Motorenbauer Tognum legt attraktive Zahlen vor

Joachim Coers

Joachim Coers, Finanzvorstand und zukünftiger Tognum-CEO.

Friedrichshafen – Der von Daimler und Rolls-Royce heiss umworbene Dieselmotorenspezialist Tognum bereitet sich mit attraktiven Zahlen auf die Übernahme vor. „Wir sind aus dem Übergangsjahr gut herausgekommen“, sagte der scheidende Vorstandschef Volker Heuer am Donnerstag in Stuttgart. Anziehende Auftragseingänge und eine deutliche besser Auslastung in den Werken vor allem im zweiten Halbjahr hätten zu einem kräftigen Anstieg im operativen Geschäft geführt.

Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr um fast 22 Prozent auf 242 Millionen Euro. Unter dem Strich standen – ebenfalls bereinigt – 159 Millionen Euro (2009: 121,3 Mio), wie der Finanzvorstand und künftige Tognum-Chef Joachim Coers erklärte. Der Auftragseingang legte um knapp 22 Prozent auf 2,8 Milliarden und der Umsatz um etwas mehr als ein Prozent auf knapp 2,6 Milliarden Euro zu.

Abschreibungen auf Firmenwert
Die Bereinigungen im abgelaufenen Geschäftsjahr beziehen sich in erster Linie auf Abschreibungen auf den Firmenwert sowie Sicherungsgeschäfte auf Fremdwährungen. Über 60 Millionen Euro mussten die Friedrichshafener auch für die Aufgabe ihres stationären Brennstoffzellengeschäftes negativ verbuchen. Werden diese Effekte miteingerechnet, sackte das operative Ergebnis von 172,3 Millionen auf 112,3 Millionen Euro ab. Der Überschuss ging im Jahresvergleich von knapp 103 Millionen auf 63,2 Millionen Euro zurück.

„Bei Tognum stehen alle Zeichen auf Wachstum“
Für das laufende Jahr erwartet das Management ein Erlösplus von über zehn Prozent und ein steigendes Ergebnis. „Bei Tognum stehen alle Zeichen auf Wachstum“, versicherte Heuer. Der Antriebssystem- und Energieanlagenspezialist rechne sich vor allem in den Absatzmärkten Asiens und den USA gute Wachstumschancen aus. Auch werde über einen Standort in Osteuropa nachgedacht.

„Noch liegt kein konkretes Angebot vor“
Zum Zeitplan der Übernahme durch Daimler und Rolls-Royce und einem möglichen höheren Angebot der beiden Unternehmen wollte sich Vorstandschef Heuer nicht konkret äussern. „Noch liegt kein konkretes Angebot vor“, betonte er. „Wir haben zwar ein Eckpunktepapier gemeinsam verhandelt und unterschrieben. Geschäftspläne wurden aber noch keine ausgetauscht.“ Innerhalb der nächsten vier Wochen muss ein offizielles Angebot in Friedrichshafen eingehen. Das muss dann noch von der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin geprüft und vom Aufsichtsrat abgenickt werden.

Daimler und Rolls-Royce bieten 24 Euro je Aktie
Daimler und Rolls-Royce wollen den Dieselmotorenspezialisten zusammen übernehmen und je 50 Prozent der Anteile halten. Sie bieten bislang 24 Euro je Aktie und bewerten das Unternehmen damit mit 3,2 Milliarden Euro. Der Preis ist dem Tognum-Management aber zu gering. Es gibt aber bereits Spekulationen, dass die Friedrichshafener mit 27 Euro zufrieden wären.

Besonders stark bei Grossdieselmotoren
Der Stuttgarter Autobauer hält derzeit 28,4 Prozent an Tognum. Der britische Motorenbauer Rolls-Royce will zu dem Gemeinschaftsunternehmen sein bei der Tochter Bergen gebündeltes Geschäft mit Gas- und Dieselmotoren mittlerer Geschwindigkeit beisteuern. Tognum ist besonders bei Grossdieselmotoren stark, die unter anderem Frachtschiffe, Yachten, Schienenfahrzeuge und Panzer antreiben. Zudem kommen die Motoren in dezentralen Energieanlagen zur Stromversorgung besonders in Schwellenländern zum Einsatz. (awp/mc/ss)

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