Mit Managed Futures die Inflation erfolgreich meistern

Peter Clarke

Man-CEO Peter Clarke.

Zürich – Das Fluten der westlichen Volkswirtschaften mit billigem Geld als Reaktion auf die Finanzkrise hat ein uraltes Gespenst wieder zum Leben erweckt: die Sorge vor Inflation. Zwar hat die Abschwächung des weltweiten Aufschwungs den Inflationsdruck zuletzt etwas verringert, die grundsätzlichen Risiken einer Geldentwertung bestehen aber fort. Man wird deshalb in den kommenden Wochen verschiedene Anlageklassen und ihre Wertentwicklung in Inflationszeiten diskutieren. Grundlage ist eine jüngst im Auftrag von Man erstellte Studie.

In der vorliegenden Auftaktfolge soll dabei auf so genannte Managed Futures oder CTAs (Commodity Trading Advisors) eingegangen. Zugleich wird erklärt, weshalb derzeit viele Indizien darauf hindeuten, dass die westlichen Industrieländer in den kommenden Jahren mit einer steigenden Teuerungsrate kämpfen werden.

Managed Futures sind computergesteuerte Strategien, die systematisch Erträge aus Preistrends generieren. Sie investieren in bis zu 200 unterschiedliche, börsennotierte Futures-Kontrakte und engagieren sich damit in allen wichtigen Sektoren wie Aktien, Anleihen, Währungen oder Rohstoffen. Ziel ist es dabei nicht, die Entwicklung von Märkten „vorherzusehen“, sondern frühzeitig bereits bestehende Markttrends auszumachen und für sich zu nutzen. Deshalb heissen diese auf Computertechnologien, Statistik und Quantifizierung setzenden Strategien auch „Trendfolger“. Dabei besteht sowohl die Möglichkeit, in Märkten ohne Trends einfach auszusteigen, als auch – im Falle von Abwärtstrends – von fallenden Preisen durch Leerverkäufe (Shorts) zu profitieren.

Stark in der Krise und in Inflationszeiten
Gerade in Krisenzeiten profitieren Managed Futures, indem sie etwa Aktienindizes leerverkaufen und gleichzeitig in Anleihefutures investieren. So konnten sie beispielsweise nach dem Platzen der New-Economy-Blase und in der Finanzkrise Rekordrenditen verbuchen. Doch damit nicht genug: Der Rückblick auf die letzte grosse Inflation in den 70er-Jahren zeigt, dass Managed Futures auch ein erstklassiger Inflationsschutz sind. Damals verharrte das Preisniveau von Aktien fast zwei Jahrzehnte lang auf konstantem Niveau, während eine Inflation von durchschnittlich neun Prozent pro Jahr massiv die Vermögen der Anleger vernichtete. Managed Futures erzielten hingegen gerade in dieser Phase der Hochinflation bis 1983 Rekorderträge von 25 bis 50 Prozent pro Jahr.

Zwar basierten die damaligen „Trendfolger“ mangels Technologie nicht auf Computersystemen, sondern auf Bleistift, Lineal und technischer Analyse. Doch die Strategien waren identisch und es gibt mittlerweile mehrere akademische Studien, die die Tauglichkeit von Managed Futures zum Schutz vor Inflation belegen. Wie beeindruckend die damals erzielten Renditen waren, belegt folgende Tabelle:

Grafik Man 1
Quelle: International Traders Research, TAss

Bemerkenswert ist, dass zwei dieser CTAs, Millburn und Campbell, noch heute zu den etabliertesten Investmentfirmen im Managed-Futures-Bereich zählen. Dass diese zwei Firmen mit der gleichen Trendfolgephilosophie die Turbulenzen der vergangenen 35 Jahre an den Märkten überdauert haben, ist ein zusätzliches Indiz, dass dem Trendfolgeansatz eine fundamentale Ertragsbasis zugrunde liegt.

Die Zeichen stehen auf Inflation

Für Anleger sind die hohen Renditen in Zeiten massiver Teuerung eine erstklassige Möglichkeit, inflationärer Wertvernichtung entgegen zu wirken. Nach der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 hat die amerikanische Zentralbank (Federal Reserve) die USA massiv mit Geld geflutet, um einen Kollaps von Wirtschaft und Finanzsystem zu verhindern. In der Folge verdreifachte sich die monetäre Basis der USA in den letzten drei Jahren auf mehr als 2600 Mrd. Dollar. Weil diese Liquidität bislang weitgehend zum Aufbau von Überschussreserven genutzt wurde und die Konjunktur der grössten Volkswirtschaft der Welt weiter lahmt, lassen sich derzeit jenseits des Atlantiks noch kaum Hinweise auf eine steigende Teuerung finden. So lag die durchschnittliche US-Inflationsrate seit Ende 2008 bei etwa 1,2 Prozent pro Jahr.

Man geht jedoch davon aus, dass die Flutung der Märkte mit billigem Geld und die extreme Niedrigzinspolitik der USA ab einem bestimmten Zeitpunkt inflationsverstärkend wirken wird. „Dann muss man darauf vertrauen, dass die Fed die Geldpolitik in adäquatem Mass wieder anzieht“, urteilen die Autoren der Man-Studie und schränken zugleich ein: „Das genaue Timing für die monetäre Feinabstimmung ist aber sehr schwierig.“

Schwellenländer und Rohstoffpreise als Inflationsherde
Die niedrigen Zinsen in den USA und Europa führen ausserdem dazu, dass Investoren in Emerging Markets mit höherem Zinsniveau und starker Wachstumsperspektive gezielt nach Renditechancen suchen. Die Folge: Dort heizt das Kapital aus dem Ausland die Nachfrage an und die Zentralbanken stehen vor dem Problem, inflationären Druck im Inland mit Zinserhöhungen bekämpfen zu müssen. Dies erhöht wiederum die Zinsdifferenz zu den Niedrigzinsländern und führt zu weiteren Kapitalzuflüssen. In Ländern wie Brasilien, Russland und China kann man dies bereits beobachten. Dort hat sich die Inflationsrate in den vergangenen Quartalen erhöht.

Hinzu kommt ein weiterer potenzieller Inflationstreiber: die Entwicklung der Rohstoffpreise. Seit 2008 haben diese deutlich angezogen. So erhöhten sich die Preise beispielsweise alleine im Agrarbereich im Jahr 2010 um 36,7 Prozent. Einer der Hauptgründe hierfür ist die wachsende Nachfrage aus Schwellenländern.

Inflation als Retter in der Schuldenkrise?
Schliesslich gibt es noch ein weiteres Indiz, das für steigende Teuerungsraten in der Zukunft spricht – die immensen Staatsschulden der westlichen Welt. Alleine zwischen den Jahren 2007 und 2009 haben sich die Schulden der OECD-Länder um 19 Prozent erhöht. In den USA betrug die Zunahme im gleichen Zeitraum sogar 50 Prozent oder in absoluten Zahlen 2500 Milliarden Dollar (siehe Tabelle). Und es gibt kaum Anzeichen dafür, dass dieser Trend gestoppt ist.

Grafik Man 2
Tabelle 1: Vergleich der Schuldenstände einiger Industrieländer 2007 und 2009 (in USD Millionen. Quelle: OECD, Total Central Government Debt)

Daher stellt sich mehr denn je die Frage, wie die westlichen Staaten ihre finanziellen Lasten wieder abbauen wollen. Historisch gesehen zeigt sich, dass hoch verschuldete Länder häufig auf Inflation gesetzt haben. Der Grund war, dass sie schlicht ihre Zinsen nicht mehr zahlen konnten.  Notwendige nachhaltige Sparmassnahmen können in einem schwachen Wirtschaftsumfeld politisch schwer durchgesetzt werden.
Das Beispiel Griechenland zeigt, dass Sparmassnahmen auf heftigen Widerstand in der Bevölkerung stossen. Zudem sorgen sie häufig dafür, dass die Konjunktur zusätzlich geschwächt wird und damit die Gefahr weiterer staatlicher Verschuldung wächst. Auch vor diesem Hintergrund ist eine Zunahme inflationärer Tendenzen in naher Zukunft zu erwarten.

Autoren der Man-Studie „Inflationsgefahr – Ursachen und Schutzinstrumente“:

  • Felix Gasser, Portfolio Manager bei Man,
  • Claus Huber, Rodex Risk Advisers LLC
  • Nicolas Bürkler, Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ

Weitere Anlageklassen, die im Rahmen der Serie „Investieren in Inflationszeiten“ diskutiert werden, sind:

  • Aktien (20. Oktober)
  • Anleihen (27. Oktober)
  • Rohstoffe (3. November)
  • Immobilien (10. November)

Über Man
Man ist einer der weltweit führenden alternativen Investment Manager. Das Unternehmen bietet weltweit eine breite Fondspalette für institutionelle und private Anleger an und ist bekannt für seine Performance, das innovative Produktdesign und seinen leistungsstarken Kundendienst. Das von Man verwaltete Vermögen beläuft sich per 30. September 2011 auf USD 64.5 Mrd.
Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis 1783 zurück. Heute ist Man Group plc
an der London Stock Exchange gelistet und Mitglied im FTSE 100 Index, ihre Marktkapitalisierung beträgt rund GBP 2,5 Mrd.
Die Man Group ist im Dow Jones Sustainability World Index und im FTSE4Good Index vertreten. Man sponsert zahlreiche Auszeichnungen, wohltätige Organisationen und Förderprogramme weltweit, unter anderem die Man-Booker-Literaturpreise. Weitere Informationen finden Sie unter www.man.com.
Auftakt zur fünfteiligen Serie «Investieren in Inflationszeiten» von Man.

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