CH-Schluss: SMI durch Gewinnmitnahmen und Umschichtungen gebremst

Boerse

Zürich – Nach der Rekordjagd am Vortag ist dem Schweizer Aktienmarkt am Dienstag die Luft ausgegangen. Gewinnmitnahmen sowie Umschichtungen von den defensiven Schwergewichten hin zu konjunktursensiblen Titeln belasteten den SMI. Nicht einmal das neue Rekordhoch der US-Börsen, das kurzzeitig im frühen Handel erreicht wurde, konnte den hiesigen Kursen Schub verleihen. Dabei schlug die Schweizer Börse eine andere Richtung ein als die anderen grossen Aktienmärkte Europas. Sowohl die Börsen in Frankfurt, Paris, London als auch in New York wiesen allesamt leichte Kursgewinne aus.

Allerdings blieben die Anleger trotz Spekulationen auf eine Aufhebung der gegenseitigen Strafzölle zwischen den USA und China vorsichtig. Diese hatten am Vortag noch die Aktien beflügelt. „Die Börse wartet jetzt auch auf ein Signal, dass es in China konjunkturell wieder aufwärts geht. Wir werden in den kommenden Wochen sehen, ob der blosse Waffenstillstand im Handelskonflikt mit den USA genügt, das Wachstum im Reich der Mitte wieder anzuschieben“, erklärte ein Marktteilnehmer.

Der Swiss Market Index (SMI) sank um 0,62 Prozent auf 10’272,98 Punkte. Damit notiert er wieder klar unter dem neuen Allzeithoch von 10’353,53 Zählern, das am Vortag erreicht worden war. Der die 30 wichtigsten Werte umfassende SLI verlor um 0,36 Prozent auf 1’583,66 Punkte, während der breite SPI um 0,54 Prozent auf 12’398,58 Stellen nachgab. Von den 30 wichtigsten Werten verzeichnen 14 Gewinne, 15 Verluste und einer (SGS) notierte unverändert.

Als Klötze am Bein erwiesen sich die Schwergewichte Roche (-1,5%), Novartis (-0,9%) und Nestlé (-0,9%). Es finde eine Rotation von den hervorragend gelaufenen defensiven Titeln zu den Industriewerten und Banken statt, sagte ein Händler. Auch Lonza (-2,0%), Vifor (-1,2%) und Givaudan (-1,1%) mussten Federn lassen. Ebenfalls im Minus schlossen Sonova (-0,9%).

Die Adecco-Aktien schafften indes die Wende: Beim weltgrössten Stellenvermittler hat sich auch im dritten Quartal die wirtschaftliche Abschwächung negativ auf den Geschäftsverlauf ausgewirkt. Ausserdem hat die Gruppe die US-Tochter Soliant Health für 612 Millionen Dollar verkauft. Dies drückte die Titel zunächst in den roten Bereich. Dann kamen am Nachmittag Konjunkturdaten aus Amerika, wonach sich die Stimmung der US-Dienstleister im Oktober überraschend deutlich aufgehellt hat. Der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM), der als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA gilt, legte zu. In der Folge zogen die Adecco-Aktien an und gingen mit einem Plus von 0,8 Prozent aus dem Handel.

An die Spitze der Gewinner setzten sich Kühne+Nagel (+1,5%). Dahinter setzten die Banken UBS (+1,3%), CS und Julius Bär (je +0,5%) ihren Steigflug vom Vortag fort. Swiss Life (+1,2%) waren vor ihrer Zahlenpräsentation am (morgigen) Mittwoch gesucht, während die anderen Finanzwerte indes im Minus schlossen.

Gefragt waren ebenfalls die konjunktursensiblen Schindler (+1,0%), LafargeHolcim (+0,5%) oder Sika (+0,4%). Die Luxusgüterhersteller zeigten sich uneinheitlich: Swatch konnten zulegen (+0,6%), während Richemont (-0,5%) nachgaben.

Im breiten Markt gab es teils heftige Reaktionen der Investoren auf Unternehmensergebnisse. Allen voran schossen die Lem-Titel um 7,0 Prozent nach oben. Der Elektronikkomponenten-Hersteller konnte mit dem aktuellen Geschäftsverlauf überzeugen. Dahinter verteuerten sich Dufry um 6,8 Prozent. Bei dem Reisedetailhändler ist das organische Wachstum in den ersten neun Monaten besser als erwartet ausgefallen.

Auch der Industriekonzern Oerlikon (+2,6%) liess die Investoren zugreifen. Beim Spezialitätenpharma-Unternehmen Santhera wiederum kommt es zu einem Chef-Wechsel, was am Markt mit einem Plus von 2,0 Prozent quittiert wurde.

Derweil wurde Ypsomed (-6,0%) abgestraft, weil das Unternehmen im ersten Halbjahr 2019/20 noch schwächer abgeschnitten hatte als befürchtet und den Ausblick senkte. (awp/mc/ps)

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