SGKB Investment views: Besser, aber noch nicht gut

SGKB Investment views: Besser, aber noch nicht gut
Von Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – An den Aktienmärkten ist die Corona-Pandemie Geschichte, zumindest was die Kurse betrifft. Der Swiss Performance Index ist 5% höher als beim Ausbruch der Pandemie in Europa im Februar 2020, der S&P 500 gar 24%. Seit Anfang Jahr haben die Aktien aus wirtschaftssensitiven Sektoren einen wahren Höhenflug hingelegt. Begründet wird die Euphorie mit der erwarteten Erholung der Wirtschaft nach der Corona-Rezession. Gegeben die aktuellen Kurse müsste die Konjunkturerholung nicht mehr erwartet werden, sondern bereits erfolgt sein. Das ist aber bei weitem noch nicht so.

In den USA ist die Arbeitslosenrate auf 6.0% gesunken. Im Vergleich zu der Zeit vor Corona sind aber immer noch 8 Millionen Leute weniger beschäftigt. Besonders betroffen sind Jobs aus dem Niedriglohnbereich und damit Leute, die sich ohne finanzielle Reserven von Lohnzahlung zu Lohnzahlung hangeln. In Europa geben sich wirtschaftliche Öffnungsschritte und neue Lockdowns die Hand. In Indien wütet das Virus und lähmt das Land. In Japan versuchen die Behörden, mit immer neuen Einschränkungen die Durchführung der Olympischen Spiele zu retten. Einzig aus China hört man durchwegs positive Meldungen über einen Wirtschaftsaufschwung.

Zukunft fest im Blick
Es ist bekannt, dass sich die Anleger weniger für die Gegenwart als für die Zukunft interessieren. Die Prognose für das in diesem Jahr mit 6.5% stärkste Wirtschaftswachstum in den USA seit dreissig Jahren lässt ihre Herzen schneller schlagen. Dass ein Grossteil davon lediglich ein Aufholen des letztjährigen Einbruchs der Konjunktur ist, wird als Nebensächlichkeit abgetan. Rekordgewinne von Corona-Profiteuren wie Google oder Amazon überstrahlen das Wegbrechen der Einnahmen in vielen anderen Unternehmen. Steigende Rohstoffpreise lassen die Anleger von einem neuen Superzyklus träumen, obschon die Preise von Industrierohstoffen nach Rezessionen regelmässig steigen. Bis die Minen ihre Produktion wieder erhöhen und das Angebot mit der gestiegenen Nachfrage mithalten kann, braucht es jeweils seine Zeit. Wenn dann die Zentralbanken noch ihre Zinsen tief halten und das System mit Geld vollpumpen, kann an der Börse nichts mehr schief gehen, egal wie hoch die Preise schon sind. Dabei sollte gerade das Vorgehen der Zentralbanken zur Vorsicht mahnen. Dass die Fed und die EZB ihre Käufe von Anleihen nicht zurückfahren, zeigt, dass sie der Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung noch nicht trauen.

Kurzfristig überwiegen positive Meldungen
In den nächsten Wochen und Monaten werden die positiven Meldungen überwiegen, allein schon nur aufgrund des Basiseffekts. Im Vergleich zur Vorjahresperiode, dem Lockdown im 2. Quartal 2020, können die Zahlen aus der Wirtschaft und von den Unternehmen fast nur gut aussehen. Das wird die Investoren erfreuen und den Aktienkursen die nötige Fantasie verleihen. Heikler wird die Periode nach dem Sommer, wenn die guten Daten des zweiten Quartals bestätigt werden müssen. Gleichzeitig wird die Frage, wann die Zentralbanken ihre ausserordentlichen Massnahmen reduzieren, stärker in den Vordergrund rücken. Effektiv wird das zwar erst im nächsten Jahr passieren. Die Finanzmärkte wird es aber schon im Vorfeld bewegen. An die Ruhe der letzten Wochen wird man im Herbst mit Wehmut zurückblicken. Dank der fortschreitenden konjunkturellen Erholung bleibt das mittelfristige Umfeld für die Aktien aber gut, weshalb man sich dann von den stärkeren Kursschwankungen nicht beeindrucken lassen sollte. (SGKB/mc/ps)

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