Wirbel um Gral der Getränkeindustrie: Cola-Rezept entdeckt?

Coca-Cola

Geheimnis auch nach 125 Jahren nicht gelüftet: Coca-Cola.

Washington – Als Kerry Tressler am Montag zur Arbeit kam, traute sie ihren Augen und Ohren nicht. Ihr E-Mail-Postfach war knallvoll, der Briefkasten quoll ebenfalls über und das Telefon klingelte ohne Unterlass. «Es war wirklich verrückt und kam für mich ziemlich unerwartet», berichtet die Pressesprecherin des Coca-Cola-Konzerns am Unternehmenssitz in Atlanta.

Wieder einmal wollte die ganze Welt wissen: Stimmt’s? Ist dieses Rezept diesmal vielleicht wirklich das originale Coca-Cola Rezept, sozusagen der heilige Gral der Getränkeindustrie? Der Grund: Ein Radiosender aus Chicago hatte am Wochenende erklärt, er habe die strenggeheime Formel für die beliebte braune Brause aufgespürt. Und zwar nicht etwa in verschlossenen Tresoren, sondern – für alle Welt einzusehen – in einer Zeitung von 1979.

Versuch kläglich gecheitert
In seiner Kolumne der Zeitung «Atlanta Journal Constitution» hatte Reporter Charles Salter jede Woche über interessante Menschen und Orte in dem Bundesstaat berichtet. Eine seiner besten Quellen war sein Angelfreund und Apotheker Everett Beal, der ihm eines Tages alte Rezeptbücher seines Berufskollegen John Pemberton zeigte – jener John Pemberton, der 1880 die dunkle Wunderlimonade erstmals zusammengemixt hatte und sie hernach auch nur in Apotheken feilbot. «Das ist mein voller Ernst», sagte Moderator Ira Glass in seiner Sendung «This American Life» und raschelte sogar mit der drei Jahrzehnte alten Zeitung vor dem Mikrofon. Dann kündigte er dramatisch an: «Ich habe eines der grössten Geheimnisse der Welt aufgespürt und werde es jetzt der Welt vorlesen.» Alle Zutaten auf der Liste seien im Internet zu bekommen, fügte Glass hinzu und schritt gleich zum Eigenversuch. Schmatzend musste er dann jedoch feststellen: Das war nicht das Originalrezept. Jedenfalls nicht die Formel, nach der das Koffeingetränk heute hergestellt wird.

Spekulationen schiessen gleichwohl ins Gras
Trotzdem sprangen Amerikas Medien auf die angebliche Entdeckung an, Zeitungen griffen die Story auf, Fernsehsender schickten Reporter los. Spekulationen machten die Runde: Wenn es sich bei der gefundenen Liste schon nicht um das heutige Rezept handele, könnte es ja zumindest ein Vorgänger sein, wurde gemutmasst. Um kaum etwas anders ranken sich in den USA so viele Mythen wie um die Brausezutaten. Alles mögliche wird der Erfolgsmarke des Mega-Konzerns zugeschrieben. Von Horrorgeschichten, dass Pfefferminz-Bonbons und Cola gleichzeitig konsumiert zum Tod führen können, über den Mythos, dass sich ein in Cola eingelegtes Steak über Nacht vollkommen auflöst. Die bekannteste Geschichte dreht sich jedoch um die Aufbewahrung des streng geheimen Rezepts. Angeblich lagert es in einem Tresor, zu dem nur zwei Mitarbeiter Zugang haben. Sie dürfen nicht in dasselbe Flugzeug steigen, damit die Schlüssel bei einem eventuellen Absturz nicht verloren gehen können.

Gratis-Werbung fürs 125-Jahre-Jubiläum
Coca-Cola Archivar Philip Mooney schüttelt ob des Fundes in der Zeitung in Atlanta nur den Kopf: «Das ist nicht die echte Cola», sagte er der Radioshow. Sprecherin Kerry Tressler bestätigt lediglich, dass das Rezept tatsächlich auf Papier existiere und in einem Tresor aufbewahrt werde. Wie viele Mitarbeiter den Schlüssel dazu haben, will sie nicht sagen. «Ich darf die Zahl der Angestellten leider nicht nennen, aber es sind nur eine kleine Hand voll.» Die Aufmerksamkeit allerdings stört sie keineswegs – ganz im Gegenteil. «Der ganze Medienrummel kommt genau zum richtigen Zeitpunkt», verriet sie der Zeitung «Los Angeles Times». «Denn wir feiern dieses Jahr unser 125-jähriges Jubiläum.»

Coca-Cola will höhere Dividende zahlen
Derweil will Coca-Cola seinen Aktionären für das Schlussquartal eine höhere Dividende zahlen. Für die letzten drei Monate des Geschäftsjahres 2010 wolle Coca-Cola 0,47 Dollar je Aktie ausschütten, teilte das US-Unternehmen am Donnerstag mit. Im Vorjahr hatten die Anteilseigner für den gleichen Zeitraum 0,44 Dollar bekommen. Die Gewinnausschüttung für das Gesamtjahr erhöht sich damit auf 1,88 Dollar je Papier nach 1,76 Dollar im Jahr zuvor. Insgesamt hat Coca-Cola im vergangenen Jahr 7,2 Milliarden Dollar seinen Aktionären zukommen lassen: 4,1 Milliarden Dollar gab der Konzern für Dividendenzahlungen aus und 3,1 Milliarden Dollar für den Rückkauf eigener Aktien. (awp/mc/ps)

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