SMI Rückblick 2017: Aktien rücken nach zweijähriger Durststrecke wieder vor

SMI Rückblick 2017: Aktien rücken nach zweijähriger Durststrecke wieder vor

Zürich – Wer für 2017 auf eine positive Entwicklung der Schweizer Aktien gesetzt hat, wurde belohnt. Die Kurse zogen praktisch über das ganze Jahr stetig an und erreichten per Ende Jahr ein Plus klar im zweistelligen Prozentbereich. Per Saldo leicht negativ entwickelte sich der Leitindex SMI lediglich in den Monaten Juni und August. Dabei schnitten wie im Vorjahr die Aktien aus dem breiten Markt insgesamt besser ab als die Bluechips.

Etwas gebremst wurden letztere von den drei Schwergewichten Nestlé, Novartis und Roche; denn trotz der mittlerweile auch im SMI leicht beschränkten Gewichtung, machen diese noch immer über 50% der gesamten Börsenkapitalisierung aus. Getragen wurde das positive Börsensentiment von der weltweit gut laufenden Wirtschaft und der trotz weiterer Zinsschritte der amerikanischen Notenbank Fed anhaltend expansiven Geldpolitik. Und in der Schweiz hat der Franken, der sich insbesondere zum Euro abgeschwächt hat, zusätzlich geholfen.

Der SMI kletterte per Ende Jahr gut 14% nach oben auf knapp 9400 Punkte (Stand Freitag 15 Uhr), bereinigt um die Dividendenabgänge (SMIC) lag das Plus gar bei 18%. Im Vergleich dazu hatte der wichtigste Schweizer Index 2016 um 7% nachgegeben und 2015 lediglich eine rote Null erreicht. Die Spannweite zwischen dem bereits im Januar markierten Jahrestief und dem Jahreshoch vom Dezember von knapp 1’300 Punkten war vergleichbar mit dem Vorjahr. Das Jahreshoch wurde kurz vor Weihnachten bei 9’469 markiert und liegt nicht mehr weit vom Allzeithoch aus dem Jahr 2007 (9’548) entfernt.

Wie eingangs erwähnt schnitt der breite SPI, bei dem die Dividenden miteingerechnet sind, mit einem Jahresplus von rund 20% (VJ -1,5%) in den Bereich von 10’750 Punkten noch besser ab.

CH-Aktien halten im internationalen Vergleich mit
Im internationalen Vergleich schlugen sich die hiesigen Aktien zwar nicht hervorragend, aber auch nicht schlecht. So zog in den USA der Dow Jones um rund ein Viertel und der Technologieindex Nasdaq um knapp 30% an. Die Performance des Nikkei in Japan war mit einem Plus von knapp 20% derjenigen des nicht dividendenbereinigten SMI ähnlich. Klar schwächer schlossen dagegen der deutsche Dax (+13%) oder der von den „Brexit-Wirren“ belastete FTSE in London (+7%) ab.

Politisch gesehen hielt der neue amerikanische Präsident Donald Trump mit seiner Sprunghaftigkeit das Rad am Laufen, während in Europa die Brexitverhandlungen sowie die Wahlen in Frankreich und in Deutschland im Mittelpunkt standen. Auch die politischen Aktivitäten von Putin in Russland und von Erdogan in der Türkei, der weiterhin ungelöste Syrienkonflikt oder die steigenden Spannungen zwischen den USA und Nordkorea sorgten zwischendurch für etwas Unsicherheit. Insgesamt blieben die Aktienmärkte aber auch 2017 gegenüber politischen Turbulenzen weitgehend immun.

Auf wirtschaftlicher Ebene dominiert(e) weiterhin die noch immer expansive Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken. Trotz weiterer Zinserhöhungen durch das Fed ist die Geldpolitik in den USA nämlich weiterhin sehr locker. Und in Europa drehen sich die Diskussionen erst darum, wann mit einem Abbau der Anleihekäufe begonnen werden sollte. Ein Abrücken von den Negativzinsen scheint dagegen noch weit entfernt, was auch den Spielraum der Schweizerischen Nationalbank (SNB) einschränkt.

Lonza schlagen bei Bluechips alle
Mit Blick auf die Entwicklung der 30 wichtigsten Aktien des SMI/SLI sticht insbesondere der Chemiesektor ins Auge. Mit einem Plus von gut 61% belegen Lonza, welche im Mai für die von Johnson&Johnson aufgekaufte Actelion in den SMI nachrückten, Platz 1 in der Rangliste. Dicht dahinter folgen Sika und Clariant, welche um jeweils knapp 60% in die Höhe schossen. Sika ersetzten erst im vergangenen Mai im SMI Syngenta (Übernahme durch ChemChina).

Während sich bei Lonza und Sika – hier scheint der Zwist um den von der Gründerfamilie geplanten Verkauf der Kontrollmehrheit an Saint-Gobain zumindest operativ kaum Spuren zu hinterlassen – die positive Entwicklung der beiden Vorjahre noch beschleunigte, profitierten Clariant nach zwei Jahren der Stagnation von Übernahmespekulationen (Huntsmann), operativen Verbesserungen oder der sich beschleunigenden Konjunktur.

Partners Group landeten in der Jahresrangliste mit einem Plus von 40% auf Rang vier und Logitech mit einem solchen von rund 30% Platz sieben. Im Bereich von +30% oder etwas mehr liegen auch die Avancen von Richemont, Julius Bär und CS.

Roche fallen ab
Dass der Gesamtmarkt nicht noch besser abgeschnitten hat, liegt an den Schwergewichten. Während Nestlé seit Ende letzten Jahres immerhin um gut 14% teurer wurden und damit im Rahmen des Marktes abschnitten, hinkten Novartis (+11%) und vor allem Roche (+6%) der Entwicklung hinterher. Die beiden einzigen Aktien mit einem negativen Jahressaldo unter den Top 30 waren derweil diejenigen des Rückversicherers Swiss Re (-5%) und des krisengeschüttelten Backwarenkonzerns Aryzta (-14%). Eher Mühe hatten auch die Industrietitel LafargeHolcim (+2%) oder Geberit (+5%).

Wer aber richtig Geld verdienen wollte, musste auf Aktien aus dem breiten Markt setzen. Herausragend waren hier die Titel des österreichischen Chipherstellers AMS mit einem sagenhaften Plus von 208% (Stand per 28.12.). Auch auch die Papiere des Solarzulieferers Meyer Burger, der letztes Jahr knapp am Konkurs vorbeischrammte, waren 2017 mit +146% ein absoluter Highflyer.

Ebenfalls mehr als verdoppelt hat seinen Einsatz, wer zu Beginn des Jahres auf die Aktien von Von Roll, SNB, Orascom und Cicor gewettet hatte. Viel Geld zu verdienen gab es überdies bei kleineren Industrieunternehmen wie Tornos (+95%), Dottikon ES (+86%), Bobst (+84%), Lem (+76%) oder VAT (+70%). Im Finanzbereich fielen Leonteq (+86%), Temenos (+77%) oder EFG (+68%) besonders auf.

Massive Verluste im Bereich von 30 bis 50% erlitt der Investor hingegen mit Engagements in kleinere Unternehmen aus dem Gesundheits- und Pharmabereich wie Evolva, Newron, Kuros und Santhera. (awp/mc/ps)

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