Thomas Wellauer soll Präsident der Schweizer Börse SIX werden

Thomas Wellauer soll Präsident der Schweizer Börse SIX werden
Thomas Wellauer soll bei SIX als VRP auf Romeo Lacher folgen. (Foto: Swiss Re)

Zürich – Ein wichtiger Posten am Schweizer Finanzplatz wird im Frühjahr 2020 neu besetzt. Der Verwaltungsrat der Börsenbetreiberin SIX hat sich für Thomas Wellauer als Nachfolger von Präsident Romeo Lacher entschieden.

An einer ausserordentlichen Generalversammlung Mitte Dezember 2019 werden die Aktionäre über den Vorschlag befinden. Der genaue Termin werde noch festgelegt, sagte ein SIX-Sprecher am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP.

Der als Nachfolger ausgewählte Wellauer (Jahrgang 1955) ist bereits viel herum gekommen und soll den Posten am 16. März offiziell antreten. Er werde sich aber schon vorher einarbeiten, hiess es von der SIX.

Unrühmlicher Abgang bei Credit Suisse
Zuletzt war Wellauer acht Jahre Chief Operating Officer (COO) beim Rückversicherungskonzern Swiss Re, wo er eigentlich Ende Juni altersbedingt in den Ruhestand ging. Davor war der Manager rund vier Jahre Mitglied der Geschäftsleitung des Pharmakonzerns Novartis. Von 2003 bis 2006 war er wiederum für das weltweite Restrukturierungsprogramm des Spezialchemiekonzerns Clariant zuständig.

Der einstige McKinsey-Berater wurde 1997 CEO der Winterthur-Versicherung, welche im selben Jahr von Credit Suisse übernommen wurde. Als Weggefährte des damaligen Chefs der Grossbank, Lukas Mühlemann, trug er dessen „Allfinanz-Strategie“ entscheidend mit.

Zwei Jahre lang leitete Wellauer die Division Financial Services, bevor er im Juli 2002 zurücktreten musste. Mühlemann hatte die Bank mit seiner Strategie, dem gemeinsamen Vertrieb von Bankprodukten und Versicherungspolicen, an den Rand des Abgrunds geführt und nahm ebenfalls 2002 seinen Hut.

Interessenkonflikt vermeiden
Es habe viele Kandidaten gegeben, sagte der SIX-Sprecher auf Anfrage. Und die Auswahl erfolgte anhand eines „geordneten Prozesses“, sprich „eines systematischen Rekrutierungsprozesses“. Angaben dazu, ob sich auch einer der Verwaltungsräte beworben hatte oder es andere interne Kandidaten innerhalb der Unternehmensgruppe gegeben habe, wollte er nicht machen. Auch nicht ob sich der Verwaltungsrat einstimmig für Wellauer entschieden hat.

Der abtretende Lacher gehört dem Verwaltungsrat der Gruppe zwar bereits seit 2008 an, ist aber erst seit Anfang 2017 Vorsitzender des Gremiums. Als er zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der Privatbank Julius Bär ernannt wurde, zeichnete sich bereits ab, dass er seinen Post bei der Schweizer Börse aufgeben dürfte.

Im März hatte die SIX mitgeteilt, dass Lacher spätestens bis zur Generalversammlung 2020 zurücktreten werde. Er bleibe noch bis zum 15. März, ging nun aus einer Mitteilung vom Donnerstag hervor. Laut dem Unternehmenssprecher wurde das so vereinbart. Lacher wäre damit noch bis Abschluss des Geschäftsberichts für das abgelaufene Jahr im Amt.

Die SIX gehört 120 sowohl nationalen als auch ausländischen Finanzinstituten und zu einem grossen Teil den Schweizer Banken. Allein knapp ein Drittel befindet sich im Besitz der Grossbanken UBS und Credit Suisse. Gleichzeitig sind die Banken auch die Kunden der SIX. (awp/mc/ps)

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