Kreise: General Electric buhlt um Alstom

Patrick Kron

Alstom-CEO Patrick Kron.

Fairfield / Paris – General Electric (GE) könnte sich mit einer milliardenschweren Übernahme im grossen Stil in Europa einkaufen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwochabend unter Berufung auf Insider berichtete, will der US-Mischkonzern 13 Milliarden Dollar (9,4 Mrd Euro) in die Hand nehmen, um den französischen Hersteller von Zügen und Energietechnik Alstom zu schlucken.

Weil das Angebot rund ein Viertel über dem Marktwert von Alstom liegt, schossen die Aktien der Franzosen am Donnerstagmorgen in die Höhe. Sie legten zum Handelsstart um fast 18 Prozent zu, gaben die Gewinne im Laufe des Vormittags aber wieder ein Stück weit ab. ABB gewannen 0,8%, Siemens-Papiere 0,5%.

Grossaktionär Boygues gibt grünes Licht – Alstom weiss von nichts
Das Geschäft könnte laut Bloomberg schon in der kommenden Woche verkündet werden. Demnach hat sich GE die Unterstützung des französischen Mischkonzerns Bouygues gesichert, der 29 Prozent an Alstom hält. Ein Firmensprecher von General Electric wollte sich auf Anfrage nicht äussern.

Alstom selber wusste am Donnerstagmorgen von nichts. Der Konzern teilte mit, er sei über kein mögliches Übernahmeangebot informiert worden. Das Unternehmen wolle planmässig am 7. Mai seine Bilanz für das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr 2013/14 vorlegen und über die Aussichten des Konzerns informieren.

Alsom Zuggeschäft gilt als Börsenkandidat
Für GE wäre Alstom eine willkommene Ergänzung: Die Franzosen sind etwa mit ihren Nahverkehrszügen in europäischen Grossstädten unterwegs, General Electric verkauft seine Loks dagegen vor allem in den USA. Insgesamt setzte der US-Konzern 2013 in Europa gut 25 Milliarden Dollar um – rund ein Sechstel seines weltweiten Geschäfts. Alstom kam im Geschäftsjahr 2012/13 auf rund 8,5 Milliarden Euro Umsatz auf dem Heimatkontinent.

Die Franzosen bauen hier unter anderem den Schnellzug TGV, während Siemens die ICE-Züge fertigt. Zuletzt hatte es Berichte gegeben, Alstom könnte seine Zug-Sparte bald an die Börse bringen, um damit bis zu einer Milliarde Euro einzusammeln. Insgesamt wird das Geschäftsfeld demnach mit drei bis vier Milliarden Euro bewertet.

Kraftwerkssparte schwächelt – Alstom kappt Rendite-Ziel
Ausserhalb des Bahngeschäfts kämpft Alstom derzeit allerdings mit einer schwachen Nachfrage beim Kraftwerksbau. Deswegen musste der Konzern im Januar seine Rendite-Ziele nach unten korrigieren und rechnet für das gerade begonnene Geschäftsjahr nun mit weniger Gewinn je umgesetztem Euro als in den vergangenen zwölf Monaten.

Dagegen zahlt sich für General Electric der Fokus auf die Industriesparte aus. Firmenchef Jeff Immelt verkleinerte den Finanzzweig und hat sich mit dem Verkauf von NBC-Universal aus dem Mediengeschäft zurückgezogen. Im ersten Geschäftsquartal bis Ende März warfen Anlagen für die Öl- und Gasindustrie, Energietechnik oder Flugzeugtriebwerke mehr Geld ab als im Vorjahreszeitraum. Das US-Unternehmen konkurriert mit Siemens auch in der Medizintechnik.

Auslandvermögen von GE könnte Übernahme finanzieren
Zum grossen Pluspunkt könnte laut Bloomberg das grosse Vermögen von GE im Ausland werden. Von Rücklagen in Höhe von insgesamt 89 Milliarden Dollar liegen demnach 57 Milliarden ausserhalb der USA. Dieses Geld müsste General Electric mit 35 Prozent versteuern, wenn sie es zurück in die Heimat überweisen. Deutlich effizienter könnte es also eingesetzt werden, um damit die Alstom-Übernahme zu finanzieren. awp/mc/upd/ps)

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