CH-Verlauf: Weiter im Minus – OC Oerlikon etwas erholt

So hatten in den USA vor allem die Finanzwerte wegen erneuter schlechter Nachrichten (JPMorgan, Goldman Sachs) trotz einer weiteren Entspannung am Ölmarkt deutlich im Minus geschlossen. Asien zog dann mit einer negativen Performance nach, der Nikkei-225-Index etwa verlor 2,1%.


Hierzulande stehen bei den Blue Chips neben den Finanzwerten vor allem ZFS und Swisscom nach Halbjahreszahlen sowie OC Oerlikon nach einer Gewinnwarnung im Fokus. Letztere erlitten in der Anfangsphase Kursverluste von rund 10%.


Das Blue Chips Barometer (SMI) verliert bis 11.45 Uhr 43,01 Punkte bzw. 0,59% auf den Stand von 7’258,83 Punkten. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) büsst derweil 0,97% auf 1’083,29 Punkte ein, der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,57% auf 6’067,11.


Nicht überraschend stehen nach dem schwachen Abschneiden der US-Finanzwerte gestern an der Wallstreet auch die hiesigen Banken heute unter Druck. Derzeit stehen die Abgaben der UBS bei deutlichen 4,9% auf 21,52 CHF, bei der Credit Suisse sind es 3,6% auf 52,85 CHF; zu Beginn der Sitzung lagen die Verluste im Bereich von 2-3%. Die gestrigen News der UBS zur Restrukturierung wird weiter «verdaut», wobei im Nachgang dazu diverse Institute (u.a. Lehman Brothers, Deutsche Bank, Sal. Oppenheim, Unicredit) ihre Kursziel gesenkt haben. Diese liegen aber bei allen – zum Teil deutlich – über dem gegenwärtigen Stand der UBS-Aktie. Etwas besser halten sich unter den Banken Julius Bär (-1,5% auf 70,15 CHF).


Ein kleines «Blutbad» fand in der Anfangsphase bei OC Oerlikon statt mit einem Minus von über 10%, derzeit verliert das Papier noch 6,6% auf 260 CHF (Tagestief bisher 246,70 CHF). Der Technologiekonzern hat vorbörslich eine Gewinnwarnung sowie Goodwillabschreibungen in der Grössenordnung von 350 Mio CHF verkündet. Analysten zeigen sich in ersten Kommentaren nicht von der Prognosereduktion an sich, sondern vielmehr von deren Ausmass überrascht. Die Nachfrageabschwächung in den Bereichen Textile und Semiconductor sei dem Markt grundsätzlich bewusst gewesen, heisst es. Die Bank Vontobel hat bereits darauf reagiert und das Kursziel auf 340 (von 420) CHF gesenkt, hält aber ihre «BUY»-Bewertung bei.


Relativ wenig Furore machen die Aktien von ZFS (-1,9% auf 281,50 CHF) und Swisscom (-1,5% auf 355 CHF) nach Halbjahreszahlen. Die ZFS-Zahlen auf Gewinnstufe werden als im Rahmen der Erwartungen bis leicht darüber bezeichnet. Positiv sei ausserdem, dass es weiterhin keine Subprime-Anlagen gebe beim Versicherer. Analysten bezeichnen die Zahlen auf den ersten Blick als von guter Qualität, aber bis zu einem gewissen Grad auch als unspektakulär. Da die Aktie in den letzten Tagen ziemlich gut gelaufen sei, komme es jetzt zu einigen Gewinnmitnahmen, so ein Händler.


Die Halbjahreszahlen von Swisscom lagen auf Stufe Umsatz, EBITDA und EBIT über den Erwartungen, beim Reingewinn aber darunter. Eine vorzeitige Auflösung von rund 75% der langfristigen Leasingvereinbarungen für Teile der Festnetz- und Mobilfunknetzanlagen habe den Reingewinn um 99 Mio CHF reduziert, hiess es dazu. Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte das Unternehmen aber die im Mai genannten Prognosen. Analysten bezeichnen die von Swisscom vorgelegten Halbjahreszahlen als insgesamt solide.


An der Spitze bei den Blue Chips stehen Syngenta (+2,2% auf 286,75 CHF) und Geberit (+1,9% auf 154,30 CHF). Letztere profitieren dabei von einer Höherstufung durch die ZKB auf «Übergewichten». Die defensiven Schwergewichte Roche (+1,0% auf 187,30 CHF), Novartis (+0,9% auf 62,45 CHF) und Nestlé (-0,1% auf 49,76 CHF) halten sich alle relativ gut und bewegen sich im oberen Drittel der Rangliste.


Im breiten Markt haben diverse Small- und Midcaps ihre Halbjahreszahlen vorgelegt. Aufgefallen ist dabei vor allem Rieter mit einem Personalabbau von 15% sowie damit zusammenhängenden Kosten von 225 Mio CHF. Die Titel stehen nach anfänglichen Verluste derzeit 2,2% im Plus. Das Ergebnis scheine auf den ersten Blick «desaströs», heisst es etwa bei der Bank Wegelin, lasse man jedoch die bereits verbuchten Sonderkosten weg, sei das operative Ergebnis nicht so dramatisch. Grosser Gewinner unter den Smallcaps mit Zahlen ist das israelische Medtechunternehmen SHL, deren Aktien über 8% zulegen.


Ein knappes Plus von 0,1% schafft zudem noch Valiant, während die Branchenkollegen von Vontobel 2,2% einbüssen. Tecan und Schweiter verlieren nach Zahlen je 0,7%. Schulthess (+4,3%) profitieren von einer Hochstufung durch Merrill Lynch. (awp/mc/pg/16)

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