AMS nimmt bei Osram-Übernahme einen zweiten Anlauf

AMS nimmt bei Osram-Übernahme einen zweiten Anlauf
AMS-CEO Alexander Everke. (Foto: AMS)

Premstätten – Der österreichische Sensorenhersteller AMS nimmt im Übernahmepoker um den angeschlagenen Lichtkonzern Osram einen weiteren Anlauf. Das an der Schweizer Börse kotierte Unternehmen überbietet das Angebot der US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle. AMS sieht im Schulterschluss mit den Münchnern für beide Seiten grosse Chancen – die Anleger sind hingegen skeptisch.

Vor ein paar Wochen bereits hatte die gemessen am Umsatz deutlich kleinere AMS einen ersten Kaufversuch gewagt, den sie allerdings unvermittelt wieder zurückzog. Es habe „keine ausreichende Basis“ für weitere Gespräche mit Osram gegeben, hiess es damals. Nun sei vieles anders, versicherte AMS-Chef Alexander Everke am Montag an einer Telefonkonferenz.

Everke bezeichnete ein mögliches Zusammengehen als einen strategisch „äusserst sinnvollen“ Schritt, der sich sowohl für die Aktionäre als auch die Mitarbeitenden von Osram lohne. Ausserdem sei die nun vorgelegte Offerte, die Osram inklusive der Schulden mit gesamthaft rund 4,3 Milliarden Euro bewertet, finanziell gut abgesichert.

Konkurrenz überboten
AMS will je Osram-Aktie 35,80 Euro bezahlen. Damit liegt die Offerte um einen Zehntel über den von den Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle gebotenen 35,00 Euro und klar über dem Schlusskurs vom letzten Freitag (31,65 EUR).

Die US-Investoren hatten ihr Angebot für die ehemalige Siemens-Tochter bereits am 5. Juli lanciert. Die Frist läuft noch bis Ende September und Bedingung ist, dass mindestens 70 Prozent der Osram-Anteile angedient werden.

Dagegen tritt nun AMS an. Finanzchef Michael Wachsler-Markowitsch sprach von einem attraktiven Angebot. „Und die Finanzierung dafür steht“, fügte er an. AMS hat die Grossbanken HSBC und UBS für das Vorhaben gewonnen, die einer Brückenfinanzierung in Höhe von 4,2 Milliarden Euro zugesagt haben.

In einem späteren Schritt wird diese Finanzierung den Plänen zufolge durch eine Kapitalerhöhung im Umfang von 1,5 Milliarden Euro und die Aufnahme von Bonds refinanziert. Der Kapitalerhöhung muss im vierten Quartal noch von den Aktionären abgesegnet werden.

Zustimmung Osram nötig
Bevor AMS aber überhaupt an die Lancierung des Übernahmeangebots denken kann, muss Osram das gemeinsam im Juni vereinbarte Stillhalteabkommen aufheben. Das Abkommen wurde abgeschlossen, als Osram im Rahmen einer Due Diligence-Prüfung AMS Einblick in die Bücher gewährt hatte.

Das Osram-Management hat bis am kommenden Donnerstag Zeit, um den Weg für das Angebot frei zu machen. Ein Sprecher bestätigte, dass der Konzern die erhaltenen Unterlagen von AMS derzeit auswertet und sich anschliessend dazu äussern werde. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass Osram das Abkommen aufheben wird“, sagte Everke. Man habe zwar zum aktuell vorliegenden Angebot noch keine Gespräche mit Osram geführt, doch ist Everke davon überzeugt, dass die bei der letzten Offerte von Osram „geäusserten und berechtigten Bedenken“ nun ausgeräumt seien.

AMS will gemeinsam mit Osram einen „weltweit führenden Anbieter von Sensorlösungen und Photonik etablieren“. Der Chip-Hersteller interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. „Dort werden wir investieren und wachsen“, sagte Everke. Dagegen suche man für den Digitalbereich einen geeigneten Besitzer.

Am Ende soll ein Konzern mit einem Umsatz von rund 5 Milliarden Euro entstehen, der ein jährliches Wachstum im zweistelligen Prozentbereich und eine um Sonderfaktoren bereinigte EBIT-Marge von über 25 Prozent anstrebt. AMS alleine wies 2018 einen Umsatz von 1,4 Milliarden und eine Marge von 9 Prozent aus.

Grosses Synergiepotenzial
Im neuen Verbund rechnet AMS mit Synergie- und Sparpotenzial von über 300 Millionen Euro pro Jahr, wobei erst einmal Integrationskosten in Höhe von rund 400 Millionen die Rechnung belasten werden. Bereits ab dem ersten Jahr nach Abschluss werde sich aber ein positiver Ergebniseffekt einstellen, versprach Everke.

Den Osram-Mitarbeitenden vermittelte er derweil Sicherheit. Nach der Übernahme wollen die Österreicher im Osram-Werk in Regensburg neue Arbeitsplätze schaffen, indem die Produktion von „Front-End-LEDs“ dort gebündelt wird. Dabei sei gar die Verlegung von Jobs von China nach Regensburg geplant, hiess es.

An der Börse begegnen Analysten und Investoren dem Vorhaben von AMS allerdings mit grosser Skepsis: Der Kurs der AMS-Papiere verliert am frühen Nachmittag 10 Prozent. Die Osram-Papiere legen zwar um 12 Prozent zu, verbleiben mit einem Kurs von 33,60 Euro aber unter dem gebotenen Preis. (awp/mc/pg)

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