Christoph Kilian, CEO V-ZUG, im Interview

Christoph Kilian, CEO V-ZUG, im Interview
Christoph Kilian, CEO V-ZUG. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Mit einem deutlichen Umsatz- und Gewinnanstieg ist V-ZUG erfolgreich ins Jahr 2026 gestartet. Der Schweizer Premiumhersteller profitiert von einer starken Nachfrage im Heimmarkt, einem boomenden OEM-Geschäft in Nordamerika sowie einer konsequenten Effizienzstrategie. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in neue Märkte, innovative Produkte und die Kreislaufwirtschaft. Im Interview spricht CEO Christoph Kilian über die nächsten Wachstumsschritte, die Rolle von künstlicher Intelligenz in Haushaltsgeräten, die Herausforderungen in China und darüber, weshalb Schweizer Qualität auch in einem zunehmend umkämpften Premiumsegment den Unterschied macht.

Moneycab.com: Herr Kilian, V-ZUG hat den Umsatz und das Betriebsergebnis im ersten Halbjahr deutlich gesteigert. Was waren die entscheidenden Hebel für die Verbesserung?

Christoph Kilian: Ausschlaggebend für das erfreuliche Gesamtergebnis mit einem Wachstum von 4.9 Prozent waren die Umsatzdynamik im Schweizer Heimmarkt und das Momentum in unserem OEM-Geschäft in Nordamerika. Dank Effizienzgewinnen und stringentem Kostenmanagement konnten wir zudem das Ergebnis mit einer verbesserten Bruttomarge von 36.7 Prozent steigern und das Resultat auf Stufe EBIT mit einer Marge von 2.8 % mehr als verdoppeln. Unter dem Strich zeigt die positive Performance, dass unsere geschärfte Strategie sowie unsere Initiativen für Wachstum, Effizienz und Kostenoptimierungen greifen. Von dieser Grundlage aus freue ich mich, gemeinsam mit unseren Teams und Partnern V-ZUG auf Kurs zu halten.

Der Schweizer Markt hat sich erfreulich entwickelt. Der Nettoumsatz stieg im ersten Halbjahr um 3.7 Prozent auf 240.9 Millionen Franken. Welches waren die Treiber der positiven Entwicklung?

Der Schweizer Markt bleibt für uns von zentraler Bedeutung. Dass wir im 1. Semester 2026 unsere Führungsrolle in einem nur moderat wachsenden Gesamtmarkt stärken konnten, ist primär auf die positive Entwicklung im Neu- und Ersatzgeschäft zurückzuführen. Nebst der gezielten Unterstützung unserer Handelspartner und Investitionen in unseren Markenauftritt als Schweizer Hersteller zeigt hier auch unser im letzten Jahr eingeführtes Partnermodell Wirkung. Wir arbeiten heute enger und partnerschaftlicher zusammen und der verstärkte Fokus auf Markenpräsentation sowie Beratungs- und Servicequalität zahlt sich aus. Bewährt hat sich auch die Neuausrichtung unseres Projektgeschäfts mit intensivierter Betreuung und engerer Kundenbegleitung. Mittelfristig sehen wir hier weiteres Potenzial, nicht zuletzt durch Gebäudesanierungen und energetische Erneuerungen, die mit der Eigenmietwert-Reform an Fahrt gewinnen dürften.

«Unter dem Strich zeigt die positive Performance, dass unsere geschärfte Strategie sowie unsere Initiativen für Wachstum, Effizienz und Kostenoptimierungen greifen.»
Christoph Kilian, CEO V-ZUG

Während das OEM-Geschäft in Nordamerika gewachsen ist, war das Eigenmarkengeschäft leicht rückläufig. Ist das nur eine Momentaufnahme?

Positiv ist, dass wir im internationalen Geschäft in einem anhaltend anspruchsvollen Umfeld mit regional sehr unterschiedlichen Entwicklungen mit 12.3 Prozent zweistellig wachsen konnten. Mit CHF 15 Millionen hat sich der Umsatz im OEM-Geschäft beinahe verdoppelt und leichte Einbussen im internationalen Eigenmarkengeschäft überkompensiert. Um auch letzteres wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückzuführen, haben wir bereits gezielt gegengesteuert. Konkret haben wir Vertriebsstrukturen optimiert und in unserem Fokusmarkt Deutschland die Verkaufsorganisation verstärkt sowie im Fokusmarkt China den Ausbau eines partnerbasierten Retailgeschäfts initiiert.

Im Fokusmarkt China hat V-ZUG mit dem Ausbau eines partnerbasierten Retailgeschäfts begonnen. China gilt für viele europäische Premiumhersteller als anspruchsvoller Markt. Welche Rolle spielen die lokalen Partner, damit sich eine Marke wie V-ZUG dort erfolgreich etablieren kann?

China ist ein Markt mit enormem Potenzial aber auch eigenen Spielregeln. Trotz einer für dieses Jahr prognostizierten Konjunktursteigerungsrate von über 4 Prozent besteht in Teilen weiterhin eine Wachstumsschwäche im Immobiliensektor. Für V-ZUG ist es entsprechend wichtig, dass wir nebst dem bestehenden volatilen Projektgeschäft auch unser Neu- und Ersatzgeschäft strategisch und effizient ausbauen. Deshalb haben wir uns bewusst für ein partnerbasiertes Modell entschieden. Lokale Partner bringen das Markt-Know-how, die Netzwerke und das Verständnis für das lokale Premiumkundensegment mit. Wir bringen Schweizer Qualität, Design und hochwertige Produkte mit einer über 110-jährige Geschichte. Wir werden im zweiten Halbjahr 2026 schrittweise zusätzliche Verkaufspunkte in ausgewählten chinesischen Metropolen eröffnen.

«Wir werden im zweiten Halbjahr 2026 schrittweise zusätzliche Verkaufspunkte in ausgewählten chinesischen Metropolen eröffnen.»

Mit den Initiativen «Simplify» und «Grow» soll V-ZUG gleichzeitig effizienter werden und wachsen. Wie stellen Sie sicher, dass Kostendisziplin nicht zulasten von Innovation oder Servicequalität geht?

Die Antwort liegt im Ergebnis, denn mit «Simplify» verschaffen wir uns den Spielraum, um gezielt in Wachstum und Innovation zu investieren, ohne die Kostenbasis aus dem Blick zu verlieren. Im ersten Semester 2026 haben wir bewusst und gezielt Zusatzinvestitionen für Marketing und umsatzwirksame Massnahmen getätigt. Gleichzeitig haben wir unsere Servicequalität investiert und unsere branchenweit führenden Reaktions- und Ersterledigungsraten bei optimiertem Ressourceneinsatz bestätigt. Dies zeigt, dass sich Kostendisziplin und Servicequalität nicht ausschliessen.

Ihr mittelfristiges Ziel einer EBIT-Marge von rund zehn Prozent liegt noch deutlich über dem heutigen Niveau. Welche Etappen müssen Sie auf diesem Weg als Nächstes erreichen?

Der Weg ist klar, auch wenn er nicht über Nacht zurückzulegen ist. Der wichtigste Hebel sind höhere Verkaufsvolumen bei stabilen Verkaufspreisen. Das senkt die relative Fixkostenbasis strukturell. Genau darauf zielt unsere geschärfte Strategie ab. Unterstützend treiben wir mit «Grow» wachstumsseitige Massnahmen voran, mit «Simplify» weitere Produktivitätssteigerungen. So gehen bis Ende dieses Jahres die Roboter- und Automatisierungsanlagen an unserem Produktionsstandort in Sulgen in Betrieb und in unserer vertikalen Fabrik am Hauptstandort Zug steigern wir die Effizienz sukzessive. Zudem schliessen wir die Transformation unseres historischen Standorts in Zug mit der Eröffnung unseres neuen Hauptsitzgebäudes bis 2028 ab, womit sich auch unser Investitionsniveau wieder normalisiert.

Mit dem Kochfeldsystem «CookTop V6000 Integra» setzt V-ZUG auf Design und Premiumqualität. Ist Innovation wichtiger denn je, wenn auch günstigere Anbieter technologisch aufholen?

Innovation ist für uns Ausdruck dessen, wer wir sind. Innovationen helfen uns, immer wieder Impulse im Markt zu setzen und unser Portfolio über alle Produktkategorien hinweg entlang relevanter Markt-, Design- sowie Lifestyle-Trends zu erneuern.

Während günstigere Anbieter einzelne Features kopieren können, stehen wir für ein Gesamtversprechen mit einer Kombination aus Schweizer Präzision und Herstellung, über 110-jähriger Fertigungskunst sowie funktionalem Design, Qualität und Langlebigkeit. Das «CookTop V6000 Integra», das wir an der Mailänder Design-Woche präsentiert haben, stellt die Speerspitze in unserem Premium-Segment dar. Das Konzept steht für kompromisslose Ästhetik und Funktion und integriert sich mit seiner monolithischen Oberfläche nahtlos in hochwertige Wohnräume. Die Markteinführung ist für 2027 geplant.

«Während günstigere Anbieter einzelne Features kopieren können, stehen wir für ein Gesamtversprechen mit einer Kombination aus Schweizer Präzision und Herstellung, über 110-jähriger Fertigungskunst sowie funktionalem Design, Qualität und Langlebigkeit.»

Langlebigkeit gehört seit jeher zur DNA von V-ZUG. Erwarten Kundinnen und Kunden in diesem Zusammenhang zunehmend auch zirkuläre Geschäftsmodelle wie Wiederaufbereitung, Reparatur oder Geräte-Abonnements?

Das Interesse ist da, gerade auch, was den Schweizer Markt anbelangt. Langlebigkeit bringt nebst umweltbezogenen Vorteilen auch ökonomische Vorteile. Entsprechend ist das für uns kein Marketingversprechen, sie ist Ingenieursprinzip. Klar ist aber auch, dass am Ende die Menschen entscheiden, die unsere Geräte kaufen, was echten Mehrwert schafft.

Ähnlich verhält es sich beim Thema Kreislaufwirtschaft, das für uns ökologisches Ziel, wirtschaftliche Chance und Wettbewerbsvorteil zugleich darstellt. Mit der Adora Circular Edition haben wir erstmals eine Waschmaschine mit über 30 wiederverwendeten Komponenten hergestellt. Zusammen mit dem Schweizer Recyclingspezialisten Thommen haben wir zudem eine Demontagelinie für sortenreine Materialströme aufgebaut. Damit Versprechen wir uns mittelfristig die Resilienz unserer Rohstoffbeschaffung zu verbessern und streben Kosteneinsparungen an.

KI hält zunehmend Einzug in Haushaltsgeräte. Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz heute bereits bei der Entwicklung neuer V-ZUG-Geräte — und wo sehen Sie das grösste Potenzial?

KI nutzen wir teilweise schon heute etwa in der Entwicklung zur Simulation und Qualitätsprüfung oder in der Fertigung zur Prozessoptimierung. Vorstellbar sind aber auch Servicediagnosen, die allenfalls proaktiv auf höheren Verschleiss hinweisen oder Verbesserungen im Bestandsmanagement für Ersatzteile. Für uns ist der Massstab immer: Macht es das Erlebnis besser? KI ist kein Selbstzweck, sie muss sich in Alltagsnutzen übersetzen.

Können Sie sich vorstellen, dass ein V-ZUG-Gerät künftig selbstständig lernt, wie seine Nutzer kochen, waschen oder Energie sparen möchten — oder sind dieser Entwicklung bewusst Grenzen gesetzt?

Geräte, die mit der Zeit lernen, wie jemand kocht oder wäscht und sich entsprechend anpassen, halte ich für ein realistisches und für manche Menschen sinnvolles Szenario. Aber: Wir setzen bewusst Grenzen, wo Einfachheit Vorrang vor Komplexität hat. Unsere Kundinnen und Kunden wollen Kontrolle behalten. Lernende Geräte also ja, aber auf eine Weise, die Vertrauen schafft, nicht Bedenken.

«Unsere Kundinnen und Kunden wollen Kontrolle behalten. Lernende Geräte also ja, aber auf eine Weise, die Vertrauen schafft, nicht Bedenken.»

Die geopolitischen Unsicherheiten bleiben hoch — von Handelskonflikten bis zu steigenden Rohstoffkosten. Wie robust ist V-ZUG gegenüber solchen externen Schocks?

Externe Schocks stellen für jeden Anbieter eine Herausforderung dar. Da sich diese oft regional sehr unterschiedlich auswirken, gibt es kein universelles Lösungsrezept. Unser OEM-Geschäft in Nordamerika ist trotz der US-Zusatzzölle auf CHF 15.0 Mio. gewachsen. Das zeigt die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte auch unter erschwerten Bedingungen. Dennoch agieren wir hier sehr aufmerksam gerade auch mit Blick auf die anhaltende Volatilität an den Beschaffungs- und Logistikmärkten. Operative Disziplin, stringentes Kostenmanagement und gezielte Projekte für einen wettbewerbsfähigeren Einkauf sind unsere Antwort auf diese Risiken. Persönlich besonders wichtig ist mir dabei unser Engagement in der Kreislaufwirtschaft mit dem wir unsere Rohstoffbeschaffung mittelfristig auch resilienter machen.

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