CH-Schluss: SMI klettert mit Zinshoffnungen in Richtung Allzeithoch

Boerse

Zürich – Von Zinsfantasien angetrieben ist der Schweizer Aktienmarkt am Freitag weiter in die Höhe geklettert und hat die Woche vor dem verlängerten Pfingstwochenende deutlich im Plus abgeschlossen. Dem Markt setzten die enttäuschend schwach ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten nur für kurze Zeit zu. Am Ende überwog bei den Anlegern die Hoffnung, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen mit Blick auf die konjunkturellen Unsicherheiten bald senken könnte. Am Markt war die Rede davon, dass der erhoffte Zinsschritt in den USA allenfalls bereits im Juli vollzogen werden könnte.

Das Fed hatte diese Woche erneut angedeutet, dass sie bereit steht, um die Wirtschaft vor einem Abgleiten in eine Rezession zu bewahren. Überraschend schwach präsentierte sich der Arbeitsmarkt im Mai. Die Arbeitslosenquote verharrte zwar auf dem tiefsten Stand seit beinahe 50 Jahren, gleichzeitig hatte die US-Wirtschaft aber deutlich weniger Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Das deute darauf hin, dass die Zollstreitigkeiten der Trump-Regierung auf die Wirtschaft durchschlage, kommentierte ein Händler. Immerhin verschoben die USA geplante Zollerhöhungen auf bestimmten chinesischen Waren um zwei Wochen, was an der Börse gut aufgenommen wurde.

Der Swiss Market Index (SMI) kletterte am Freitag um 0,69 Prozent auf 9’749,13 Punkte und rückte während des Handels bis auf wenige Punkte an das Anfang Mai gesetzte Allzeithoch von 9’787 Zähler heran. Mit Blick auf die gesamte Woche legte der SMI um 2,4 Prozent zu. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) zog am Freitag um 0,82 Prozent auf 1’491,40 Zähler an und der breite Swiss Performance Index (SPI) stieg um 0,69 Prozent auf 11’782,30 Zähler. 26 der 30 SLI-Titel wurden zu höheren Kursen gehandelt.

Bei den Schweizer Blue Chips standen zu Wochenschluss Titel aus dem Technologiesektor an vorderster Front. Die Aktien des österreichischen Sensorenherstellers AMS rückten mit 3,2 Prozent am stärksten in die Höhe. Die Papiere waren zuletzt wegen der Sorgen im Zusammenhang mit dem Handelsstreit wieder etwas stärker unter Druck geraten.

Nebst AMS gewannen im genannten Sektor etwa auch noch die Aktien des Bankensoftwarespezialisten Temenos (+2,4%) oder des Computerzubehörherstellers Logitech (+2,0%) kräftig an Wert. Gesucht wurden zudem Industrietitel wie jene von Sika (+2,1%), Geberit (+1,4%) oder ABB (+1,3%). Und auch Lonza (+1,5%) oder Kühne + Nagel (+1,8%) waren gefragt.

Bei den Finanzaktien schlossen Swiss Re (+1,8%) den Handel mit deutlich höheren Kursen ab. Der Rückversicherer hatte weitere, vorbereitende Schritte zum geplanten Börsengang der britischen Tochter ReAssure vorgenommen. Sollte die Transaktion zustande kommen, würden die Kassen des Rückversicherers für weitere geplante Ausschüttungen an die Aktionäre gefüllt.

Einbussen mussten dagegen die Bankenwerte Credit Suisse (-0,4%) und Julius Bär (-0,2%) hinnehmen, während UBS lediglich auf der Stelle traten. Das für Banken herausfordernde Umfeld mit einer schwächelnden Konjunktur, schwierigen Märkten und negativen Zinsen schrecke Anleger ab, hiess es.

Das Schwergewicht Novartis schwächelte während des Tages ebenfalls, es schloss den Handel am Ende aber nur mit einer leicht negativen Tendenz ab. Beim Basler Grosskonzern kommt es zu einem Managementwechsel. Pharmachef Paul Hudson geht zum französischen Konkurrenten Sanofi. Seine Nachfolge tritt die Schweizerin Marie-France Tschudin an.

Die beiden weiteren schwergewichtigen Titel Roche (+0,4%) und Nestlé (+1,1%) liessen sich von der guten Stimmung an der Börse mitreissen, wobei vor allem die Aktien des Nahrungsmittelkonzerns dem Gesamtmarkt starken Aufwind verliehen.

Am breiten Markt stachen Metall Zug hervor. Der Titel brach nach einer Gewinnwarnung um 13 Prozent ein. Gründe sind Kosten für Bodensanierungen bei einem Neubauprojekt und Probleme bei der Einführung von SAP. (awp/mc/pg)

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