Binnenwirtschaft fördern und sich nicht mehr nur als billiges Produktionswerk für die Welt zufrieden geben. Mit der zunehmenden Urbanisierung (schätzungsweise ziehen jährlich 20 Mio. Chinesen vom Land in die Stadt) braucht es mehr Infrastruktur. Zudem gibt es immer mehr kaufkräftige Konsumenten. In Saudi-Arabien gab es nach den Freitaggebeten und anschliessenden Protesten Spannungen, aber keine Eskalation. Mit 10% der globalen Erdölproduktion würde der Erdölpreis in die Höhe schiessen und Auguren würden sogleich auf frühere Erdölkrisen mit folgender Rezession verweisen. Es ist aber nicht klar, wie stark der Zorn in der breiten Bevölkerung gegen das Regime ist. In Europa hat die Abwertung von Spanien durch Moody’s wieder die Schuldenproblematik im Euro hervorgehoben. Gleichzeitig liess die Meldung der prominenten, weil sehr grossen Fondsgesellschaft Pimco in den USA aufhorchen, wonach alle US-Schuldenpapiere verkauft worden seien. In den USA ist eine Rückführung der enorm gestiegenen Staatsverschuldung durch die Regierung Obama nicht absehbar.

Das enorme Ausmass der Erdbeben nördlich von Tokio wurde erst im Laufe des Wochenendes klarer. Die Bilder und Nachrichten der Tsunamis in Japan, welche Tod und Verwüstung brachten, machen betroffen. Hilflos harrt die Welt auf die weitere Entwicklung in den heisslaufenden Atomkraftwerken, welche Millionen von Menschen in diesem dicht besiedelten Land bedrohen. Nach jeder Katastrophe erscheint es zynisch abzuschätzen, was denn die Auswirkungen auf die Börsen sein werden. Und doch geht das Leben weiter.

Aufatmen auf der Mikroebene
Die Reporting-Season nähert sich dem Ende und auf der Mikroebene ist die Welt in Ordnung, es werden sogar wieder Übernahmen angekündigt. Die meisten Abschlüsse 2010 waren gut bis sehr gut, die Firmen strotzen vor Finanzkraft und gehen mit tieferem Kostenniveau in den weiterhin als intakt gesehenen Aufschwung. Unsicherheiten bestehen allerdings von Seiten der Inflation (Entwicklung der Rohstoffpreise, Durchsetzung von Preiserhöhungen bei eigenen Kunden). Diverse psychologisch wichtige Unterstützungslinien (1300 beim S&P 500, 7000 beim Dax, 6400 beim SMI) sind verletzt worden, was weiteren Druck erzeugt. Allerdings weisen gewisse charttechnische Indikatoren (RSI, MACD) auf eine überverkaufte Situation hin. Ein kurzer Sell-off ist aber dennoch möglich. Generell würden wir noch etwas abwarten. Mit cashflowstarken Marktleadern wie Nestlé, Givaudan, Swatch oder SGS kann man die Korrektur durchhalten. Angesichts der unsicheren Lage gefällt uns zudem die billig bewertete Deutsche Postbank. Auch Corning ist mit dem führenden „Gorilla Glas“ für iPhones etc. auf Wachstum eingestellt, aber günstig bewertet. Bei zyklischen Titeln wie ABB, Adecco, BASF oder Linde könnte es auch bald wieder Kaufgelegenheiten geben. Die makroökonomischen Unsicherheiten überwiegen aber momentan. Somit dürfte die Korrektur an den Aktienmärkten anhalten, bis die Käufer bei tieferen Kursniveaus angesichts der noch attraktiveren Bewertung (P/E, Dividendenrendite) wieder die Oberhand gewinnen. Dazu muss aber etwas mehr Klarheit bei zumindest einigen der hier erwähnten Problemherde erfolgen. (IHAG/mc/hfu)

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