Schwaches Agrargeschäft und Abschreibungen drücken Bayer ins Minus

Schwaches Agrargeschäft und Abschreibungen drücken Bayer ins Minus
Bayer-Hauptsitz in Leverkusen. (Foto: Bayer)

Leverkusen – Bayer hat wegen eines schwierigen Agrargeschäfts auch im dritten Quartal einen Milliardenverlust erlitten. Damit verfehlte der Agrarchemie- und Pharmakonzern sogar die zuletzt gesunkenen Erwartungen von Analysten. Bayer-Chef Werner Baumann bestätigte am Dienstag in Leverkusen zwar die Prognose für das Gesamtjahr, klammerte jedoch negative Währungseffekte aus, die den Konzern vor allem im Agrargeschäft belasten. Zudem lässt eine endgültige Lösung im Fall Glyphosat weiter auf sich warten. Der Kurs der Bayer-Aktie fiel am Vormittag als Dax-Schlusslicht um 1,6 Prozent. Allein 2020 hat das Papier schon mehr als 40 Prozent verloren.

Auch wegen Abschreibungen in der Agrarsparte fiel im dritten Quartal unter dem Strich ein Verlust von mehr als 2,7 Milliarden Euro an, wie der Dax-Konzern mitteilte. Vor einem Jahr hatte Bayer noch einen Überschuss von etwas mehr als einer Milliarde Euro erzielt. Wie schon im zweiten Quartal erwies sich vor allem der für 60 Milliarden US-Dollar gekaufte US-Saatgutriese Monsanto als Bremsklotz. Damals hatten Milliarden-Rückstellungen für zehntausende Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat von Monsanto für ein dickes Minus gesorgt.

Höhere Kosten für mögliche künftige Glyphosat-Klagen erwartet
Hier rechnet Bayer nun mit höheren Kosten für mögliche künftige Glyphosat-Klagen. So hatte der Konzern im Sommer zwar einen gross angelegten Vergleich in der Sache angekündigt; der zuständige Richter Vince Chhabria hatte sich aber am Umgang mit möglichen künftigen Fällen gestört. Bayer will seither bei diesem Teil der Vereinbarungen nachbessern. „Obwohl Fortschritte erzielt wurden, wird dieser Prozess mehr Zeit brauchen“, hiess es nun vom Unternehmen.

Mit Blick auf bestehende Klagen wurden mittlerweile zu etwa 88’500 Fällen verbindliche Vergleichsvereinbarungen geschlossen oder die Streitparteien haben sich im Grundsatz geeinigt. Ende Juni hatte Bayer von etwa 125’000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen berichtet.

Allerdings wird die Zeit nun knapp. Eigentlich hatte Richter Chhabria schon im September zu einer schnellen Einigung gedrängt und gedroht, anderenfalls neue Prozesse anzusetzen. Dies will Bayer nach drei Niederlagen in den ersten drei Glyphosat-Prozessen verhindern.

Tagesgeschäft läuft holprig
Aber auch im Tagesgeschäft des Konzerns läuft es holprig. Der Umsatz fiel im dritten Quartal um 13,5 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro. Negative Wechselkurseffekte sowie der Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen herausgerechnet, lag der Rückgang bei 5,1 Prozent. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereffekten sank um mehr als ein Fünftel auf 1,8 Milliarden Euro.

Der Agrarsparte machten vor allem Produktretouren bei Maissaat in den USA zu schaffen, da die Kunden weniger anbauten. Ein Grund dafür war der gesunkene Kraftstoffverbrauch im Zuge der Corona-Krise. Menschen reisen weniger, daher braucht es weniger Biokraftstoffe, die auch aus Mais gewonnen werden. Hinzu kam für Bayer die Belastung durch den schwachen brasilianischen Real, da das Unternehmen viel Saatgut und Pflanzenschutzmittel in Südamerika verkauft. Zudem sind die Leverkusener mit starker Konkurrenz bei Sojasaat konfrontiert.

Corona drückt auch aufs Pharmageschäft
Neben Gegenwind in der Agrarsparte macht die Corona-Pandemie Bayer auch im Pharmageschäft zu schaffen. Ärzte verschieben teilweise nicht dringend notwendige Behandlungen, und das nagt an den Umsätzen mit Eylea, einem eigentlich stark gefragten Augenmedikament. Hier gingen die Erlöse im dritten Quartal sogar leicht zurück. In China hinterliess das nationale Programm zum Grosseinkauf von Medikamenten weitere Spuren. So waren dadurch die Preise für das Diabetesmittel Glucobay und das Antibiotikum Avalox deutlich gesunken. Das für den Konzern wichtigste Medikament, der Gerinnungshemmer Xarelto, schaffte derweil ein deutliches Umsatzplus.

Das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten blieb auf Erholungskurs. Zwar fiel der Umsatz leicht, das lag aber nur an negativen Wechselkurseffekten. Das operative Ergebnis wuchs – Sondereffekte herausgerechnet – auch dank Kostensenkungen deutlich.

Ausblick bekräftigt
An seinem Jahresausblick hält Bayer-Chef Werner Baumann dennoch fest – zumindest vor Wechselkurseffekten. Wenn man Belastungen vor allem durch die schwachen Währungen Lateinamerikas sowie den Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen herausrechnet, peilt er für 2020 weiterhin einen Umsatz von 43 bis 44 Milliarden Euro an. Das wäre bestenfalls ein Umsatzplus von einem Prozent. Dabei wird das Management etwas vorsichtiger für die Agrarsparte und etwas zuversichtlicher für das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten.

Inklusive Wechselkurseffekten rechnet Bayer allerdings nun nur noch mit einem Umsatz von 41 bis 42 Milliarden Euro. Hier standen zum Halbjahr noch 42 bis 43 Milliarden auf dem Plan. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen sollen vom Umsatz weiterhin 28 Prozent beim Unternehmen hängen bleiben. auf dieser Basis rechnet Bayer mit einem operativen Ergebnis von rund 12,1 Milliarden Euro. (awp/mc/ps)

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