Schweiz erstmals unter den Top 5 Digital Nationen – Aber wie lange noch?

Arturo Bris
Professor Arturo Bris, Direktor des IMD World Competitiveness Center. (Foto: IMD)

Lausanne – Die USA führen das IMD World Digital Competitiveness Ranking 2018 an, gefolgt von Singapur, Schweden, Dänemark und der Schweiz. Die USA überholen Singapur und Schweden von Platz 3 und führen die Rangliste an, wie das Lausanner International Institute for Management Development (IMD) am Dienstag mitteilte.

Das IMD World Digital Competitiveness Ranking 2018 untersucht 63 Volkswirtschaften. In diesem Jahr erlebte die Mehrheit (29) der Länder in der Studie eine Verbesserung ihrer digitalen Wettbewerbsfähigkeit. Etwa 40% der Stichprobe (26 Länder) weisen einen Rückgang auf, während nur acht Volkswirtschaften in der gleichen Position bleiben. Diese Veränderungen sind nicht geografisch fokussiert. Verbesserungen und Rückgänge finden über Kontinente hinweg statt.

Ziel des Rankings zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit ist es, zu bewerten, inwieweit ein Land digitale Technologien einsetzt und erforscht, die zu einem Wandel der Regierungspraxis, der Geschäftsmodelle und der Gesellschaft im Allgemeinen führen.

Professor Arturo Bris, Direktor des IMD World Competitiveness Center, stellt fest: «Die USA profitieren von ihren Verbesserungen im Wissen (4. von 5.) und in der Technologie (3. von 6.). Sie bleibt auch in Zukunft stabil (2.).» Er fügt hinzu: «Wissensgewinne resultieren aus einer starken Leistung in der Mitarbeiterschulung und einer Erhöhung des Anteils der wissenschaftlichen und technischen Beschäftigung, während die Förderung des Technologiefaktors von einem leichten Fortschritt in allen seinen Teilfaktoren, einschliesslich der Verbindungsinfrastruktur, profitiert.»

Die Ergebnisse zeigen, dass mehrere Länder ein «adaptives Ungleichgewicht» oder eine Diskrepanz zwischen dem hohen Ausbildungsniveau und der Einstellung zur Digitalisierung aufweisen; unter diesen Volkswirtschaften sind Österreich, Malaysia und Russland zu nennen. Während beispielsweise Österreich in der Aus- und Weiterbildung auf Platz 7 und Russland auf Platz 12 liegt, ist ihre Leistung bei der Einführung neuer Technologien (25. und 39. in der adaptiven Einstellung) relativ gering.

Singapur verliert Rang 1 in Gesamtwertung
In der Gesamtwertung fällt Singapur von Platz 1 auf Platz 2 zurück. Es erreicht den 1. Platz bei den Wissens- und Technologiefaktoren und den 15. bei der Zukunftsfähigkeit. Trotz des hohen Ausbildungsniveaus in Singapur und eines für die Digitalisierung günstigen Umfelds sind die Einstellungen der Gesellschaft zur Einführung von Technologien und die Flexibilität der Unternehmen, die Vorteile der digitalen Transformation zu nutzen, relativ gering (20. bzw. 18.).

Auf dem 3. Platz vom 2. Platz zeigt Schweden eine Balanced Scorecard. Auf der Faktorebene belegt sie den 7. Platz im Wissen, den 5. in der Technik und den 5. in der Zukunftsfähigkeit. Die eher geringe Leistung in einigen der Wissenskomponenten könnte der Kern des Rückgangs in der Rangliste Schwedens sein. Bei den Hochschulabschlüssen rangiert sie auf Platz 20 (gegenüber dem 18.) und beim Anteil der Absolventen in den Naturwissenschaften auf Platz 23 (gegenüber dem 20.). Dänemark verbessert seine digitale Gesamtposition von Platz 5 auf Platz 4. Sie belegt Platz 8 im Wissen, Platz 10 in der Technik und Platz 1 in der Zukunftsfähigkeit. Das Land steigert seine Leistung (oder bleibt stabil) in acht der neun Subfaktoren, die nur in der adaptiven Einstellung (vom 1. auf den 5. Platz) fallen. Der höchste Rang ist in der Aus- und Weiterbildung (3.) und der niedrigste im Kapital (22.). Die Schweiz reiht sich in die Top 5 ein und rückt von Platz 8 auf Platz 5 vor. Diese Verbesserung beruht auf einer Weiterentwicklung des zukünftigen Bereitschaftsfaktors von Platz 13 auf Platz 10. Das Land erlebt jedoch einige Rückgänge bei den Wissens- und Technologiefaktoren (vom 4. auf den 6. bzw. 8. auf den 9. Platz) die sich in Zukunft zum Problem entwickeln könnten. Norwegen, Finnland, Kanada, die Niederlande und das Vereinigte Königreich komplettieren die Top 10.

Das im Mai 2017 erstmals eingeführte Ranking quantifiziert die rasanten technologischen Veränderungen in den Ländern und bietet den Entscheidungsträgern im öffentlichen und privaten Sektor ein Instrument zur Interpretation und Bewältigung dieser Veränderungen.

Ziel des Rankings zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit ist es, zu bewerten, inwieweit ein Land digitale Technologien einsetzt und erforscht, die zu einem Wandel der Regierungspraxis, der Geschäftsmodelle und der Gesellschaft im Allgemeinen führen. Darüber hinaus bietet sie Unternehmen die Möglichkeit, bessere Möglichkeiten zur Stärkung der zukünftigen Wertschöpfung zu finden. Das Ranking stützt sich auf 50 ausgewählte Indikatoren, die in drei Faktoren unterteilt sind: Wissen, Technologie und Zukunftsfähigkeit. Der Wissensfaktor bezieht sich auf die immaterielle Infrastruktur, die den Prozess der digitalen Transformation durch das Entdecken, Verstehen und Lernen neuer Technologien unterstreicht. Der Technologiefaktor bewertet den Gesamtzusammenhang, durch den die Entwicklung digitaler Technologien ermöglicht wird (technologiefreundliche Regulierung, Verfügbarkeit von Kapital für Investitionen und die technologische Infrastruktur). Schliesslich untersucht der Future Readiness Factor den Grad der Technologieübernahme durch Regierung, Wirtschaft und Gesellschaft im Allgemeinen.

«Harte» Daten wie die Anzahl der Patenterteilungen in High-Tech-Branchen und die Nutzung von Smartphones werden doppelt so stark gewichtet wie die «weichen» Daten aus unserer Executive Opinion Survey, die die Geschäftswahrnehmung von Themen wie Technologieregulierung und Nutzung grosser Daten und Analysen in Unternehmen messen.

Das IMD World Competitiveness Center ist eine Forschungsgruppe an der IMD Business School in der Schweiz mit 30-jähriger Forschungserfahrung im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit von Ländern.

Am 20. Juni präsentiert das IMD World Competitiveness Center die IMD World Digital Rankings 2018 anlässlich des Digital Competitiveness Summit 2018, der am IMD mit digitalswitzerland stattfindet. IMD ist seit Februar 2018 Mitglied der digitalswitzerland. (IMD/mc/ps)

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Digital Competitiveness Summit 2018

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