ZEW-Konjunktur-Erwartungen steigen überraschend

Wolfgang Franz

 ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Mannheim – Die Konjunkturzuversicht deutscher Finanzexperten hat sich im Dezember überraschend aufgehellt. Die ZEW-Konjunkturerwartungen seien um 1,4 Punkte auf minus 53,8 Zähler geklettert, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mit. Von dpa-AFX befragte Volkswirte hatten hingegen mit einem Rückgang auf minus 55,4 Punkte gerechnet. Zuvor waren die Erwartungen neuen Monate in Folge gesunken.

Die Lagebeurteilung gab hingegen weiter nach. Sie sank um 7,4 Punkte auf 26,8 Zähler. Volkswirte hatten mit 31,0 Punkten gerechnet.

Bodenbildung offenbar erreicht
Mit dem aktuellen Wert befinden sich die ZEW-Konjunkturerwartungen nach wie vor unter ihrem historischen Mittelwert von 24,6 Punkten. «Bei den Konjunkturerwartungen scheint die Bodenbildung erreicht worden zu sein», sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. «Die Finanzmarktexperten rechnen offenbar mit einer geringeren Wirtschaftsdynamik, aber nicht mit einem Absturz der deutschen Wirtschaft im nächsten halben Jahr.»

Positive Einflüsse der Beschlüsse des EU-Gipfels?
Laut Franz könnten auch die Beschlüsse vom jüngsten EU-Gipfel die Erwartungen positiv beeinflusst haben. «Vorbehaltlich wichtiger Details sind sie ein wichtiger Schritt hin zu einem funktionierenden Ordnungsrahmen für die Währungsunion.»

Keine erhöhte Abwärtsdynamik zu erwarten
Die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) werteten die neuen Ergebnisse als Beleg, dass nicht mit einer abermals erhöhten konjunkturellen Abwärtsdynamik zu rechnen sei. «Entwarnung kann allerdings noch nicht gegeben werden», schreibt die Bank in einem Kurzkommentar. So sei das Niveau der Kennzahl weiter sehr niedrig. Die Sorgen angesichts der Schuldenkrise hielten an, was in einer abermals ungünstigeren Lagebeurteilung zum Ausdruck komme.

Für den Euroraum ergibt sich ein ähnliches Bild wie für Deutschland. Hier verbesserten sich die Konjunkturerwartungen im Dezember zum Vormonat um 5,0 Punkte auf minus 54,1 Zähler. Die Lageeinschätzung sank hingegen um 4,3 Punkte auf minus 44,1 Zähler. (awp/mc/pg)

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