Madrid schliesst Übergreifen der Krise auf Spanien aus

Elena Salgado

Spaniens Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado.

Madrid – Spaniens Regierung hält es für «total ausgeschlossen», dass Madrid nach Lissabon die EU ebenfalls um Finanzhilfen bitten muss. Die wirtschaftliche Lage in Spanien unterscheide sich stark von der in Portugal, betonte die spanische Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado am Donnerstag.

«Wir hatten in der Vergangenheit Haushaltsüberschüsse erzielt und jahrelang ein hohes Wirtschaftswachstum gehabt. So etwas gab es in Portugal nicht», sagte die Ministerin dem Radiosender Cadena SER. Die Risikoaufschläge, die der spanische Staat für seine Anleihen an Zinsen zahlen muss, seien seit Jahresbeginn um 30 Prozent gesunken. Damit sei es für Spanien billiger geworden, seine Schulden zu finanzieren. «Die Märkte wissen zwischen den Volkswirtschaften Spaniens und Portugals zu unterscheiden», sagte Salgado. «Die spanische Wirtschaft ist diversifizierter, kräftiger und konkurrenzfähiger als die portugiesische.»

Extrem hohe Arbeitslosigkeit
Die grösste Schwäche der spanischen Wirtschaft ist die hohe Arbeitslosigkeit, die mit einer Quote von knapp über 20 Prozent die höchste in der EU ist. Daran wird sich nach einem Bericht der Regierung in nächster Zeit wenig ändern. Das Wirtschafts- und Finanzministerium korrigierte seine Prognose für dieses Jahr nach oben. Danach rechnet Madrid für Ende 2011 mit einer Arbeitslosenquote von 19,8 Prozent, 0,5 Prozentpunkte mehr als in der bisherigen Prognose.

EU-Kommission: Spanien ist auf gutem Weg
Die EU-Kommission sieht nach der Bitte Portugals um EU-Finanzhilfe keine Ansteckungsgefahr für Spanien. «Spanien ist auf gutem Weg», sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn am Donnerstag in Brüssel. «Die spanische Wirtschaft steht vor Herausforderungen, aber bis jetzt erfüllt Spanien seine Aufgaben.» Die EU-Kommission werte den strikten Sparkurs und die Strukturreformen positiv und sehe keine Analogien zum Nachbarland Portugal. Geld aus dem Euro-Rettungsfonds sei nicht nötig: «Wir spekulieren nicht über solche Szenarien.» Auch Spaniens Regierung hatte erklärt, es sei «total ausgeschlossen», dass Madrid nach Lissabon die EU ebenfalls um Finanzhilfe bitten müsste.

Spanien nimmt erfolgreich 4,1 Milliarden Euro am Markt auf
Spanien hat am Donnerstag erfolgreich 4,1 Milliarden Euro am Markt aufgenommen. Die Anleihe mit einer Laufzeit von drei Jahren wurde mit einer Durchschnittsrendite von 3,568 Prozent emittiert, teilte das spanische Finanzministerium am Donnerstag in Madrid mit. Vor einem Monat hatte die Rendite noch etwas höher bei 3,592 Prozent gelegen. Es war ein Volumen von 3,5 bis 4,5 Milliarden Euro angestrebt worden. Die Anleihe war 1,8-fach überzeichnet. (awp/mc/upd/ps/upd/ss)

Spanische Regierung

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