SGKB Investment views: Der Kampf der SNB gegen Windmühlen

Thomas Stucki

von Thomas Stucki, CIO St. Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Seit dem letzten Sommer handelt der Franken gegenüber dem Euro recht stabil bei rund 1.10. Weder die Eskalation in Griechenland im Juli noch die Turbulenzen an den Finanzmärkten im Herbst und zu Beginn dieses Jahres haben zu einer Aufwertung des Frankens geführt. Dies ist ein positives Zeichen. Diese Stabilität kommt jedoch nicht von selber. Die Nationalbank hilft offensichtlich mit regelmässigen Interventionen am Devisenmarkt nach.

Die Devisenbestände der SNB sind seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses um 77 Mrd. Franken gestiegen. Davon kann nur rund die Hälfte durch Bewertungsgewinne und Erträge erklärt werden. Es bleibt als ein erklecklicher Teil des Anstiegs, welcher durch zusätzliche Verkäufe von Franken verursacht wurde. Die SNB verhält sich dabei recht geschickt. Mit gezielten Interventionen lässt sie eine Aufwertungsphantasie für den Franken gar nicht erst aufkommen. Sie hat sich damit im Markt wieder eine gute Reputation verschafft. „Es ist gefährlich, gegen die SNB zu spekulieren“.

Die Nationalbank betont immer wieder, dass der Franken massiv überbewertet sei. Im Vergleich zum realen historischen Wert der letzten zwei Jahrzehnte ist dies der Fall. Die Überbewertung ist aber nicht in erster Linie das Ergebnis der Aufhebung des Euro-Mindestkurses, sondern der Aufwertung des Frankens als Folge der Finanzkrise in den Jahren 2009 bis 2011.

Kollateralschäden der Eurokrise
Der Grund für die damalige Stärke des Frankens war neben der generellen Suche nach Sicherheit vor allem die Eurokrise. Es ist nicht ein Problem des starken Frankens, sondern ein solches des schwachen Euro. Der starke Franken ist ein Kollateralschaden der EZB-Politik zur Rettung und Aufrechterhaltung der Einheitswährung.

Die Europäische Zentralbank wird an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten, solange die Wirtschaft in Europa nicht stärker Fahrt aufnimmt und die Inflationsrate nicht steigt. Beides ist in den nächsten Monaten nicht zu erwarten. Mario Draghi wird sich immer wieder neue Möglichkeiten ausdenken, um seine Geldpolitik noch expansiver zu gestalten und damit als nicht unerwünschten Nebeneffekt den Euro schwächen. Die SNB wird somit weiter gezwungen sein, regelmässig im Devisenmarkt zu intervenieren, wenn sie den Franken zum Euro stabil halten will.

Das neue Gleichgewicht
Auch nach einer Normalisierung der Geldpolitik der EZB wird sich der Franken nicht substantiell abwerten. Die Aufwertung nach der Finanzkrise ist vergleichbar mit dem Verschieben der Erdplatten bei einem starken Erdbeben. Dieser Sprung wird auch nicht rückgängig gemacht. Vom neuen Gleichgewicht aus gehen die gewohnten Bewegungen der Platten weiter.

Ähnlich wird es sich mit dem Franken verhalten. Die Inflation in der Schweiz ist normalerweise etwa 1% tiefer als in der Eurozone und 2% geringer als in den USA. Über die Zeit wird dieser Wettbewerbsvorteil der Schweizer Wirtschaft durch weniger stark ansteigende Preise über eine Aufwertung des Frankens im gleichen Ausmass kompensiert. Wenn der Einfluss der Zentralbanken auf die Devisenkurse wieder abnimmt, wird der Franken vom heutigen Niveau aus handelsgewichtet im Trend also wieder mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 1-2% teurer werden. (SGKB/mc/pg)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.