Telekom: Verkauf von T-Mobile USA ist geplatzt

René Obermann
René Obermann, ehemaliger Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom.

Telekom-Chef René Obermann.

Dallas – Die Deutsche Telekom bleibt auf ihrer ungeliebten Mobilfunktochter T-Mobile USA sitzen. Der US-Branchenriese AT&T hat nach anhaltenden Bedenken der US-Wettbewerbshüter die 39 Milliarden Dollar schwere Übernahme abgeblasen, wie der Konzern am späten Montag in Dallas mitteilte. Die Zeichen für einen Abbruch des Geschäfts hatten sich zuletzt verdichtet.

Die Deutsche Telekom darf sich immerhin über ein Trostpflaster freuen: Sie bekommt 3 Milliarden Dollar in bar. Zudem darf sie das Netz des grösseren Rivalen mitnutzen (das sogenannte Roaming) und bekommt überdies begehrte Funkfrequenzen. AT&T bezifferte den Gesamtwert des Ausgleichspakets auf 4 Milliarden Dollar. Die Deutsche Telekom erklärte, sie erwarte die Zahlung noch im laufenden Jahr.

Problemfall bleibt Telekom erhalten
AT&T wäre mit dem Zukauf von T-Mobile USA zum mit Abstand grössten Mobilfunkanbieter der Vereinigten Staaten aufgestiegen. Es wären daneben nur noch zwei weitere landesweit vertretene Konkurrenten übrig geblieben. Diese Vorstellung hatte die US-Kartellwächter alarmiert. Sie fürchteten, dass die Kunden am Ende höhere Gebühren zahlen müssten. T-Mobile USA gilt als preisgünstig. Deshalb hatte das zuständige Justizministerium gegen den Verkauf geklagt, und auch der Netzregulierer FCC hatte sich gesperrt.

Die Deutsche Telekom und AT&T hatten die Übernahme im März eingefädelt und wollten sie eigentlich binnen eines Jahres unter Dach und Fach bringen. Für beide ging es um viel: AT&T hätte mit einem Schlag sein Netz deutlich ausgebaut, das unter der steigenden Zahl an datenhungrigen Smartphones ächzt. Die Telekom wiederum hätte sich eines Problemfalls entledigt.

Zukunft von T-Mobile USA offen

T-Mobile USA hatte bis zuletzt Kunden verloren, auch weil der Anbieter als einziger der vier grossen Apples iPhone nicht im Angebot hat. Zudem steht ein teurer Netzausbau ins Haus. In der Branche wurde aber darauf hingewiesen, dass sich die Lage mit dem Roaming- und Frequenzpaket von AT&T deutlich entspannt und die Telekom nun weniger Geld in die Hand nehmen müsse.

Wie es nun genau mit T-Mobile USA weitergeht, liess die Telekom offen. Durch die Auflösung des Kaufvertrages werde T-Mobile USA künftig wieder als fortzuführendes Geschäft der Deutschen Telekom bilanziert, teilte der Bonner Konzern am Abend lediglich mit. An den geschäftlichen Erwartungen des Unternehmens für 2011 ändere sich nichts, auch die Ausschüttungspolitik bleibe bestehen, hiess es. (awp/mc/ps)

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