CH-Schluss: Klare Gewinne dank Nestlé

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt ist am Freitag mit Gewinnen ins neue Jahr gestartet, getrieben insbesondere von den starken Nestlé. Am ersten Handelstag von 2020 verhinderte allerdings ein US-Raketenangriff im Irak auf einen ranghohen iranischen General eine noch grössere Aufholjagd des SMI, nachdem die meisten anderen Börsen schon am Vortag wegen der Hoffnung auf ein baldiges Handelsabkommen der USA mit China mit kräftigen Kursgewinnen ins neue Börsenjahr gestartet waren. Der SMI schlug sich nach Ansicht von Händlern aber im Vergleich zu anderen Märkten, die zum Teil mehr als ihre Vortagesgewinne wieder hergaben, ganz wacker.

Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei kündigte nach dem Anschlag schwere Vergeltung für die Tötung des Generals an. Dies schürte Spekulationen auf eine militärische Eskalation am Persischen Golf, der eine Hauptschlagader für die Ölversorgung ist. «Solche Ereignisse verunsichern die Märkte jeweils stark, wenn auch nur vorübergehend», sagte ein Händler. Üblicherweise hätten politische Börsen ja kurze Beine. Der Ölpreis reagierte nicht unerwartet mit einem kräftigen Anstieg.

Der Leitindex SMI schloss um 0,78 Prozent höher bei 10’699,82 Punkten, nachdem er noch am Mittag im Minus gelegen hatte. Der die 30 wichtigsten Werte beinhaltende SLI legte um 0,68 Prozent auf 1’644,16 Punkte zu und der breite SPI um 0,79 Prozent auf 12’938,67 Punkte. Am Ende standen 23 Gewinner sieben Verlierern gegenüber.

Am vergangenen Montag, der letzten Sitzung von 2019, hatte der Leitindex SMI um 1,06 Prozent nachgegeben. Insgesamt hatte er aber das Jahr mit einem Plus von gut 26 Prozent beendet.

Am ersten Handelstag von 2020 waren angesichts der politischen Spannungen im Persischen Golf von den defensiven Werten insbesondere Nestlé (+1,5%) gefragt, die mehr als die Hälfte des SMI-Anstiegs ausmachten. Der Nahrungsmittelkonzern hat am heutigen Freitag ein weiteres Aktienrückkaufprogramm von 20 Milliarden Franken bis 2022 gestartet. Die anderen beiden Schwergewichte Roche (+0,7%) und Novartis (+0,4%) hinkten den Nestlé-Titeln deutlich hinterher.

Zu den Gewinnern gehörten auch Zurich (+1,3%), Alcon (+1,2%) und Givaudan (+0,8%). Weit vorne zu finden waren zudem die Aktien des Liftherstellers Schindler (+1,3%), der von einer Entspannung im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit profitieren würde.

Bei den Finanzinstituten hielten sich UBS (+1,2%) und Partners Group (+1,2%) deutlich besser als CS (+0,4%). Dabei will die CS nach Abschluss des Aktienrückkaufprogramms 2020 ein weiteres über mindestens eine Milliarde Franken lancieren.

Dagegen tauchten Julius Bär (-0,3%) gar in die Minuszone. Allerdings waren die Titel mit einem Plus von mehr als 40 Prozent einer der grossen Gewinner von 2019 gewesen.

Die grössten Einbussen im SMI/SLI mussten Clariant (-0,9%) hinnehmen vor den ebenfalls konjunkturabhängigen Adecco (-0,7%) und AMS (-0,6%). Die Anteile des österreichischen Sensorherstellers haben 2019 im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Osram immer wieder an Kurswert eingebüsst. Nun könnte sich die Firma wegen der geringen Akzeptanz des Osram-Angebots – AMS wurden weniger als 60 Prozent der Aktien angedient – laut Händlern gezwungen sehen, für die am Markt ohnehin schon als teuer eingestufte Transaktion noch tiefer in die Tasche greifen zu müssen. Am Markt werde vermutet, dass Hedgefonds ein höheres Übernahmeangebot für ihre Osram-Aktien erzwingen könnten.

Am breiten Markt wiesen Schmolz+Bickenbach (-4,8%) die höchsten Verluste aus. Der in Geldnot steckende Stahlhersteller setzt damit die Talfahrt von 2019 fort. Auch um Meyer Burger (-3,7%) und Feintool (-3,6%), die bereits im vergangenen Jahr schlecht gelaufen waren, machten die Anleger einen Bogen.

Die Sunrise-Titel legten indes zu (+0,8%), nachdem es zum Rücktritt der gesamten Führungsriege kommt. Wegen des gescheiteren UPC-Kaufs nehmen Konzernchef Olaf Swantee, Verwaltungsratspräsident Peter Kurer und Vizepräsident Peter Schöpfer den Hut. Zum neuen Konzernchef wurde der bisherige Finanzchef André Krause ernannt. Sunrise-Grossaktionär Freenet, der den Widerstand gegen den UPC-Deal angeführt hatte, begrüsste die Ernennung von Krause. (awp/mc/ps)

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