SNB: Maechler verweist auf stark gestiegene Unsicherheit an den Märkten

SNB: Maechler verweist auf stark gestiegene Unsicherheit an den Märkten
SNB-Direktoriumsmitglied Andréa Maechler.

Bern – Die SNB hat mit ihrer aktuellen Zinserhöhung auf eine Vielzahl von Belastungsfaktoren reagiert. Wie Andréa Maechler, Mitglied des SNB-Direktoriums, am Donnerstag gemäss Redetext an der Medienkonferenz zur geldpolitischen Lage erklärte, ist die Unsicherheit wegen zahlreicher Belastungsfaktoren zuletzt gestiegen.

«An den Finanzmärkten ist die Volatilität seit Anfang Jahr wieder deutlich angestiegen», so Maechler. Der starke Anstieg der Inflation im Ausland und die damit verbundenen Erwartungen einer rascheren Straffung der Geldpolitik – insbesondere in den USA – hätten diese deutlich angetrieben. Die US-Notenbank habe ihren Leitzins denn bereits auch mehrmals erhöht und weitere Schritte in Aussicht gestellt.

Aber auch der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen haben laut Maechler die bestehenden Lieferkettenprobleme verschärft und zu Preissprüngen bei Energie und Rohwaren geführt. «Diese Entwicklungen haben die Wachstumserwartungen belastet und die Unsicherheit an den Finanzmärkten erhöht.»

Starker Auftrieb bei Anleihen-Renditen
Der geldpolitische Richtungswechsel habe sich vor allem auf die Märkte für Staatsanleihen ausgewirkt. In den USA seien die nominalen Renditen 10-jähriger Staatsanleihen klar gestiegen, vor allem aber kürzere Laufzeiten seien von dieser Neubewertung besonders stark betroffen. Dies habe die Renditedifferenzen zwischen langen und kurzen Laufzeiten reduziert. «Eine solche Verflachung der Zinskurven ist typisch für eine Periode steigender Inflations- und Zinserwartungen.» Auch in der Schweiz und im Euroraum speziell in Deutschland seien die Renditen der Staatsanleihen klar gestiegen.

Die Erwartung einer geldpolitischen Straffung habe auch die Aktienmärkte und Devisenmärkte in den vergangenen Monaten beeinflusst.

Senkung des Freibetrags angebracht
Gleichzeitig erklärt Maechler, dass die SNB mit der Senkung des Freibetragsfaktors von 30 auf 28 sicherstelle, dass genügend Sichtguthaben dem Negativzins unterliegen und dieser sich wie gewünscht auf den Geldmarkt übertrage.

«Ab März 2022 entstand Aufwärtsdruck auf die kurzfristigen Zinssätze am besicherten Geldmarkt», so das Direktoriums-Mitglied weiter. «Dies lag daran, dass die Freibeträge aufgrund der dynamischen Freibetragsberechnung über die Zeit angestiegen waren, womit nicht mehr genügend Sichtguthaben dem Negativzins unterlagen.»

Die Senkung des Freibetragsfaktors sei angebracht, hält Maechler fest. Dieser Schritt führe dazu, dass die kurzfristigen besicherten Geldmarktzinsen wieder ohne regelmässige, grössere Liquiditätszuführung durch die SNB nahe am SNB-Leitzins liegen werden. (awp/mc/pg)

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