CH-Schluss: Nestlé-Aktien und Coronavirus bremsen SMI-Erholung

Boerse

Zürich – Die Schweizer Börse hat am Donnerstag nach einem schwächeren Verlauf zu einem Schlussspurt angesetzt und eine Spur höher geschlossen. Kurseinbussen beim Marktschwergewicht Nestlé wurden laut Händlern mit Gewinnen bei den Blue Chips Roche und Zurich aufgefangen. Die Stimmung sei allerdings etwas eingetrübt wegen der Sorge vor den wirtschaftlich negativen Folgen der Ausbreitung des Coronavirus, hiess es am Markt.

Eine neue Nachweis-Methode der chinesischen Behörden für das Coronavirus Sars-CoV-2 führte zu einem sprunghaften Anstieg bei der Zahl der neu infizierten Personen und den Todesopfern, was für neue Verunsicherung gesorgt hatte. „Diese Zahlen machen Anleger deutlich, dass die Situation völlig ungewiss ist“, kommentierte ein Händler. Die neuen Zahlen schürten die Sorgen, dass das Problem viel grösser sei als bisher angenommen. Dies dürfte wieder zu mehr Volatilität an den Märkten führen, hiess es weiter.

Der SMI schloss mit 0,03 Prozent im Plus bei 11’092,35 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Werte enthalten sind, beendete den Handel um 0,07 Prozent höher bei 1’705,51 Punkten. Dagegen schloss der umfassende SPI um 0,22 Prozent tiefer auf 13’343.87 Zählern. Im SLI standen sich 17 Verlierer und 13 Gewinner gegenüber.

Die Verunsicherung hinterliess auch Spuren am Devisenmarkt, wo der Euro zum Franken mit 1,0610 zeitweise so tief notierte, wie zuletzt im Sommer 2015. Dies verdeutliche die Zweifel der Anleger an der Fähigkeit der chinesischen Behörden, die Lage in den Griff zu bekommen, sagte ein Händler. Daher seien sichere Häfen wie der Franken gesucht.

Der stärkste Druck auf den Markt geht vom Schwergewicht Nestlé aus, dessen Aktien um 2,2 Prozent absackten. Der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern hat Markterwartungen für das organische Wachstum knapp verfehlt und die Wachstumsziele nach hinten geschoben.

Noch deutlicher fielen bei den Blue Chips nur die Logitech-Aktien. Sie stürzten nach einer Verkaufsempfehlung der UBS um 4,9 Prozent ab. Der zuständige Analyst äusserte sich besorgt über die wachsende Konkurrenz und damit verbunden um die weiteren Wachstumschancen des Computerzubehör-Herstellers.

Aus der Technologiebranche fielen noch AMS (-2,4%) zurück. Sie hatten schon zur Wochenmitte Terrain eingebüsst. Der Sensorenhersteller hatte kürzlich eigene Aktien bei Investoren platziert und will im Zusammenhang mit der Übernahme des Lichtkonzerns Osram das Kapital erhöhen.

Andere zyklische Aktien wie Kühne + Nagel (-1,4%), ABB (-1,0%) und Adecco (-0,6%) wurden ebenfalls abgestossen.

Zu den Aktien von Swatch (-0,9%) und Richemont (-0,4%) erwähnten Händler einmal mehr die Befürchtungen, dass die Ausbreitung des Coronavirus den beiden Luxusgüterkonzernen das Geschäft nicht nur in Asien erschweren dürfte.

Bei den Banken schlossen die Aktien der UBS (-0,2%) und von Julius Bär (-1,1%) im Minus. Dagegen konnten sich Credit Suisse von einem schwachen Frühhandel erholen und den Handel mit einem Gewinn von 0,2 Prozent beenden. Die zweitgrösste Schweizer Bank hat ihr Ergebnis im vierten Quartal zwar gesteigert, aber die Erwartungen der Analysten trotzdem verfehlt. Am Markt hatte man sich von der Abschiedsvorstellung des scheidenden CEO Tidjane Thiam mehr erhofft.

Die anderen drei Blue Chips mit Zahlenvorlage schlossen den Handel mit stattlichen Gewinnen. Bei Clariant (+4,0%) kamen bei den Investoren die angekündigten Kostensenkungsmassnahmen gut an.

Der Bankensoftware-Spezialist Temenos (+1,9%) punktete nach einem enttäuschenden 3 Quartal mit einem erfreulichen Schlussquartal 2019.

Beim Versicherer Zurich-Aktien (+1,8%) hätten sich die Anleger vor allem an der Dividendenerhöhung und weniger an den wenig überraschenden Zahlen erfreut, hiess es zur Begründung.

Als starke Marktstütze erwiesen sich die Genussscheine von Roche (+1,7%). Novartis hinkten mit +0,2 Prozent hinterher.

Im breiten Markt sackten Meyer Burger (-5,4%) wegen eines Umsatzeinbruchs deutlich ab.

Dagegen schossen Bell (+6,2%) deutlich nach oben. Der Fleischverarbeiter hat 2019 operative Fortschritte verzeichnet und konnte ein Verlustgeschäft abstossen. (awp/mc/ps)

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