Airlines stoppen Flugbetrieb weitgehend

Austrian Airlines
(Foto: Austrian Airlines)

London – Grosse Fluggesellschaften in Europa setzen ihren Flugbetrieb in den kommenden Wochen und Monaten wegen der Coronavirus-Pandemie weitgehend aus. Easyjet-Chef Johan Lundgren rief Europas Regierungen angesichts der ungekannten Lage auf, die Luftfahrtbranche finanziell zu unterstützen, damit sie überlebt. Ryanair-Chef Michael O’Leary zeigte sich hingegen sicher, dass sein Unternehmen die Krise übersteht.

In Österreich stoppen die Lufthansa-Tochter Austrian und die Ryanair-Tochter Lauda vorläufig ihren Betrieb. Konzerne wie Lufthansa, Ryanair, Air France-KLM und die British-Airways-Mutter IAG strichen ihre Flugpläne am Montag bis auf Weiteres um 70 bis 90 Prozent zusammen.

An der Börse konnte sich keine Airline dem Abwärtssog entziehen. Die Papiere des Luftfahrt-Konzerns IAG verloren mehr als 26 Prozent und waren damit Schlusslicht im britischen Leitindex FTSE 100 . Der Easyjet-Aktie erging es mit minus 21 Prozent nur wenig besser, bei Ryanair und Air France-KLM fielen die Abschläge mit 15 und 13 Prozent glimpflicher aus. Für die Aktie der Lufthansa ging es lediglich um neun Prozent abwärts, nachdem sie schon vergangene Woche stark verloren hatte.

Easyjet-Flotte bald am Boden?
«Europas Luftfahrtbranche steht vor einer unsicheren Zukunft», sagte Lundgren. Es brauche eine koordinierte Unterstützung durch die europäischen Regierungen, damit die Branche überlebe und nach dem Ende der Krise ihren Betrieb fortsetzen könne.

Das Management schliesst nicht aus, dass Easyjet den Grossteil der Flotte wegen der geltenden Reisebeschränkungen und der Buchungseinbrüche in Kürze am Boden lassen muss. Das Unternehmen habe sein Flugangebot bereits deutlich gekürzt, setze den Betrieb vorläufig aber soweit möglich fort, um Kunden zurück in die Heimat zu holen.

Eine Finanzprognose für das Geschäftsjahr bis Ende September ist aus Sicht der Easyjet-Führung derzeit unmöglich. Das Unternehmen verfüge aber über eine starke Bilanz mit Finanzmitteln von 1,6 Milliarden britischen Pfund (1,8 Mrd Euro) und eine Kreditlinie von 500 Millionen US-Dollar (450 Mio Euro). Hinzu kämen Flugzeuge im Wert von mehr als 4 Milliarden Pfund, die unbelastet von Schulden seien, sowie wertvolle Start- und Landerechte. Bis zum Jahr 2022 müsse Easyjet keine Kredite refinanzieren und spreche derzeit mit Geldgebern.

Ryanair-Chef verbreitet dennoch Zuversicht
Unterdessen zeigte sich der Chef von Europas grösstem Billigflieger Ryanair zuversichtlich, die irische Fluggesellschaft heil durch die Turbulenzen steuern. «Wir können und werden durch angemessenes und zeitiges Handeln auch eine längere Zeit mit weniger oder sogar gar keinen Flügen überstehen», sagte O’Leary. Ryanair sei ein belastbarer Airline-Konzern mit einer starken Bilanz und erheblichen Barreserven.

In den Monaten April und Mai wird Ryanair das Flugangebot voraussichtlich um bis zu 80 Prozent zurückfahren, die österreichische Konzerntochter Lauda stellt ihren Flugbetrieb ab der Nacht zum 17. März bis zum 8. April komplett ein. Die Ryanair-Führung geht davon aus, dass binnen der nächsten sieben bis zehn Tage der Grossteil ihrer Flugzeuge in Europa aber nicht mehr abheben kann.

Die Führungsspitze versucht nun, die Betriebskosten zu drücken und auch sonst das Geld zusammenzuhalten. Auf Basis der Zahlen vom 12. März verfügte Ryanair zuletzt über eine Liquidität von mehr als vier Milliarden Euro. Ausserdem setzt der Konzern den Rückkauf eigener Aktien und Investitionen vorläufig aus. Neueinstellungen soll es erst einmal nicht geben. Mitarbeiter sollen zum freiwilligen Ausstieg aus ihren Arbeitsverträgen bewegt werden. Zudem will Ryanair die Arbeitszeiten und auch die Bezahlung zurückfahren.

IAG kürzt Angebot um 75%
Unterdessen kündigte die British-Airways-Mutter IAG an, die Kapazität im April und Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mindestens 75 Prozent zu kürzen. Der Konzern, zu dem auch die Fluggesellschaften British Airways, Iberia, Vueling, Aer Lingus und Level gehören, lässt massenhaft Flugzeuge am Boden, schickt Mitarbeiter nach Hause und fährt seine Investitionen zurück.

«Wir hatten in den vergangenen Wochen einen erheblichen Buchungsrückgang bei unseren Airlines», sagte IAG-Chef Willie Walsh. Weiterhin sei unklar, wie stark und wie lange die Pandemie auf das Geschäft drücke. Eine belastbare Gewinnprognose für das laufende Jahr sei daher weiterhin nicht möglich.

Air France-KLM kündigte an, das Flugangebot in den kommenden Tagen schrittweise um 70 bis 90 Prozent zu kürzen. Zudem lässt Air France all ihre Riesenjets vom Typ Airbus A380 und die niederländische KLM all ihre Jumbo-Jets vom Typ Boeing 747 vorläufig am Boden. In der vergangenen Woche hätten die Airlines des Konzerns Kreditlinien über zusammen fast 1,8 Milliarden Euro gezogen. Am 12. März summierten sich die Barmittel von Air France-KLM demnach auf mehr als sechs Milliarden Euro.

US-Airlines fordern über 50 Milliarden Dollar an Staatshilfen
Aufgrund enormer geschäftlicher Schäden wegen des neuartigen Coronavirus wollen US-Fluggesellschaften Staatshilfen im Volumen von über 50 Milliarden Dollar beantragen. Die rapide Ausbreitung des Virus belaste die Branche in beispielloser Weise, teilte die Lobbygruppe Airlines for America am Montag in Washington mit. Es wäre das erste Mal seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, dass die US-Luftfahrtbranche in grösserem Stil Staatshilfen erhält.

Airlines for America fordert 25 Milliarden Dollar an sofortiger Nothilfe zur Liquiditätssicherung und mittel- bis langfristig weitere 25 Milliarden an Nullzins-Krediten oder Kreditgarantien für Passagierfluggesellschaften. Zusätzliche insgesamt rund acht Milliarden Dollar seien für Frachtfluganbieter nötig. Darüber hinaus macht sich die Organisation, die alle grossen US-Fluglinien vertritt, für weitere Subventionen etwa in Form von Steuernachlässen stark.

IATA: 185 000 Passagierflüge gestrichen – Frachtkapazität geschrumpft
Weltweit sind seit Ende Januar wegen der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 mehr als 185 000 Passagierflüge gestrichen worden. Das berichtete der Weltluftfahrtverband IATA am Montag in Genf. Damit sei auch wichtige Frachtkapazität etwa für die Beförderung von Medikamenten und medizinischem Material entfallen. (awp/mc/pg)

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