US-Schluss: Anleger machen nach Rekordjagd Kasse

Boerse

New York – Nach immer neuen Rekordhochs an der Wall Street vergangene Woche haben die Anleger am Montag einen Teil der Kursgewinne versilbert. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial sank letztlich um 0,29 Prozent auf 31’008,69 Punkte. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,66 Prozent auf 3799,61 Zähler bergab und der technologielastige Nasdaq 100 verlor deutliche 1,55 Prozent auf 12’902,49 Punkte.

Einen Anlass für die Gewinnmitnahmen lieferten auch die jüngsten Nachrichten zu Corona: In den USA steigen die Infektionszahlen und Todesfälle weiter, während die Impfungen erst begonnen haben. Ebenfalls für Unruhe sorgten die Amtsenthebungsbemühungen der Demokraten gegen den scheidenden US-Präsidenten Donald Trump – sie werfen ihm vor, seine Anhänger Mitte vergangener Woche zur Erstürmung des Parlaments aufgestachelt zu haben.

Unter den Einzelwerten stachen die Aktien von Eli Lilly mit einem Kurssprung von fast zwölf Prozent und einem Rekordhoch heraus. Nach Angaben des Pharmakonzerns konnte sein Alzheimer-Medikament Donanemab 18 Monate nach der Einnahme die Abnahme der kognitiven Leistung der Testkandidaten um knapp ein Drittel verlangsamen verglichen mit Menschen, denen Placebo-Produkte verabreicht worden waren.

Bei Biontech konnten sich die Aktionäre dank eines Kursanstieg von achteinhalb Prozent über eine weitere Erholung der Aktie freuen. Das Mainzer Unternehmen und sein US-Partner Pfizer stellten mit zwei Milliarden Dosen für das laufende Jahr eine deutlich höhere Produktion von Corona-Impfdosen als bisher in Aussicht, wie aus Unterlagen von Biontech an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. Papiere des US-Konkurrenten Moderna gewannen vier Prozent.

Dagegen ging es für Curecav-Titel nach der jüngsten Erholung wieder um fast fünf Prozent bergab. Die EU-Kommission will Europaabgeordneten Einblick in den Liefervertrag mit dem Impfstoffhersteller geben. Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides entsprach damit Forderungen aus dem Parlament. Der Grünen-Abgeordnete Rasmus Andresen äusserte die Erwartung, dass weitere Verträge offengelegt würden. Die sechs EU-Verträge mit Herstellern von Corona-Impfstoffen sind bisher vertraulich, weil sie Geschäftsgeheimnisse enthalten.

Twitter-Papiere sackten um knapp sechseinhalb Prozent ab. Der Kurznachrichtendienst hatte den sehr populären Account des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump dauerhaft gesperrt. Twitter nannte als Grund «das Risiko einer weiteren Anstiftung zur Gewalt». Kritiker werfen Trump vor, seine Anhänger unter anderem über Twitter bei einer Kundgebung zum Sturm auf das Kapitol angestiftet zu haben. Auch Facebook sperrte in Reaktion auf die Ereignisse Trumps Account in dem Online-Netzwerk, dessen Papiere daraufhin vier Prozent verloren.

Kursabschläge von jeweils mehr als zwei Prozent verzeichneten die Anteilscheine der Internet-Giganten Apple, Alphabet und Amazon. Nach dem Sturm auf das Kapitol stellte Amazon als technischer Dienstleister die Zusammenarbeit mit der bei Trump-Anhängern beliebten Twitter-Alternative Parler ein, was zu einem Ausfall des Dienstes führte – daraufhin verklagte Parler Amazon. Bereits vergangene Woche hatten Apple und die Alphabet-Tochter Google die Parler-App unter Hinweis auf die fehlende Inhalte-Regulierung aus ihren App Stores verbannt. Sie konnte damit nicht mehr neu auf die Smartphones geladen werden, funktionierte aber noch.

Auch die Rekordjagd von Tesla war zu Wochenbeginn erst einmal gestoppt: Die Papiere des Elektroautobauers fielen als einer der grössten Nasdaq-100-Verlierer um nahezu acht Prozent, nachdem sie am Freitag mit einem weiteren Kurssprung von fast acht Prozent ihren Höhenflug fortgesetzt hatten.

Boeing-Titel zählten mit einem Minus von anderthalb Prozent zu den schwächsten Dow-Werten, nachdem eine Maschine des Typs 737 in Indonesien abgestürzt war. Zwar handelte es sich dabei nicht um den Unglücksjet 737 Max, der mit zwei Abstürzen und Hunderten Todesopfern traurige Berühmtheit erlangt hatte. Dennoch werfe der aktuelle Absturz Fragen auf, sagte ein Experte.

Der Eurokurs setzte die jüngste Talfahrt nach dem vorangegangenen Höhenflug fort und kostete in New York zuletzt 1,2156 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,2163 (Freitag: 1,2250) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,8222 (0,8163) Euro gekostet.

US-Staatsanleihen erlitten nach einer anfänglichen Stabilisierung weitere Verluste: Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) sank um 0,16 Prozent auf 136,37 Punkte zu. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe stieg im Gegenzug auf 1,14 Prozent. (awp/mc/ps)

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