Avaloq: Kundenabwanderung in der Anlageberatung und Künstliche Intelligenz als Abhilfe

Georges Roten
Georges Roten. (Foto: Avaloq)

Zürich – Eine Umfrage von Avaloq unter vermögenden Privatpersonen in zehn Ländern, darunter die Schweiz, Deutschland und Grossbritannien, hat ergeben, dass fast 30% der Vermögensverwaltungskunden einen Wechsel ihres Anlageberaters in Erwägung ziehen. Die Mehrheit der Befragten wünscht sich massgeschneiderte Portfolios mit einem persönlichen Service. Gleichzeitig würden überraschend viele Anleger Beratungsleistungen teilweise oder sogar komplett der künstlichen Intelligenz überlassen. Das eine schliesst das andere grundsätzlich nicht aus – ganz im Gegenteil. Für die Wealth Management Branche bedeuten die jüngsten Erkenntnisse, dass der hybride Ansatz an Bedeutung gewinnt.

Georges Roten, Regional Head Schweiz und Liechtenstein: «Die international durchgeführte Befragung hat die Beziehung Berater-Anleger etwas genauer unter die Lupe genommen. Grundlegendes Fazit: dem Anleger sind vor allem die Kosteneffizienz und die Performance des Portfolios wichtig. 70% kümmern in erster Linie solche «Hard Factors», wohingegen nur ein Drittel wegen mangelnder Modernisierung einen Wechsel des Anlageberaters in Betracht ziehen würde. Das heisst jedoch nicht, dass Technologie unwichtig ist, es zeigt lediglich, dass sich die Kunden weniger für die Technologien selbst interessieren. Der viel wichtigere Aspekt ist, wie sich ihr Alltag über die Nutzung dieser Technologien durch die Anlageberater verbessert. Entsprechend sollten Finanzinstitute neue Technologien nicht einführen, um auf dem neuesten Stand zu sein, sondern sie so einsetzen, um die neuen digitalen Kundenbedürfnisse gezielt zu erfüllen. Mit den richtigen technologischen Lösungen können Wealth Manager so ihre Skalierbarkeit, Transparenz und Effizienz steigern, sowie ein höheres Mass an Personalisierung bieten.

Derzeit nutzen viele Berater zur Personalisierung ihrer Anlagevorschläge immer noch Daten aus unterschiedlichen Systemen, die mühsam in Tabellenblätter mit manuell erstellten Formeln kopiert werden müssen. Andere standardisieren bestimmte Angebotselemente und verwenden diese für mehrere Kunden. Beides führt zu unflexiblen Vorschlägen und hohem Arbeitsaufwand. In einem Markt, in dem innovative Konkurrenten kreative personalisierte Dienstleistungen anbieten, läuft man so Gefahr, den Anschluss und damit sowohl verwaltete Vermögen als auch Kunden zu verlieren.

Künstliche Intelligenz (KI) schafft hier in vielerlei Hinsicht Abhilfe, kann gezielt eingesetzt werden und soll die Beraterfunktion keineswegs ersetzen. Vielmehr ist nun der hybride Ansatz gefragt. Unsere Studie zeigt, dass sowohl Anleger mit einem Berater als auch jene, die selbständig investieren, KI-gestützte Leistungen schätzen. Am meisten Zuspruch erhält dabei die Analyse der Portfolioperformance durch KI. 54% der Anleger mit Berater und 56% der Anleger ohne Berater würden sich hier mit KI-Unterstützung wohlfühlen. 33% respektive 24% würden diese Aufgabe sogar komplett der Maschine überlassen. Aber auch Produktempfehlungen basierend auf dem eigenen Verhalten oder Situationsveränderungen sowie Investitionstipps sind geeignete KI-Aufgaben.

Aus der Studie kann man jedoch auch herauslesen, dass lediglich jeder fünfte Anleger dazu bereit wäre, verschiedene Aufgaben gänzlich der KI zu überlassen. Es zählt also weiterhin das Knowhow des Anlageberaters und seine menschliche Komponente. Das alles sind beste Voraussetzungen für einen ausgeprägten hybriden Ansatz, auf den sich die Wealth Management Branche nun massgeblich ausrichten sollte.» (Avaloq/mc)

Studie

Über die Studie
Im Mai 2021 befragte Avaloq 1’430 Anleger mit einem investierbaren Vermögen von mindestens USD 250’000 vom Affluent- bis zum UHNW-Segment. Die untersuchten Märkte sind die Schweiz, Deutschland, das Vereinigte Königreich, Frankreich, China, Hongkong, Singapur, Japan, Australien und Indien. Avaloq analysierte auch aggregierte, anonymisierte Endkundendaten, die von Banken und Vermögensverwaltern gespeichert wurden, die Avaloq-Systeme in der EMEA-Region nutzen.

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