IHAG-Kommentar: Wie weiter nach der Trump-Euphorie?

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Nach dem Hoffnungsrally der Vorwoche mit der Wahl der republikanischen US-Regierung, konnten sich die Börsenindices in den USA auf ihren Rekordwerten halten. In Europa gab es weniger Grund zum Optimismus und die Börsen warteten ab. Über die Woche konnte der S&P 500 nochmals 0.8% zulegen und der SMI 0.3%. Dagegen gab der Stoxx 50 0.3% nach und der DAX konnte sich knapp halten.

Die FED-Chefin Yellen sagte vor einem Kongressausschuss, dass eine Zinsanhebung «relativ bald» angemessen sei. Diese dürfte anlässlich des FED-Meetings vom 14. Dezember verkündet werden und damit die Zinswende einläuten. Jedenfalls kletterten die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen in den USA weiter, nämlich von 2.15% auf 2.34%. In Deutschland konnte nach dem massiven Anstieg der Vorwoche eine Konsolidierung um 0.30% beobachtet werden. In der Schweiz kletterte die Rendite weiter gegen die Null-Linie, nämlich von -0.17% auf -0.11%.

Die Dollarstärke hielt mit dem Zinsanstieg in den USA an und der USD/CHF kletterte bis auf 1.01. Umgekehrt sackte der EUR/USD weiter bis auf 1.06 ab, was ein Wochenverlust von 2.5% bedeutet. Mit dem schwachen EUR kam auch der EUR/CHF unter Druck, aber 1.07 scheint nun der neue Support zu werden.

Goldpreis stabilisiert
Nach dem Zerfall des Goldkurses in der Vorwoche, gelang eine Stabilisierung um USD 1210 die Unze, mit einer Attacke auf USD 1200 am Freitag. Hier liegt ein starker Support, welcher angesichts technisch überverkaufter Indikatoren halten sollte. Der Ölpreis konnte den Abwärtstrend stoppen. Nach dem Wochentiefst bei USD 43.50 pro Fass Brent erholte sich der Preis bis auf USD 46. Die OPEC gab sich zuversichtlich, eine Reduktion der Fördermenge an ihrem Meeting vom 30. November herbeiführen zu können. Dies sorgte für eine massive Erholung im schwarzen Gold. Stützend wirkten am Freitag zudem Berichte, wonach Russland am OPEC-Treffen von Ende November in Wien auch noch an Board geholt werden könne.

Eine Woche nach dem überraschenden Wahlsieg von Donald Trump reibt man sich die Augen. Bei seinem Sieg ging man von hohen Verwerfungen an den Märkten aus. Diese kamen auch, aber anders und gegenteilig als erwartet. Statt der Flucht in sichere Häfen wie Bonds, Gold oder als solide geltende Aktien infolge der erhöhten Unwägbarkeiten, schwangen erhoffte positive Impulse aus Trumps Programm sowie die nun mehrheitsfähige Regierung der wirtschaftsfreundlichen Republikaner oben aus: Steuersenkungen, dadurch mehr Konsum, weniger Regulierungen sowie erhöhte Investitionen in die Infrastruktur rückten in den Vordergrund.

Verzerrte Kursbilder
Damit kam es zu verzerrten Kursbildern mit grosser Sektorrotation. Sofort stiegen die zuvor von Clinton wegen angeblich zu hoher Medikamentenpreise gebeutelten Pharmawerte, was noch nachvollziehbar war. Die bisher gut laufenden US-Banken stiegen wegen positivem Effekt aus steigenden Zinsen weiter und liessen im Soge die zuvor verschmähten europäischen Banken hochschnellen. Die Rohstoffe, wie Kupfer oder Eisenerz, gingen durch die Decke, Minenaktien (Antofagasta, BHP) ebenfalls, wogegen Gold absackte. Auch Währungen und Indices von Schwellenländern (Mexiko, Brasilien, Indonesien) brachen ein und Aktien mit entsprechen hohem Gewinnanteil daraus ebenso (Givaudan, Henkel, ABInbev). Ausverkauf herrschte bei den sicheren Dividendenwerten wie Food (Nestlé, Unilever), Immobilienaktien (Deutsche Wohnen, SPS) oder Telecom. Die meisten Investoren mit einem ausgewogenen Portfolio dürften wohl eher mit Verlusten aus den US-Wahlen gekommen sein, weil die Verwerfungen schnell und heftig waren.

Aus dem globalen Risikofaktor Trump ist über Nacht ein Stabilitätsgarant und Heilsbringer geworden. Ein Herdentrieb, der eine befremdlich kurzfristige und naive Sicht auf die Politik offenbart. In einer komplexen Welt neigen Finanzakteure manchmal zu Vereinfachung. Die Frage ist, wie nachhaltig diese Reaktionen sind. Vieles, was Trump versprochen hat, wird nicht so einfach und nicht so schnell umsetzbar sein. Wir erwarten daher etwas Ernüchterung und eine Rückkehr zur Normalität, mit einer Gegenreaktion bei gewissen extremen Ausschlägen. Dem schnellen Ausverkauf der soliden „Bond-Proxis“ (defensives Wachstum mit guter Dividendenrendite) sollte mindestens eine kleine Gegenbewegung folgen. Begonnen hat diese bei Givaudan, welche vom überverkauften Niveau Chancen für eine Erholung haben.

Zurich und HeidelbergCement im Fokus
In der abgelaufenen Woche hielten diverse Firmen einen Capital Market Day ab, wo die Strategien mit mittelfristigen Zielen dargestellt wurden. Mario Greco von Zurich Insurance zeigte zwar nichts Revolutionäres, aber Kostensenkungen und v.a. das Halten der CHF 17 Dividende bewirkten Applaus an der Börse. Nach dem guten Drittquartalsabschluss dürfte der Aktienkurs weiter klettern. Bei HeidelbergCement sehen wir nach einem Meeting mit dem CFO mittelfristig weiteres Potential. Weniger wegen Trump, aber Nordamerika (30% vom EBIT) läuft bereits sehr gut, die Integration von Italcementi bringt Synergien und wenn das erfahrene Management mit starkem Track Record die neu gesetzten Ziele umsetzen kann, winkt eine Verdoppelung des EPS bis 2019. (IHAG/frp/mc/ps)

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