SNB-Politik spaltet Ökonomen

Thomas Jordan
SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan. (Foto: SNB)

Zürich – Die aktuelle Geldpolitik der Schweizer Nationalbank (SNB) spaltet die Ökonomen. Einer Umfrage von NZZ und KOF zufolge sieht knapp die Hälfte der Experten die aktuelle Marschroute der Währungshüter als zu expansiv an, die etwas grössere Hälfte findet sie noch angemessen.

Das grosse Problem für die Notenbanken ist derzeit die teils massiv steigende Inflation – in Europa und den USA werden kontinuierlich Rekorde bei der Preissteigerung erreicht. Die Schweiz kommt dabei bislang noch relativ gut weg, mit einer Inflation von zuletzt 2,4 Prozent liegt der Wert aber auch am oberen Rand des Zielbandes der SNB. Die sieht aber aktuell noch keinen Handlungsbedarf.

Die NZZ hat nun zusammen mit der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) 110 Ökonomen über die weitere Entwicklung der Teuerung und der Reaktion der SNB darauf befragt. Mit 63 Prozent zeigt sich eine Mehrheit zuversichtlich, dass die hiesige Inflation nur ein temporäres Phänomen ist, schreibt die Zeitung am Mittwoch.

Wesentlicher Treiber der Inflation ist für 73 Prozent der Experten der Kostenanstieg durch unter anderem steigende Rohstoff- und Energiepreise. Nur 26 Prozent sehen den Kostensprung in gleichem Mass wie den Nachfrageanstieg nach der Pandemie als Ursache an.

Zustimmung von knapp über der Hälfte für SNB-Politik
Deutlich geteilter Meinung sind laut einer KOF-Mitteilung die Ökonomen mit Blick auf die aktuelle Politik der Nationalbank. Immerhin betrachten mit 53 Prozent etwas mehr als die Hälfte die momentane Marschrichtung als angemessen. Rund 44 Prozent wären allerdings für eine restriktivere Geldpolitik, etwa über eine Leitzinserhöhung, heisst es weiter.

Mittelfristig, also in den kommenden fünf Jahren, erwarten 55 Prozent der Befragten eine Leitzinserhöhung bis in den positiven Bereich. 38 Prozent gehen immerhin von einem Zins um die Nullmarke aus, die übrigen Ökonomen prognostizieren anhaltend negative Zinsen.

Die grosse Mehrheit von 94 Prozent erwartet für den Prozess der Zinsnormalisierung, dass die SNB nicht vor der EZB an der Zinsschraube drehen wird. Ein Vorpreschen der Nationalbank würde die Aufwertung des Frankens noch verstärken. Aber auch wenn die SNB auf die EZB wartet, geht über die Hälfte der Befragten von einer weiteren Aufwertung der heimischen Währung aus. (awp/mc/ps)

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