Peter Pfenniger, CEO Rigi Bahnen AG im Interview

Peter Pfenninger

Peter Pfenniger, CEO Rigi Bahnen AG. (Foto: zvg)

von Robert Jakob

Moneycab.com: Herr Pfenniger, mit den  Rigi-Bahnen wollen Sie bis 2019 ein EBITDA von 6 Millionen einfahren. Dazu braucht es aber wohl mehr als nur Bahntickets…

Peter Pfenninger: Ja natürlich, dazu braucht es einen robusten Ertragsmix, generell Ertragssteigerungen aber auch eine konsequente Kostenkontrolle. Seit 2010 haben wir grossen Erfolg mit der Anerkennung des schweizerischen Generalabonnements mit entsprechend höheren Erträgen und seit 2014 einen starken Ertragszugang aus den internationalen Märkten, insbesondere aus den asiatischen Märkten. Andere Strategische Geschäftsfelder wie die Gastronomie, Shops und Events tragen zu der guten Entwicklung bei.

Kann man im Merchandising mehr rausholen?

Definitiv. Das Merchandising bietet für die Rigi Bahnen eine grosse Chance, um Zusatzerträge zu erzielen. Im Vergleich zu unseren Mitbewerbern stehen wir noch am Anfang. Das Merchandising wird aber seit einigen Jahren konsequent ausgebaut. Dazu haben wir in Vitznau und auf Rigi Kaltbad Shops erneuert und neu gebaut. Weitere sollen in den kommenden Jahren realisiert werden.

Wie Perlen an einer Schnur liegen entlang der beiden Bahntrassen architektonische Juwelen. Gibt es da nicht das ein oder andere Objekt der Begierde für Ihre Gesellschaft?

Wenn Sie damit Restaurants oder Hotels meinen, haben Sie recht. Wir möchten in Zukunft unsere Dienstleistungskette erweitern und ganzheitliche Leistungen vom Transport bis zum Erlebnis anbieten. Unsere Stossrichtung der kommenden Jahre: vom reinen Bahnunternehmen zum gästeorientierten Tourismusunternehmen. Wir prüfen weitere Engagements im Bereich Gastronomie und wollen die Partnerschaften mit den bestehenden Betrieben unserer Rigi-Partner vertiefen.

«Weitere Merchandising Shops sollen in den kommenden Jahren realisiert werden.»
Peter Pfenninger, CEO Rigi Bahn AG

Asiaten sind die am stärksten wachsende Klientel bei den Schweizer Bergbahnen. Was bieten Sie speziell  für diese Kunden an?

Die Rigi wird für die Asiaten stetig interessanter. Einerseits bieten wir für die internationalen Individualgäste, die mit dem Swiss Travel Pass reisen, freien Zugang zu unseren Bahnen. Andererseits wird die Rigi für Gruppengäste immer interessanter, weil die Rigi sehr zentral liegt und gut erreichbar ist. Dazu wird sehr geschätzt, dass die Rigi auf verschiedenen Wegen und mit unterschiedlichen Transportmitteln bereist werden kann. Die einmalige Lage als Halbinsel im Vierwaldstättersee und die damit verbundenen unvergesslichen Aussichten sind weitere Attraktionen, welche von allen Gästen sehr geschätzt werden.

Zusätzlich wird die Eröffnung der neuen Alpentransversale NEAT ab 2016 die Rigi noch attraktiver machen. Zurzeit arbeiten wir an einem Masterplan RIGI. Da geht es vor allem darum, die Rigi für internationale Gäste besser zu inszenieren. Viele Touroperators haben auch gemerkt, dass der Rigi-Winter mit seinem sehr guten Winterwanderwegen bei den Asiaten immer beliebter wird für einen kleinen Hike.

«Die Eröffnung der neuen Alpentransversale NEAT wird ab 2016 die Rigi noch attraktiver machen.»

Die Rigibahnen geben extrem viele verschiedene Arten von Ermässigungen – für Kinder, für Jugendliche, Muttertagsfreifahrten und vieles mehr. Ist dies der Grund für die gute Auslastung?

Nur bedingt. Die von Ihnen erwähnten Vergünstigungen sind für den Markt Schweiz und dort vor allem für die Familien gedacht. Sie helfen sicher mit zur Auslastung. Der eigentliche Auslastungsschub der letzten Jahre kommt von der Anerkennung des GA und dem starken Zugang von asiatischen Gästen als Gruppen wie auch Individualreisende.

Im Sommer bieten Sie auch das Schwebende Restaurant an, ein 3-Gang-Menu in der Panorama-Kabine der Luftseilbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad. Gab es da schon mal jemanden mit Schwindelanfall?

Gäste mit Schwindelanfall sind mir nicht bekannt. Vielleicht gibt es vor dem Einsteigen das eine oder andere weiche Knie. Sitzt man aber am Tisch und geniesst die kulinarische Runde, vergisst man schnell, dass der Boden unter den Füssen nur einige Millimeter dick ist. Wir bekommen aus diesem Angebotsbereich sehr viele positive Rückmeldungen. Das Angebot mit öffentlichen Fahrten ist bis Ende Sommer 2015 ausgebucht. Das Schwebende Restaurant ist ein USP der Rigi, welcher seit mehr als 15 Jahren beworben wird.

Schwindelfrei sind auf alle Fälle die vielen Gleitschirmpiloten, die vor dem Rigi-Sender oder bei Rigi Staffelhöhe starten. Wieviel Prozent vom Umsatz machen diese denn mittlerweile aus? Manchmal sieht man ja wahre Trauben in der Luft.

Die Rigi ist sehr beliebt bei den Gleitschirmpiloten. Sie hat eine lange Tradition, ursprünglich ausgelöst durch die Deltasegler. Auch wenn sie wie Trauben in der Luft hängen, machen sie einen geringen Teil unserer Umsätze aus. Das sind wenige Promille. Man darf nicht vergessen, dass die Rigi Bahnen AG pro Jahr über 650’000 Gäste auf die Rigi führt. Trotzdem haben wir die Gleitschirmpiloten gerne über der Rigi, sie runden das Erholungsparadies auch optisch ab.

«Die Verbundkarte mit kleineren Bahnen wird noch zu gering genutzt.»

Zur RigiPlus AG haben sich fast alle bedeutenden Tourismusunternehmen des knapp hundert Quadratkilometer grossen Massivs zusammengeschlossen. Würde nicht auch eine Verbundkarte mit den kleineren Bahnen wie Urmibergbahn oder Rigi-Scheidegg zusammen, Sinn machen?

Diese Verbundkarte gibt es bereits. Zurzeit ist die Nutzung jedoch gering, da die Rigi auch mit allen Bahnen in einem Tag fast nicht zu erobern ist. Im Moment prüfen wir, wie wir das Angebot attraktiver gestalten können. Das Verbundticket soll auch gegen aussen ein Zeichen der Einheit-RIGI sein.

Letztes Jahr wurden von der Rigi Bahnen AG fast 10 Millionen Franken investiert. Lassen Sie es dieses Jahr ruhiger angehen?

Nein, natürlich nicht. Die CHF 10 Mio. resultieren aus einem Mix aus verschiedenen mehr jährigen Projekten.

Welches ist als nächstes langfristiges Grossprojekt am Horizont auszumachen?

Aktuell arbeiten wir an der Projektierung der Erneuerung der Seilbahn Weggis – Rigi Kaltbad. Die Anlage wird per 2018 mit einem Volumen von mindestens CHF 12 Mio. erneuert. Im Weiteren planen wir im Rahmen des Masterplans auch den Neubau der Infrastruktur Station Rigi Kulm, die neu stark auf den Gast ausgerichtet sein wird und nicht den Bahnbetrieb in den Vordergrund stellt.

«Wir haben in den kommenden 20-30 Jahren ein Investitions-Volumen von mindestens 75 – 100 Mio Franken vor uns.»

Nach langen Jahren der Eigenfinanzierung prüfen Sie jetzt auch mögliche Bankkredite und alternative Finanzierungsmöglichkeiten. Sehen wir bald also eine Rigi-Anleihe?

Im Rahmen der anstehenden grossen Investitionen planen wir für das 3./4. Quartal 2016 eine Erhöhung des Aktienkapitals. Dazu brauchen wir neben den Kleinaktionären auch grosse Investoren. Um die grösseren Investoren zu gewinnen, sind wir dabei, neben den Naturaldividenden, auch eine Cash-Dividende zu realisieren. Wir prüfen zurzeit verschiedene Modelle. Unsere Gewinnprognosen zeigen, dass die Rigi Bahnen AG demnächst in der Lage sein wird Cash-Dividenden auszuschütten.

Wie hoch wird ganz langfristig  das Investitionsvolumen sein?

Wir haben in den kommenden 20-30 Jahren ein Volumen von mindestens 75 – 100 Mio. vor uns. Die Investitionen werden vor allem getrieben durch den Flottenwechsel bei den Zahnradbahnen und neuen Angeboten. Um dies stemmen zu können, brauchen wir neue Investoren, neue Finanzierungsmodelle mit den Banken, aber vor allem auch einen sehr hohen Eigenfinanzierungsgrad mit einem EBITDA zwischen CHF 6 und 8 Mio.  Ich meine wir sind gerade in Begriff, die Schwelle in diese Zeit zu überschreiten. Ich sehe das sehr positiv.

Zur Person:
Peter Pfenniger, Jahrgang 1953, wohnt in Goldau SZ. Er ist verheiratet und Vater von 2 erwachsenen Töchtern und einem Sohn. Nach der Lehre als Elektronikgerätemechaniker absolvierte er das Studium als El. Ing. FH in Luzern mit Nachdiplomstudium in Unternehmensführung. Bevor er 1987 zu den Rigi Bahnen kam war er in der Industrie in den Bereichen Rüstung und Textilmaschinen in leitenden Stellungen tätig. 2002 übernahm er bei der Rigi Bahnen AG die Funktion des CEO. Im Verlaufe der 2. Jahreshälfte 2016 wird er die Aufgabe des CEO in jüngere Hände übergeben und der RIGI BAHNEN AG beratend und aktiv für Sonderprojekte zur Verfügung stehen.

Zum Unternehmen:
Als erste Bergbahn Europas (1871) führen die Rigi Bahnen (Rigi Bahnen AG) pro Jahr über 650’000 Gäste auf die Rigi. Zurzeit steht die Gesellschaft im Wandel „vom Bahnbetrieb zum Tourismusunternehmen“, also weg von der reinen Bergbahn zum ganzheitlichen Anbieter von Tourismusleistungen. Seit einigen Jahren entwickeln sich die Ertrags- und Gewinnzahlen sehr positiv und beflügeln auch den Kurs der otc-gehandelten Aktie.

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