ZKB Weekly KMU Porträt: Holdigaz SA

Philippe Petitpierre
Philippe Petitpierre, CEO und VRP Holdigaz AG. (Foto: Holdigaz)

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Tätigkeit:
Die Holdigaz SA mit Sitz in Vevey ging 2005 aus dem Zu­sammenschluss der 1861 gegründeten Compagnie Industrielle et Commerciale du Gaz SA in Vevey und der 1922 gegründeten Société du Gaz de la Plaine Du Rhône SA in Aigle hervor. Mit der 2007 wieder aktivierten Firma Cosvegaz versorgt das Unternehmen über ihr 1’765 km langes Netz 166 Gemeinden in den Kantonen Waadt, Wallis und Freiburg mit Erdgas. Dieses wird vollständig von der Gaznat, an der Holdigaz mit 15.60% beteiligt ist, bezogen. Da­rüber hinaus ist die Gruppe mit verschiedenen Tochtergesellschaften in den Bereichen Sanitärtechnik, erneuerbare Energien (Solar- und Biogas) und Heiz- und Klimatechnik tätig. Das Hauptgeschäft be­steht hauptsächlich im Verkauf von Erdgas (67% vom Gesamtum­satz) und von Einrichtungen an Industrieunternehmen (Erzeugung von Raum-und Prozesswärmen, etc.) und an Private (vor allem Hauswirtschaft und Heizung). Ebenfalls kann das Gas als Treibstoff für Autos verwendet werden. Das Installationsgeschäft macht rund 24% vom Gesamtumsatz aus. Die restlichen Anteile entfallen auf den Bereich erneuerbare Energien und Services.

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Geschäftsjahr 2015/16:
Der konsolidierte Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr um 6% auf CHF 231 Mio. . Aufgrund des Rückgangs der Erdgastarife und des milden Winters wurde weniger umgesetzt. Das operative Ergebnis auf Stufe EBITDA lag dank Kostensenkungen mit CHF 68.90 Mio. auf Vorjahresniveau. Aufgrund von höheren Abschreibungen und Investitionen am Standort Forel sank der Rein­gewinn um 34% auf CHF 19.30 Mio. Die Aktionäre erhielten eine reguläre Dividende von CHF 4.00, was einer Erhöhung von CHF 0.25 entspricht (die Jubiläumsdividende, welche im Vorjahr ausbezahlt wurde, nicht berücksichtigt). Im Berichtsjahr konnte mit 1.53 Mrd. KWh 2.1% mehr Erdgas (inkl. Biogas) geliefert werden. Das Versor­gungsnetz konnte um 780 Neuanschlüsse erweitert werden. Der Umsatz der Installationsgesellschaften (Joseph Diémand SA, Brauchli SA, Taxa SA, Roos Ventilation SA), welche neu in Forel domiziliert sind stagnierte im Geschäftsjahr. Die Produktion von Biogas erreich­te 15.4 Mio. kWh nach 16.8 Mio. kWh Vorjahr. Die Suche nach Gas im Genfersee wird nach wie vor weiter geführt. Bis jetzt wurde der Jackpot noch nicht geknackt.

Ausblick:
Kurz nach der Veröffentlichung des Geschäftsberichtes, wurde die Gründung und Beteiligung an der Swiss Gas Invest be­kannt gegeben. Die Gesellschaft vereint mehrere Gasgesellschaften. Darunter 8% der FluxSwiss, welche wiederum 90% der Rechte für den Transport von Erdgas durch die Leitung von Transitgas hält. Die Gasleitung ist in die europäische Nord-Süd Transportader integriert. Die Investitionssumme für Holdigaz betrug CHF 50 Mio.

Gasbereich:
Das wichtigste Standbein und der Hauptfokus für Hol­digaz ist der weitere Ausbau der Gasdistribution für Heizzwecke. Nach wie vor zählen zu den wichtigsten Abnehmern die Haushalte, welche das Gas für Heizzwecke benutzen. Diese machen immerhin 80% des Umsatzes aus. Die Weiterentwicklung des Bereiches Biogas steht ebenfalls im Vordergrund. Ebenfalls wird auf die Gasherstel­lung aus Holz gesetzt.

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Gastransport:
Die wichtigste Einfuhrroute ist die internationale Erd­gasleitung von den Niederlanden nach Italien. Aus dieser Leitung stammen rund drei Viertel der schweizerischen Erdgas-Bezüge. Sie durchquert die Schweiz auf einem Teilstück von rund 165 km von Wallbach östlich von Rheinfelden bis zum Griespass im Oberwallis. Die transeuropäische Verbindung (Swissgas Invest), an welcher sich Holdigaz beteiligte, ist von grosser Bedeutung. So kann die Beliefe­rung der Anschlüsse für die Gasverteilung gesichert werden. Die In­vestition dürfte sich längerfristig lohnen. Aufgrund der gesetzlichen Regelung des Nutzungsentgeltes, welche durch den WACC (durch­schnittlicher Kapitalkostensatz) festgelegt wird, sind die Erträge auf der Leitung pro Jahr begrenzt. Dieser Kostensatz wird jedoch jährlich im März neu angepasst. Aufgrund dieser Barriere sind die Erträge für die Nutzung der Leitung jährlich begrenzt.

Zusammensetzung des Gaspreises:
Die Tarife enthalten in der Regel mehrere Komponenten (Grundtarif, Arbeitspreis pro kWh, Leis­tungspreis pro kW), was einen Vergleich zwischen Erdgasanbietern oder mit anderen Energieträgern (z.B. Heizöl) erschwert.

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Entwicklung der Erdgasversorgung in der Schweiz:
Ende 2015 liegt der Gasanteil am gesamten Schweizer Energieverbrauch bei 13.5 %. Grösste Verbrauchergruppe sind die Haushalte mit 41 % des Gas­konsums, gefolgt von der Industrie mit 35 % des Gesamtverbrauchs. Erdgas wird zum grossen Teil zur Produktion von Wärme eingesetzt. Mit der vom Bundesrat beschlossenen Neuorientierung der Energie­politik dürfte Erdgas jedoch mittelfristig auch eine zunehmende Rol­le bei der Stromerzeugung spielen. Ebenfalls hat der Absatz von Erd­und Biogas als Treibstoff zugenommen und sich gegenüber 2006 fast verfünffacht.

Genferseeprojekt:
Um das Genferseeprojekt, welches die Holdigaz SA mit Petrosvibri betreibt, ist es in letzter Zeit ruhig geworden. Der Grund liegt in einem politischen Problem. Zurzeit erteilt der Kanton Waadt keine Genehmigung für die weitere Untersuchung der beste­henden Probebohrung mit einer Tiefe von 3‘000 Meter. Um eine solche Genehmigung zu erhalten, braucht es gemäss Kanton ein neues Gesetz. Somit kann es noch einige Jahre dauern bis das Pro­jekt weitergeführt werden kann. Fakt ist, dass es Gasvorkommnisse gibt, nur ist zurzeit nicht abschätzbar wie gross diese Vorkommen sind.

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Fazit:
Aufgrund des rückläufigen Gaspreises in den letzten 3 Jahren haben die Westschweizer mit einem stetigen Umsatzrückgang zu kämpfen. Obwohl sich der Preis seit dem Tiefst im Februar wieder erholt hat, bleibt die Situation anspruchsvoll. Aus diesem Grund baut Holdigaz ihr Dienstleistungsnetz weiter aus. So wird weiter in die Dienstleistungen rund um das Gas investiert. Dieses Vorgehen dürfte den konsolidierten Umsatz wieder stabilisieren oder gar stei­gern. Auch die Beteiligung am Schweizer Gasnetz ist ein kluger Schachzug, da die Schweiz beinahe vollständig auf Importe ange­wiesen ist. Das einheimisch produzierte Biogas deckt nicht einmal 0.1% der Schweizer Grundbedürfnisse ab. Das Management hat sein Versprechen gehalten und die Dividenden jährlich erhöht. Aktu­ell beträgt die Ausschüttungsquote 42.50% des Reingewinns, wie weit diese erhöht werden kann bleibt offen. Die Dividendenrendite von 2.56% liegt im Sektorenschnitt. Seit Jahresbeginn legte die Ak­tie um 6.48% zu. was weit unter dem Sektorenschnitt von 11% ist. Die Aktienbewertung ist ebenfalls leicht unter dem des Sektors. Ver­gleicht man das Preis/Buch Ratio mit den sogenannten Peers, muss man beachten, dass die Bücher von Holdigaz nach OR geführt wer­den. Das heisst, es kann von stillen Reserven in der Bilanz ausgegan­gen werden. Ein weiteres, potentielles Asset sind die Gasvorkomm­nisse im Genfersee, falls diese jemals aktiviert werden können. Die Marge auf Stufe EBITDA ist gegenüber dem Sektor auf einem höhe­ren Niveau. Trotzdem liegt die aktuelle Bewertung der Aktie auf ei­nem fairen Niveau. Weitere Kurssteigerungen dürften von einer Ex­pansion in die Deutschschweiz kommen. Auch die weitere Entwick­lung des Gaspreises spielt eine wichtige Rolle für das laufende Geschäftsjahr. (ZKB/mc/ps)

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Disclaimer:
Diese Seiten wurden nicht vom Research der Zürcher Kantonalbank erstellt, sondern von der Organisationseinheit Handel für nicht kotierte Aktien, und unterstehen somit nicht den Richtlinien zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Holdigaz SA

 


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