Schwache Inflation setzt EZB unter Handlungsdruck

Mario Draghi
EZB-Präsident Mario Draghi. (Bild: EZB)

Das Inflationsziel der EZB bleibt in weiter Entfernung. Wie reagiert deren Präsident Mario Draghi? (Foto: EZB)

Wiesbaden – Der Preisauftrieb in Deutschland hat sich trotz eines robusten Aufschwungs weiter abgeschwächt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lagen die Verbraucherpreise im Juli 0,8 Prozent höher als vor einem Jahr. Das ist der geringste Zuwachs seit Februar 2010. Im Juni hatte die Inflationsrate in der grössten Euro-Volkswirtschaft bei 1,0 Prozent gelegen. Im Monatsvergleich erhöhten sich die Verbraucherpreise im Juli um 0,3 Prozent.

Bankvolkswirte hatten mit der Entwicklung im Jahresvergleich gerechnet, allerdings einen etwas geringeren Anstieg im Monatsvergleich erwartet. Der für europäische Zwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg ebenfalls um 0,8 Prozent zum Vorjahr und um 0,3 Prozent zum Vormonat. Der HVPI ist für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) massgebend.

Kein Teuerungsdruck in Sicht
Nach Einschätzung des Chefvolkswirten der VP Bank aus Liechtenstein, Thomas Gitzel, zeigen die jüngsten Massnahmen der EZB im Kampf gegen eine zu niedrige Inflation keine Wirkung: «Die expansive Geldpolitik schlägt sich nicht in höheren Inflationsraten nieder», sagte er. Auch in den kommenden Monaten sei weiterhin kein wesentlicher Teuerungsdruck in Sicht.

Weitere EZB-Massnahmen?
«Zusammen mit einer niedrigen Inflationsrate in Spanien unterstützt dies unsere Erwartung, dass die Verbraucherpreise im gesamten Euroraum nur noch um 0,4 Prozent gestiegen sein dürften, nach 0,5 Prozent im Juni», kommentierte Experte Marco Wagner von der Commerzbank die Daten. Am Morgen hatte Spanien einen überraschend starken Rückgang der HVPI-Verbraucherpreise im Juli um 0,3 Prozent gemeldet. «Dies wird die Spekulation über weitere EZB-Massnahmen erneut anheizen», so Wagner.

«Das Inflationsziel der EZB bleibt in weiter Entfernung», fasste Experte Gitzel die Preisdaten zusammen. Die Notenbank strebt für den gesamten Euroraum eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an, die aber lange nicht mehr erreicht wurde. Am Donnerstag werden die Statistiker von Eurostat Zahlen für den Währungsrau bekanntgeben. (awp/mc/pg)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.