SZKB Marktkommentar: Forever it takes

Thomas Heller
von Thomas Heller, CIO der Schwyzer Kantonalbank. (Foto: SZKB)

Schwyz – Während die US-Notenbank (Fed) die Normalisierung der Geldpolitik ab Ende 2015 mit neun Zinserhöhungen eingeleitet hatte, entpuppt sich die Zinswende in der Eurozone zusehends als Karotte, die man dem Esel vor die Nase hält, die er aber nie erreichen wird.

Bis Juni 2018 bestand Hoffnung, dass die EZB Anfang 2019 eine erste Zinserhöhung vornehmen würde. Doch dann liess EZB-Präsident Mario Draghi verlauten, die Leitzinsen würden „mindestens über den Sommer 2019“ auf dem aktuellen Niveau bleiben. Im März 2019 verschob Draghi den Termin ins nächste Jahr („mindestens über das Ende 2019“), bevor er im Juli meinte, die Zinsen blieben mindestens bis Mitte 2020 auf dem heutigen Niveau – oder einem tieferen! Dieser Zusatz war neu und hat die Türe für eine Zinssenkung – sowie weitere Massnahmen – weit aufgestossen. Draghi begründete dies mit der nachlassenden Wachstumsdynamik, dem schwachen Welthandel und der in seinen Augen noch immer zu tiefen Inflation.

Ob eine Senkung der Leitzinsen um 0.1 Prozentpunkte (oder wie einige erwarten, um 0.2 Prozentpunkte) die gewünschte wachstums- und inflationsstimulierende Wirkung haben wird, ist mehr als fraglich. Sie könnte aber die SNB in die Bredouille bringen. Bleibt es seitens der EZB bei einer Senkung um 0.1 Prozentpunkte, wird die SNB die Zinsen wohl unangetastet lassen und weiterhin auf Devisenmarktinterventionen setzen. So wie sie das jüngst getan hat, als sie erstmals seit über zwei Jahren in etwas grösserem Umfang Schweizer Franken verkauft hat. Senkt die EZB die Leitzinsen hingegen tatsächlich um 0.2 Prozentpunkte, könnte sich die SNB veranlasst sehen, ebenfalls an der Zinsschraube zu drehen und den Referenzzinssatz von derzeit -0.75% weiter zu senken.

Die Fed ist schon einen Schritt weiter und hat Ende Juli die Leitzinsen gesenkt. Sie begründet dies – ähnlich wie die EZB – mit Wachstumssorgen und einer zu tiefen Teuerung. Dieser ersten Senkung könnten weitere folgen. Das scheint zwar übertrieben, doch können sich die Amerikaner dank der eingangs beschriebenen Normalisierung präventive Zinssenkungen leisten. Im Gegensatz zur EZB oder zur SNB, welche mit einer Verschärfung des Negativzinsregimes das System noch mehr strapazieren würden. Zinserhöhungen sind in weite Ferne gerückt. „Forever it takes“ ist man in Anlehnung an Draghis berühmtes „Whatever it takes“-Zitat von 2012 geneigt zu sagen. Die Fed hat die Zinsen gesenkt, die EZB wird ihr wohl folgen und die SNB könnte sich gezwungen sehen, nachzuziehen. Die Zinswende hat begonnen – allerdings nicht so, wie man sich erhofft hatte.

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