CH-Schluss: SMI bleibt unter Druck – Sorgen um China und Krim

CH-Schluss: SMI bleibt unter Druck – Sorgen um China und Krim

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag zum fünften Mal in Folge an Wert eingebüsst und blieb damit im Abwärtssog gefangen. Zwar legte der Leitindex SMI kurz nach Handelsstart noch leicht zu, im Anschluss drehte er jedoch in die Verlustzone und weitete die Abgaben in der zweiten Hälfte aus. Belastend wirkten die gestiegenen Sorgen um die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft sowie die Unsicherheiten um die politisch angespannte Lage in der Ukraine. Die besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten aus den USA (Einzelhandelsumsätze, Anträge auf Arbeitslosenhilfe) gaben den Aktien keinen Halt.

Dem Markt scheine derzeit die Kraft zu fehlen, um auf neue Mehrjahreshöchstwerte zu klettern, meinten Händler. Sorgen bereite China, wo die Industrieproduktion im Februar so schwach wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr gewachsen und damit auch klar hinter den Schätzungen der Ökonomen zurückgeblieben ist. Nach den zuletzt enttäuschenden Exportdaten sprach Regierungschef Li Keqiang davon, dass Chinas Wirtschaft 2014 auch langsamer als die veranschlagten 7,5% wachsen könne. Mit Blick auf die Krise in der Ukraine steige zudem die Nervosität, hiess es weiter. Am Sonntag stimmen die Bürger der Halbinsel Krim über einen Anschluss zu Russland ab.

Zu Börsenschluss lag der Swiss Market Index (SMI) mit 1,26% im Minus bei 8’205,90 Punkten. Der gekappte Swiss Leader Index (SLI) büsste 1,24% auf 1’264,89 Punkte ein und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,16% auf 7’957,59 Punkte. Von den 30 wichtigsten Aktien schlossen am Ende 26 im Minus und je zwei im Plus beziehungsweise unverändert.

Bei den Blue Chips fielen die Aktien des Personaldienstleisters Adecco (-6,6% auf 73,40 CHF) am stärksten zurück, nachdem die Papiere am Vortag nach gut aufgenommenen Geschäftszahlen noch mit einem Plus von 4,5% als Tagessieger aus dem Handel gingen. Am Donnerstag wurden Adecco vom Rückzug des Grossaktionärs Jacobs, der sich von einem Grossteil seiner Papiere getrennt hat, belastet. Die Jacobs-Gruppe hatte 30,2 Mio Papiere zu einem Preis von 71,50 CHF pro Aktie bei Investoren platziert und reduzierte so ihren Anteil auf 2,5% von zuvor 18,4%.

Von der Ankündigung der Jacobs Holding profitierten im breiten Markt dafür Barry Callebaut (+3,6%), an der die Familie knapp die Mehrheit hält. Barry Callebaut werde der Kern der unternehmerischen Tätigkeiten der Familie sein, sagte Jacobs-Chairman und Barry-VR-Präsident Andreas Jacobs.

Im SMI/SLI gaben nebst Adecco vor allem Transocean (-5,1%) stark nach, aber auch Zykliker wie Holcim (-1,9%), Clariant, ABB oder SGS (alle -1,7%) litten unter Konjunktursorgen. Actelion büssten 1,1% ein. Das Unternehmen hat den jahrelangen Streitfall mit der japanischen Asahi definitiv verloren und muss den 2011 zurückgestellten Betrag von gut 400 Mio USD bezahlen. Die Auswirkungen auf die Rechnung 2014 halten sich aber in Grenzen.

Bei den Schwergewichten drückten die Roche-Genussscheine (-1,8%) stark auf den SMI. Eine Empfehlung aus den USA für den Cobas-HPV-Test bei Gebärmutterhalskrebs-Risiken stützte kaum. Auch Novartis (-0,7%) rutschten gegen Börsenschluss ins Minus. Zuvor liess die in Australien erhaltene Empfehlung für den Einsatz des Impfstoffes Bexsero zur Vorbeugung von Meningitis-B-Erkrankungen den Kurs leicht ansteigen.

Auf der Gewinnerseite kletterten Dufry nach Geschäftszahlen um 2,0% in die Höhe, allerdings war zuvor noch ein deutlich höheres Kursplus zu sehen. Mit den Zahlen gelang im Vergleich zu den Prognosen eine Punktlandung. Als ermutigend wurden die Fortschritte bei der Nettoverschuldung beurteilt. Zudem sahen Händler für die Titel Erholungspotential.

Im breiten Markt reagierten verschiedene Aktien unterschiedlich auf die von den Unternehmen vorgelegten Jahresergebnisse: So zogen etwa die Aktien des Lagerlogistikers Kardex (+3,8%) oder des Immobilienspezialisten Peach Property (+1,8%) an, wogegen jene des Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach (-7,7%), des Flugzeug-Caterers Gategroup (-8,5%) und des Tamedia-Verlags (-2,1%) stark nachgaben.

SHL (+3,5%) erhielten von einer Vermarktungszulassung für Smartheart in Japan Unterstützung und Bossard (+0,9%) von einem Auftrag des amerikanischen Elektrofahrzeugherstellers Tesla über 140 Mio USD. (awp/mc/upd/ps)

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