Warum KI-generierte Bewerbungen scheitern können – und wie es besser gelingen kann
San Francisco – Künstliche Intelligenz hat bei vielen Unternehmen einen erheblichen Einfluss auf das Bewerbungsverfahren genommen. Immer mehr Bewerber lassen ihre Unterlagen grösstenteils oder sogar vollständig von KI erzeugen. Dies führt unter anderem zu einem deutlichen Anstieg an Bewerbungseingängen. Um mit einer solchen Bewerbungsflut umzugehen, greifen viele Unternehmen ebenfalls zu KI: sie lassen Bewerbungen von der Maschine aussortieren – oft ohne, dass eine Mensch überhaupt einen Blick auf die Unterlagen geworfen hat.
Die Konsequenz ist, dass viele Bewerber gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, auch wenn die Qualifikationen möglicherweise stimmen.
Wie kann es also gelingen, eine überzeugende Bewerbung zu schreiben, die nicht von KI aussortiert wird? Sollte man beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen vollständig auf KI verzichten? Dieser Artikel gibt einige Tipps, was in der heutigen Zeit im Bewerbungsprozess zu beachten gilt.
Eine Bewerbung muss mehr hergeben als gute Formulierungen
Ein Anschreiben ist schnell erstellt. Wer eine Stellenanzeige in ein KI-Tool kopiert, erhält meist innerhalb weniger Sekunden einen ordentlich formulierten Text. Doch gerade diese Einfachheit kann zum Problem werden. Viele Anschreiben lesen sich ähnlich und enthalten Aussagen, die kaum etwas über die jeweilige Person verraten.
“Ich bin belastbar und teamfähig” klingt zunächst einmal positiv. Allerdings stellt sich die Frage, woran sich diese Eigenschaften festmachen lassen. Hat der Bewerber schon einmal ein Projekt unter Zeitdruck abgeschlossen? Hat er neue Kollegen eingearbeitet oder eine schwierige Kundenanfrage gelöst? Konkrete Beispiele sorgen nicht nur für Glaubhaftigkeit, sondern bleiben auch eher im Gedächtnis. Wer also KI zur Erstellung heranziehen möchte, sollte dem Tool nicht einfach nur die Stellenanzeige füttern, sondern ganz konkrete Erfahrungen mitteilen, die gängige positive Charaktereigenschaften unterstützen.
Ein Aspekt, bei dem KI-gestützte Tools definitiv genutzt werden können, liegt in der Prüfung von Fehlern. Früher wie heute sind Rechtschreib- und Grammatikfehler ein No-Go in einer Bewerbung. Während man früher noch Eltern oder Bekannte gefragt hat, die Bewerbungsunterlagen gegenzulesen, kann dieser Job heute souverän durch eine Rechtschreibprüfung übernommen werden. Dabei handelt es sich um eine schnelle und sichere Methode, eine fehlerfreie Bewerbung zu erhalten.
Die Stellenausschreibung in den Fokus der Bewerbung rücken
Selbst wenn man alle erforderlichen Qualifikationen für eine Stelle mitbringt, kann es unter Umständen vorkommen, dass man nicht einmal zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird. Die Ursache kann in einem wenig aussagekräftigen Anschreiben liegen, das nicht auf die spezifische Stellenausschreibung eingeht.
Es ist einfach, ein scheinbar ordentlich formuliertes Anschreiben zu erstellen und diese einfach an X Unternehmen zu senden. Das kommt bei den Personalverantwortlichen allerdings gar nicht gut an. Daher lohnt es sich, vor dem Schreiben drei Fragen zu beantworten: Welche Aufgaben stehen im Mittelpunkt? Welche Kenntnisse werden vorausgesetzt? Und welche eigenen Erfahrungen passen dazu?
Beispiel: Ein Unternehmen sucht Zuwachs für seine Marketingabteilung und in der Stellenausschreibung wird erwähnt, dass Social-Media-Kenntnisse vorausgesetzt werden. In diesem Fall reicht es nicht, zu sagen, dass man mit den verschiedenen Social-Media-Kanälen gut vertraut ist. Wenn man selbst Beiträge geplant und veröffentlicht hat und die Erfolge anschliessend gemessen hat, sollte man dies konkret benennen. Ein weiterer erwähnenswerter Aspekt könnten Hürden sein, die man in der Vergangenheit gemeistert hat. Wie ist man etwa damit umgegangen, wenn Beiträge nicht den gewünschten Erfolg verzeichnet haben? Welche Optimierungsmassnahmen wurden eingeleitet? Wer von konkreten Erfahrungen berichten kann, ist gegenüber allgemeinen Aussagen klar im Vorteil.
Lebenslauf sachlich und übersichtlich gestalten
Während man sich beim Anschreiben Gedanken machen sollte, wie man aus der Masse heraussticht, ist dies beim Lebenslauf nicht der Fall. Dieser soll Personalern schnell einen Überblick über den beruflichen Werdegang und die Qualifikationen geben. Ist der Lebenslauf klar strukturiert, können die wichtigsten Informationen in kürzester Zeit erfasst werden.
Ein aufwändiges Design und aussergewöhnliche Schriftarten sind gegebenenfalls für künstlerische Berufe passend, sollten bei anderen Berufsfeldern hingegen weggelassen werden. Sie sind zwar ein Hingucker, können aber die Lesbarkeit beeinflussen – und beim Lebenslauf kommt es wie bereits gesagt darauf an, wichtige Informationen schnell scannen zu können. Auch wenn Unternehmen Software zur Aussortieren von Bewerbungen verwenden, können ungewöhnliche Formatierungen, Schriftarten oder Designs das Auslesen von Informationen negativ beeinflussen.
Bezüglich des Inhalts sollte dieser sachlich und präzise sein. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die einzelnen Aspekte möglichst kurz gehalten werden müssen. Es lohnt sich durchaus, die Tätigkeiten nicht nur aufzulisten, sondern auch eine prägnante Beschreibung hinzuzufügen. Wer beispielsweise im Kundenservice gearbeitet hat, kann neben der Stellenbezeichnung erwähnen, ob Reklamationen bearbeitet, Kunden beraten oder Beschwerden eigenständig gelöst wurden.
Genau wie im Anschreiben sollten die in der Stellenausschreibung gegebenen Informationen nicht ausser Acht gelassen werden. Tätigkeiten und Fähigkeiten, die gesucht werden, sollten im Lebenslauf besonders hervorgehoben werden.
KI als Unterstützung, nicht als Ersatz
Künstliche Intelligenz kann bei einzelnen Arbeitsschritten durchaus hilfreich und sinnvoll sein. Sie kann beispielsweise Vorschläge für eine verständliche Formulierung machen oder dabei helfen, die eigenen Erfahrungen übersichtlich zu ordnen. Problematisch wird es jedoch, wenn Bewerber den gesamten Prozess an ein Tool abgeben und den erzeugten Text ungeprüft übernehmen.
Die Formulierungen mögen mit KI einwandfrei sein, allerdings kann es schnell zu Wiederholungen oder zur blossen Aneinanderreihung von Schlagworten kommen – kurzum zu Inhalten, die wenig aussagekräftig sind. Solche Bewerbungsunterlagen laufen Gefahr, ungelesen im Papierkorb zu landen.
Eine überzeugende Bewerbung lebt nicht von perfekt ausgefeilten Satzstrukturen, sondern von glaubwürdigen Informationen. Um Künstliche Intelligenz effektiv und erfolgversprechend zu nutzen, muss man ihr konkrete Inhalte liefern. Wer sich auf eine Führungsposition bewirbt und entsprechende Erfahrungen gesammelt hat, sollte ganz spezifische Beispiele aus dem bisherigen Berufsleben nennen. Zudem ist es ein Muss, den von KI gelieferten Text gründlich durchzulesen und bei Bedarf zu überarbeiten.
Fazit – Individuelle Bewerbungen haben die besseren Argumente
Wie so oft gilt auch im Bewerbungsprozess Qualität vor Quantität. Für eine erfolgreiche Bewerbung sollte man nicht einfach generische Unterlagen erstellen, sondern seine Unterlagen gezielt auf einzelne Stellenausschreibungen ausrichten. Konkrete, passende Beispiele aus dem Berufsalltag sind überzeugende als zusammenhangslos aufgelistete positive Charaktereigenschaften. Auf diese Weise dauert eine einzelne Bewerbung zwar deutlich länger, die Erfolgsaussichten, zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, wachsen jedoch.
Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz zur Erstellung von Inhalten muss nicht komplett schlecht geredet werden. KI-gestützte Tools sind ideal, um Formulierungen zu finden, Rechtschreibung zu kontrollieren und Ideen zu erhalten. Problematisch ist lediglich, wenn sich Bewerber allein auf die moderne Technik berufen und selbst kaum über die Inhalte nachdenken. (qb/mc7Hfu)