Corona beschert Daimler heftigen Gewinneinbruch im ersten Quartal

Ola Källenius
Daimler-Konzernchef Ola Källenius. (Foto: Daimler)

Stuttgart – Die Coronavirus-Krise mit geschlossenen Autohäusern und Stillstand in den Werken hinterlässt bei Daimler deutliche Spuren in der Bilanz. Im ersten Quartal brach der Gewinn vor Zinsen und Steuern um fast 78 Prozent auf nur noch 617 Millionen Euro ein, wie der Autobauer in der Nacht zum Donnerstag auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Rechnet man Sondereffekte wie etwa die Kosten für die Dieselaffäre oder Umstrukturierungen heraus, bleiben im operativen Geschäft immerhin 719 Millionen Euro.

Auch die Aussichten für 2020 insgesamt sind düster. Zwar sei eine Prognose angesichts der immer noch kaum überschaubaren Folgen der Coronavirus-Pandemie schwierig, hiess es. Die Auswirkungen auf Kundennachfrage, Lieferketten und Fahrzeugproduktion könnten nicht detailliert und auf sicherer Basis geschätzt werden. Absatz, Umsatz und Ergebnis dürften am Ende aber unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Für den Absatz hatte Daimler das ohnehin schon erwartet. Der Umsatz hätte nach ursprünglicher Planung aber zumindest auf dem Niveau des Vorjahres liegen sollen, das operative Ergebnis sogar deutlich darüber.

Die Daimler-Aktie legte am Donnerstag nach Marktstart um fast 2 Prozent zu. Damit waren die Stuttgarter bester Autowert im deutschen Leitindex Dax. Mit Kursen von weniger als 30 Euro liegt der Kurs aber noch deutlich unter dem Niveau, dass er noch vor dem ersten richtigen Corona-Crash an den Börsen am 24. Februar hatten. Da waren die Papiere noch mehr als 42 Euro wert.

Absatz der Kernmarke Mercedes-Benz bricht um 15% ein
Daimler hatte im ersten Quartal weltweit rund 477’400 Autos der Kernmarke Mercedes-Benz abgesetzt, das waren knapp 15 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im gleichen Masse gingen die Verkaufszahlen bei den Vans zurück. Deutliche Rückgänge gab es im wichtigsten Markt in China, wo die Ausbreitung des Coronavirus früher begonnen hatte. In Europa und in den USA, wo die Welle später einsetzte, gingen die Zahlen aber ebenfalls schon zurück.

Finanziell Federn lassen muss aber nicht nur die Auto- und Van-Sparte. Auch im Lastwagen- und Busgeschäft sowie in der Sparte für Mobilitäts- und Finanzdienstleistungen brach der operative Gewinn deutlich ein.

Daimler sieht sich gut gerüstet
Der Konzern sieht sich finanziell dennoch gut aufgestellt für die Zeit nach der Corona-Krise: „Angesichts des Umstands, dass wir umfassende Massnahmen zum Schutz unseres Barmittelbestands getroffen und unsere finanzielle Flexibilität erhöht haben, sind wir zuversichtlich, für die Zeit während und nach der Krise gut positioniert zu sein.“ Der Konzern hatte zur Sicherheit erst kürzlich mit mehreren Banken eine Vereinbarung über eine neue Kreditlinie von 12 Milliarden Euro geschlossen.

Nach vier Wochen Stillstand in grossen Teilen der Produktion fährt Daimler seine Werke seit Montag nach und nach und unter strengen Hygienevorgaben wieder hoch. Die Kurzarbeit, die seit dem 6. April gilt, läuft nach bisherigem Stand noch bis Ende des Monats weiter. Etwa 80 Prozent der rund 170 000 Beschäftigten in Deutschland sind davon in unterschiedlichem Masse betroffen.

Die vollständigen Quartalszahlen will Daimler am 29. April veröffentlichen. (awp/mc/ps)

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