Raiffeisen zieht sich als Leonteq-Ankeraktionärin zurück

Raiffeisen zieht sich als Leonteq-Ankeraktionärin zurück
(Bild: Raiffeisen)

St. Gallen/Zürich – Die Leonteq-Grossaktionärin Raiffeisen verkauft den Grossteil ihrer Beteiligung an dem Derivate-Spezialisten. Beide Unternehmen bleiben aber mindestens bis 2030 Kooperationspartner.

Raiffeisen Schweiz verkauft einen Leonteq-Anteil von 22,7 Prozent an H21 Macro Limited und vier private Investoren, wie aus einer Mitteilung von Leonteq vom Montag hervorgeht. 16,2 Prozent gehen an H21 Macro Limited, die restlichen 6,5 Prozent an die privaten Investoren. Nach dem Verkauf hält Raiffeisen damit noch einen Anteil von 7,0 Prozent an Leonteq.

Der Deal soll spätestens im dritten Quartal 2026 abgeschlossen sein, heisst es. Hinter H21 Macro Limited steckt der bekannte Investor Rainer-Marc Frey, der per Ende 2025 bereits 7,1 an Leonteq hielt.

Überraschung am Markt
Damit beende Raiffeisen Schweiz ihre Rolle als Ankeraktionärin und fokussiere sich auf die operative Zusammenarbeit mit Leonteq, heisst es in einer separaten Mitteilung von Raiffeisen. Der Kooperationsvertrag mit Leonteq sei entsprechend nicht betroffen und laufe weiterhin bis im März 2030.

Raiffeisen ist seit 2013 Kooperationspartner von Leonteq. «Es wurde vor ein paar Jahren bereits einmal bekannt, dass Raiffeisen gerne ihren Anteil an Leonteq reduzieren würde», schreibt ZKB-Analyst Daniel Regli in einem Kommentar. Damals sei von einem Verkauf um die 10 Prozent die Rede gewesen.

«Allerdings war damals offensichtlich kein Käufer zu finden.» Zum anderen wurde in jüngerer Vergangenheit Raiffeisen laut Regli oft auch als möglicher Käufer im Falle einer Komplettübernahme von Leonteq genannt. Dass die Bank aber nun gleich über 20 Prozent ihres Anteils abgibt, überrasche ihn.

Bewältigung von Altlasten
«Diese Transaktion bestätigt, dass professionelle Investoren einen klaren Wert in Leonteq sehen», liess sich indes Verwaltungsratspräsident Christopher Chambers in der Leonteq-Mitteilung zitieren. Es sei auch eine Anerkennung der Fortschritte bei der Bewältigung von Altlasten.

Unter anderem hatte die Finma Ende 2024 festgestellt, dass Leonteq mit dem Vertrieb ihrer Finanzmarktprodukte im Ausland gegen Risikomanagement-Pflichten verstossen habe und zog Gewinne ein. Anfang 2024 war das Unternehmen zudem wegen möglicher Mängel bei Geldwäscherei-Vorkehrungen ins Visier der Behörden in Frankreich geraten. Mittlerweile sieht der Derivate-Anbieter Leonteq seine diversen regulatorischen Altlasten als weitgehend erledigt an, wie es zuletzt Mitte Februar hiess.

Das Geschäftsjahr 2025 schloss Leonteq allerdings mit tiefroten Zahlen ab: Der Reinverlust belief sich im vergangenen Jahr auf 33,7 Millionen Franken nach einem kleinen Gewinn von 5,8 Millionen 2024.

Aktie mit Kurssprung
Man sei «auf dem richtigen Weg», sagte Leonteq-CEO Christian Spieler. «Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, unsere Erträge zu steigern und unsere Guidance für 2026 sowie unsere Mittelfristziele zu erreichen.»

An der Börse ist die Reaktion am Montag klar positiv: Die Aktie springt gegen 11.15 Uhr um 10,7 Prozent auf 12,60 Franken – in einem insgesamt deutlich schwächeren Gesamtmarkt. Am Markt erhofft man sich unter anderem neue Impulse vom neuen Ankeraktionär. Raiffeisen sei seit Längerem nicht mehr besonders engagiert gewesen, so ZKB-Analyst Regli. Das habe sich unter anderem im Rückzug aus dem Verwaltungsrat, der Ablehnung wichtiger Traktanden an der GV und der Forderung nach einer überhöhten Dividende gezeigt.

Zu welchem Preis Raiffeisen verkauft, ist nicht klar. 2024 musste die Bankengruppe bereits eine Wertberichtigung von 82,4 Millionen auf ihrer Leonteq-Beteiligung vornehmen. Das Jahresergebnis 2025 kommuniziert Raiffeisen am 11. März 2026. (awp/mc/pg)

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