Wirtschaftsstimmung in Europa bricht drastisch ein

Wirtschaftsstimmung in Europa bricht drastisch ein
(Bild: © BEstock / AdobeStock)

London – Der Ausbruch des neuartigen Coronavirus und die ergriffenen Gegenmassnahmen haben der Wirtschaft Europas einen schweren Schlag versetzt. Darauf deutet eine grosse Umfrage in Unternehmen hin, die als Richtschnur für die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung gilt. In der Eurozone brach die Wirtschaftsstimmung ebenso dramatisch ein wie in Grossbritannien.

Wie das Marktforschungsinstitut IHS Markit am Dienstag in London mitteilte, sackte der von ihm erhobene Einkaufsmanagerindex für die Eurozone von Februar auf März um 20,2 Punkte ab auf 31,4 Zähler. In Grossbritannien, das nicht der Eurozone und nicht mehr der Europäischen Union angehört, fiel der Indikator ähnlich stark. Es wurden jeweils historische Tiefstände erreicht. Selbst die bisherigen Rekordtiefs aus den Zeiten der Finanzkrise wurden klar unterboten. Besonders stark trübte sich die Stimmung unter den Dienstleistern ein.

«Beispielloser Kollaps der Wirtschaftsaktivitäten»
«Die Eurozone verzeichnete im März einen beispiellosen Kollaps der Wirtschaftsaktivitäten, ausgelöst durch die Verschärfung der Corona-Pandemie», erklärte Markit. Nach einer Wachstumsbeschleunigung seit Jahresbeginn sei die Aktivität infolge der zunehmend verschärften Massnahmen zur Eindämmung des Virus auf breiter Front eingebrochen.

«Am stärksten traf es den Servicesektor, vor allem in den konsumnahen Branchen wie der Reise- und Tourismusbranche sowie im Gaststättengewerbe», erklärte Markit. Demgegenüber sei die Industrieproduktion weniger drastisch reduziert worden. Allerdings fiel der entsprechende Indikator ebenfalls stark.

In Deutschland, der grössten Volkswirtschaft der Eurozone, brach die Dienstleisterstimmung auf ein Rekordtief ein. Der Indikator für die Industrie schlug sich dagegen besser, gab aber ebenfalls stark nach. Experte Phil Smith von Markit relativierte das Resultat, die Lage sei weitaus dramatischer, als es der Indikator andeute.

In Frankreich, der zweitgrössten Volkswirtschaft des Euroraums, fiel die Wirtschaftsstimmung insgesamt auf ein Rekordtief. Auch dort trübte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor wesentlich stärker ein als in der Industrie. Die Dienstleisterstimmung sank auf den niedrigsten Stand seit Erhebungsstart vor etwa 22 Jahren.

«In der gesamten Eurozone brach die Wirtschaftsleistung im März in einem Ausmass ein, das noch weitaus grösser war als während des Höhepunkts der globalen Finanzkrise», kommentierte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Die März-Ergebnisse signalisierten eine wirtschaftliche Schrumpfung um etwa zwei Prozent auf Quartalsbasis. Die Talfahrt könne sich jedoch beschleunigen, sollten noch drakonischere Massnahmen zur Bekämpfung des Virus erlassen werden», sagte Williamson.

Zappendustere Aussichten für Grossbritannien
Für Grossbritannien geht Chefökonom Williamson von einer wirtschaftlichen Schrumpfung auf Quartalsbasis um 1,5 bis 2,0 Prozent aus. «Allerdings wird dieser Rückgang wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs sein und in den Schatten gestellt von dem, was wir im zweiten Quartal sehen werden, wenn weitere Eindämmungsmassnahmen ihren Tribut fordern und der Abschwung eskaliert», warnte der Volkswirt.

Die Indikatoren von Markit gelten als gute Richtschnur für das tatsächliche Wirtschaftswachstum. Die Entscheider in den Unternehmen werden nicht nach ihrer Stimmung, sondern nach Veränderungen in konkreten Bereichen gefragt, beispielsweise der Produktion. Werte unter 50 Punkten deuten auf wirtschaftliche Schrumpfung hin. (awp/mc/ps)

Markit

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