VP Bank – Spotanalyse USA: Fed schafft den Spagat

VP Bank – Spotanalyse USA: Fed schafft den Spagat
Von Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank. (Foto: VP Bank)

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Fed setzt den geldpolitischen Kurs unverändert fort.

Vaduz – US-Notenbankpräsident Jerome Powell hat derzeit einen schwierigen Job. Das Rettungspaket von Präsident Joe Biden über USD 1.9 Billionen schiebt die Wirtschaft kräftig an. Zwar ist noch nicht ganz klar, wie viel Geld davon in den privaten Konsum fliessen und wie viel gespart wird. Doch gehen auch nur Bruchteile der Gelder über die Ladentheken, reicht dies für einen ordentlichen Wachstumsimpuls. Damit bedarf es aber nicht mehr des aussergewöhnlichen geldpolitischen Stimulus der Fed. Das weiss auch Powell.

Doch die Fed muss ihren Kurs behutsam anpassen. Die Finanzmärkte reagieren nervös auf Änderungen der Geldpolitik. Die Renditen der 10jährigen Treasuries legte in den vergangenen Wochen beachtlich zu. Die Fed übte deshalb am Mittwoch einen Spagat.

Noch so kleine Signale eines baldigen Endes der ultra-expansiven Geldpolitik würden die Renditen weiter nach oben treiben. Dies könnte den Aufschwung zwar nicht abwürgen aber zumindest dämpfen. Gleichzeitig durfte sich Powell auch nicht zu pessimistisch geben. Dies würde einen zukünftigen Schwenk in Richtung Ausstieg noch schwieriger machen.

Die Fed versuchte die Brücke zu schlagen. Die Median-Projektion der Fed-Offiziellen für das Wachstum 2021 liegt nun bei beachtlichen 6.5 %. Im Dezember 2020 lag der Wert noch bei 4.2 %. Gleichzeitig wird nicht mit erhöhtem nachhaltigen Inflationsdruck gerechnet. Die Teuerungsraten werden von den Fed-Offiziellen für das laufende Jahr zwar deutlich höher als noch im Dezember veranschlagt. Doch bereits für die nachfolgenden Jahre sehen die Projektionen kaum nennenswerte Abweichungen von den Projektionen des Dezembers vor. Die Leitzinserwartungen bleiben unverändert. Bis 2023 sind basierend auf der Median-Schätzung keine höheren Zinsen zu erwarten.

Die Botschaft der US-Notenbank lautet: Ja, das Biden-Rettungspaket wird das Wachstum im laufenden Jahr kräftig anschieben, aber das bedeutet noch lange nicht, dass damit ein nachhaltiger Inflationsanstieg verbunden ist. Deshalb wird die Fed die Nach-Corona-Zeit weiterhin mit günstigem Geld absichern.

Die Fed zerstreut zumindest auf kurze Sicht die Sorgen. Hohes Wachstum bedeutet für sie noch lange nicht, dass die Leitzinsen steigen. Kein Wunder also, dass der Fed-Entscheid mit Kurszuwächsen an den Börsen goutiert wurde. (VP Bank/mc/ps)

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