Europa-Schluss: Verluste – Technologiewerte unter Druck

Boerse
(Adobe Stock)

Paris / London – Europas wichtigste Aktienmärkte haben am Dienstag wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Die sich verfestigende Erwartung steigender Zinsen vor allem in den USA drückte auf die Stimmung. Bei steigenden Anleiherenditen verlieren Aktien als risikoreiches Investment an Attraktivität. Zudem können steigende Kapitalmarktzinsen die Profitabilität von Unternehmen belasten, beispielsweise bei der Kreditaufnahme. Vor allem Aktien von Technologiefirmen gelten als zinssensibel.

Der EuroStoxx 50 als Leitindex für die Eurozone fiel um 1,03 Prozent auf 4257,82 Punkte. In Paris gab der Cac 40 um 0,94 Prozent auf 7133,83 Punkte nach. Der Londoner FTSE 100 hielt sich mit minus 0,63 Prozent auf 7563,55 Punkte ein wenig besser.

«Die Inflation und die jüngste Covid-Welle könnten ihren Höhepunkt fast erreicht haben», schrieb Chefinvestor Chris Iggo von AXA Investment Managers. «Erst wenn beide Wellen abklingen, dürfte sich das Vertrauen der Anleger verbessern, aber 2022 wird herausfordernd bleiben.»

Deutliche Verluste verzeichneten zuletzt stark gelaufene Einzelwerte. «Vor allem auf Wachstum in der Zukunft ausgerichtete Unternehmen stehen bei den Anlegern zur Disposition, da sich mit steigenden Zinsen ihre Finanzierungsbedingungen verschlechtern und ihre ohnehin schon hohen Bewertungen an der Börse noch weiter steigen», begründete Marktstratege Robert Molnar von RoboMarkets die Abgaben. Entlastung könne allenfalls eine starke Saison der Quartalsberichte dieser Unternehmen bringen.

An der Spitze der Verlierer standen denn auch die hoch bewerteten Technologietitel . Auch der Sektor der Industriewerte verzeichnete überdurchschnittliche Verluste. Hier waren es Schneider Electric und Siemens, die jeweils mehr als zwei Prozent verloren. Beide Aktien hatten nach den Corona-Tiefs im Jahr 2020 stark zugelegt.

Auf der Gewinnerseite standen die Ölwerte. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent war auf den höchsten Stand seit 2014 gestiegen. Zudem hatte die Investmentbank HSBC die Kursziele zahlreicher grosser Ölwerte angehoben. Gut schlugen sich auch Telekomaktien, die von ihrer vergleichsweise konjunkturunabhängigen Ausrichtung profitierten. Hier stiegen BT Group um gut drei Prozent nach einer Empfehlung von Goldman Sachs.

Die Aktien des Schokoladenherstellers Lindt & Sprüngli büssten rund drei Prozent ein. Auch gute Geschäftszahlen konnten den Kurs letztlich nicht stützen. Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2021 um 14,2 Prozent auf 4,6 Milliarden Franken (rund 4,4 Mrd Euro). Damit wurde nicht nur die Lücke aus dem ersten Pandemiejahr wettgemacht, das Ergebnis lag auch über dem bereits guten Resultat von 2019. (awp/mc/ps)

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