SNB mit Milliardengewinn nach neun Monaten

Philipp Hildebrand

SNB-Präsident Philipp Hildebrand.

Zürich – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in den ersten neun Monaten 2011 einen Konzerngewinn von 5,8 Mrd CHF erzielt. Wie die SNB am Montag mitteilte, haben der Goldpreis und die aktuelle Zinssituation zu hohen Bewertungsgewinnen auf dem Gold und auf den festverzinslichen Anlagen geführt. Die Aufwertung des Frankens seit Anfang Jahr namentlich gegenüber dem Euro und dem US-Dollar verursachte dagegen wechselkursbedingte Bewertungsverluste. Ob es für 2011 zu Auszahlen an Dividenden oder Ausschüttungen an Bund und Kantone kommen wird, kann die Nationalbank derzeit nicht sagen.

Nach dem Halbjahr hatte die SNB vor allem wegen Bewertungsverlusten durch den sehr starken Franken noch einen Konzernverlust von 10,8 Mrd CHF verbucht. Nun hat sich die Situation an der Währungsfront gedreht, dies vor allem nach der Ankündigung der SNB Anfang September, dass sie einen EUR/CHF-Kurs von mindestens 1,20 verteidigen will. Insgesamt hat sie im dritten Quartal einen Erfolg aus Fremdwährungspositionen von fast 10,2 Mrd CHF erzielt. Daneben ergab sich allerdings auch aus den Goldpositionen ein Plus von 6,5 Mrd CHF.

Fremdwährungspositionen machen Kursverluste wett
Für die Neunmonatsperiode verbuchte die SNB einen Erfolg auf den Fremdwährungspositionen von rund 0,3 Mrd CHF. Die Wechselkursverluste beliefen sich Ende September noch auf 4,7 Mrd CHF, die anderen Erfolgskomponenten der Fremdwährungspositionen konnten dies aber mit einem Beitrag von 5,0 Mrd CHF mehr als wettmachen, wie die SNB am Montag mitteilte. Die 5 Mrd CHF setzen sich aus Kursverlusten auf Beteiligungspapieren und –instrumenten von rund 3,0 Mrd, Zinserträgen von 4,0 Mrd, Dividendenerträgen von 0,4 Mrd und Kurserfolgen auf Zinspapieren und –instrumenten von 3,7 Mrd zusammen.

Darlehen an Stabilisierungsfonds weiter reduziert
Auf dem mengenmässig unveränderten Goldbestand entstand laut SNB im Neunmonatszeitraum ein Bewertungsgewinn von 5,0 Mrd CHF. Das Gold wurde per 30. September zu 47’089 CHF pro Kilogramm gehandelt; das waren 4’800 CHF mehr als zu Jahresbeginn. Die Frankenpositionen haben für die ersten drei Quartale 2011 zu einem Aufwandüberschuss von 148 Mio CHF geführt. Massgebliches Element hier war der Aufwand von rund 307 Mio für die Repo-Geschäfte und die Schuldverschreibungen (SNB Bills). Das Darlehen an den Stabilisierungsfonds konnte laut Mitteilung im Berichtszeitraum auf 7,9 Mrd CHF (8,8 Mrd USD) von 11,8 Mrd (12,6 Mrd USD) reduziert werden, und das Gesamtrisiko ging auf rund 8,7 Mrd CHF von knapp 14 Mrd CHF zurück. Der Stabilisierungsfonds weist für die ersten drei Quartale 2011 einen Gewinn von 1’306 Mio USD aus, der Beitrag zum Konzernergebnis beläuft sich auf 573 Mio CHF.

Noch keine Aussagen über mögliche Dividende
Das Ergebnis der SNB ist bekanntlich überwiegend von der Entwicklung der Gold-, Devisen und Kapitalmärkte abhängig. Starke Schwankungen sind deshalb die Regel, und Rückschlüsse auf das Jahresergebnis können laut SNB nur bedingt gezogen werden. Zum heutigen Zeitpunkt könnten denn auch noch keine Aussagen darüber gemacht werden, ob es für 2011 zu einer Dividendenzahlung an die Aktionäre sowie einer Ausschüttung an den Bund und die Kantone kommen wird, so die SNB.

Handlungsfähigkeit betont
Die Rückstellungen für Währungsreserven der Nationalbank seien Ende letzten Jahres weniger stark als vorgesehen erhöht worden, und die Gewinnausschüttungsreserve sei deutlich in den negativen Bereich gesunken. Der Aufbau von Rückstellungen sei in dieser Situation daher prioritär, meint die Nationalbank. Das Eigenkapital des SNB-Stammhauses beträgt derzeit rund 45 Mrd CHF. In diesem Zusammenhang betont die Nationalbank einmal mehr, dass sie selbst bei vorübergehend negativem Eigenkapital uneingeschränkt handlungsfähig bleibe. Aufgrund der starken Währungsverluste war das Eigenkapital der SNB vorübergehend stark geschrumpft, was zu Diskussionen Anlass gegeben hatte, die SNB könnte ihre Handlungsfähigkeit dadurch verlieren. (awp/mc/upd/ps)

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