CH-Schluss: SMI legt zu – Anleger vor Berichtssaison vorsichtig

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat nach der schwachen Vorwoche am Montag Boden gefunden und fester geschlossen. Händler sprachen von einer Stabilisierung. Das Geschäft verlief in ruhigen Bahnen. „Es sind Sommerferien, viele Anleger sind gar nicht da“, sagte ein Händler. Unterstützung gab es aus den USA von der Konjunkturseite, wo sich die Stimmung in der Industrie im US-Bundesstaat New York im Juli wieder ein Stück weit vom herben Einbruch im Vormonat erholt hat. Zudem setzten die Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche nach der jüngsten Schwäche zu einer Erholung an.

Vor der nun aber an Fahrt gewinnenden Berichtsaison verhielten sich die Anleger vorsichtig. Nach den jüngsten Hiobsbotschaften europäischer Branchengrössen sei die Nervosität der Anleger gestiegen. Mit Spannung warteten sie auf den Start des Zahlenreigens. Die Gesamtheit der Analysten rechne bei den im S&P 500 Index repräsentierten Unternehmen mit einem Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahr, schrieb die Graubündner Kantonalbank in einem Kommentar. „Nur wenn die Unternehmensgewinne ansteigen, haben auch die Aktienmärkte wieder stärkeres Kurspotential.“ Ein abruptes Ende des Aufwärtstrends am Aktienmarkt zeichne sich aktuell jedoch nicht ab.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss mit 9’808,58 Punkten um 0,47 Prozent höher. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) legte 0,37 Prozent auf 1’512,30 Zähler zu und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,48 Prozent auf 11’894,53 Punkte. 23 der 30 wichtigsten Aktien rückten vor und 7 wichen zurück.

Citigroup eröffnete den Zahlenreigen vor Börsenstart in den USA und legte ein unerwartet kräftiges Gewinnplus vor. In dieser Woche stehen nun noch die Geldhäuser JPMorgan, Goldman Sachs, Wells Fargo und Bank of America auf dem Programm. Ihre Zahlen dürften einen ersten Eindruck geben, was möglicherweise auch hierzulande zu erwarten ist. Zudem werden auch die US-Grosskonzerne Johnson & Johnson, IBM und Netflix sowie viele andere ihre Ergebnisse veröffentlichen.

Von den Citi-Zahlen zeigten sich die hiesigen Banken aber wenig beeindruckt. UBS (-0,6%) seien von einem negativen Analystenkommentar der Mediobanca gebremst worden, hiess es. Die italienische Grossbank hatte den Titel laut Händlern zum Verkauf empfohlen. Credit Suisse legten dagegen um 0,2 Prozent zu. Julius Bär gewannen 0,9 Prozent.

Die stärksten Gewinne verbuchten die in der Vorwoche stark gefallenen Aktien des Pharmaherstellers Vifor (+2,5%) und des Pharmazulieferers Lonza (+1,3%).

Marktstützen waren aber die schwergewichtigen Titel der Pharmariesen Novartis (+0,7%) und Roche (+0,6%) und des Lebensmittelherstellers Nestlé (0,9%). Sie holten einen Teil der Vorwocheneinbussen auf. Die Pharmatitel hatten unter den laufenden Diskussionen über die Medikamentenpreise in den USA gelitten. Bei Goldman Sachs heisst es in einem aktuellen Kommentar, die aktuelle Diskussion zeige, dass keines der politischen Lager derzeit eine passable Lösung bereit habe.

Auf der Gewinnerliste standen zudem Zykliker wie SGS, Temenos, ABB und Geberit mit Kursgewinnen von bis zu gut einem Prozent. Sika (+0,6%) und Clariant (+0,4%) setzten nach der schwachen Vorwoche zu einer Gegenbewegung an. Sie waren im Zuge einer Gewinnwarnung des deutschen Chemiekonzerns BASF unter Druck geraten.

Schwächer tendierten die Luxusgüterhersteller Swatch (-0,3%) und Richemont (-0,8%), die einen erheblichen Teil nach Asien exportieren. Ihre Halbjahresberichte werden im Laufe der Woche erwartet.

Die Versicherungspapiere tendierten freundlich. Zurich stiegen um 0,5 Prozent. Zurückhaltung war dagegen bei Swiss Re (unver.) angesagt. Der Kurs des Rückversicherers war im Zusammenhang mit der Verschiebung des geplanten Börsengangs der britischen Tochter ReAssure in der vergangenen Woche deutlich gefallen.

Swiss Life gewannen 0,8 Prozent. Patrick Frost, Chef des Lebensversicherers, sagte gegenüber AWP, die Nachfrage nach Vollversicherungen sei ungebrochen.

Die auf alternative Anlagen spezialisierte Partners Group gewann am Tag vor dem Zwischenbericht 0,5 Prozent an Wert.

Im breiten Markt fielen VP Bank (+3,3%) und die LLB (+1,6%) mit Kursgewinnen auf, nachdem beide ein starkes erstes Halbjahr in Aussicht gestellt hatten.

Hochdorf (-7,2%) setzten die Talfahrt fort und verbuchten mit 78,80 Franken vorübergehend ein neues Mehrjahrestief. Händler verwiesen auf den Geldberater in der „SonntagsZeitung“, der zum Verkauf dieser sich seit längerem in einem Abwärtstrend befindenden Aktien des Milchverarbeiters geraten hatte. (awp/mc/ps)

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