Golf-Emirate: Aktienmärkte im freien Fall, Zentralbank reagiert

von Gérard Al-Fil
Am Sonntag reagierte die Emirate-Zentralbank: sie räumte den Banken im Inland eine Liquiditätsgarantie ein. Demnach wird die UAE Central Bank einen Fonds einrichten, der allen 24 inländischen und 28 ausländischen Geldhäusern in dem Golfstaat Liquidität bereitstellt, die zu einem Satz bei 50 Basispunkte über dem landesüblichen Interbankenzinssatz EIBOR angefordert werden kann. «Die Initiative der Zentralbank dürfte nur den Anfang einer Reihe von Massnahmen zur Stützung des Emirats Dubai markieren», sagt Fahd Iqbal, Vice President Equity Research bei der Investmentbank EFG Hermes in Dubai auf Anfrage von Moneycab.

 
Kurssturz an den Börsen
Der Dubai Financial Market DFM fiel am Montag um 7,30 Prozent auf 1,940.36 Punkte. Die Abu Dhabi Securities Exchange ADX schloss 8,31 Prozent tiefer bei 2,668.23 Zählern. An der Nasdaq Dubai gaben Papiere von Dubai Ports (DP) World, weltweit die viertgrösste Hafenbetreiberin, um 14,88 Prozent nach. DP World, die auch zur staatlichen Dubai World gehört, würde von der Schuldenrestrukturierung ausgenommen, teilte die Regierung in Dubai mit. Allerdings waren die Handelsumsätze an allen drei Märkten sehr dünn, da am 2. Dezember die VAE ihren Nationalfeiertag begehen und die Märkte erst wieder am 6. Dezember öffnen.

 

Ein Islamic Bond (Sukuk) der Dubai World-Tochter Nakheel mit Fälligkeit 14. Dezember und 3,5 Mrd. Dollar ist an der Nasdaq Dubai kotiert. Auf deren Homepage hat Nakheel, Erbauerin der Palmeninsel Jumeirah, um die Suspendierung aller Sukuk gebeten, bis man in der Lage sei, den Markt vollumfänglich zu informieren.

 

EFG Hermes: Rechnen nicht mit Pleite Dubais
«Wir erwarten, dass die Zentralbank und das Emirat Abu Dhabi den Nachbarn Dubai vor einem Bankrott schützen wird», so Fahd Iqbal. Dubai und Abu Dhabi sind Teil der sieben Scheichtümer umfassenden VAE. In Abu Dhabi lagern 9 Prozent der weltweit nachgewiesenen Rohölvorkommen, in Dubai gehen die wenigen Vorräte allmählich zur Neige. Die Aktienmärkte Iqbal betreffend, rechnet Iqbal zunächst mit einem Exodus ausländischer Marktteilnehmer. Aber: «Das globale Vertrauen in den Finanzplatz Dubai ist zweifellos angeknackst», räumt Iqbal ein. Westliche und asiatische Indizes gaben Ende letzter Woche wegen der Dubai World News nach, stabilisierten sich jedoch mittlerweile weitestgehend wieder.

 

Dubai-Effekt wird überschätzt
Die globalen Auswirkungen durch  Dubai World seien aber übetrieben bewertet worden, meint Iqbal. «Der Fall Dubai World war eher ein symbolischer Auslöser für die Verkaufswelle im Westen und ein Weckruf, dass die globale Finanzkrise längst nicht ausgestanden ist.» Iqbal?s Einschätzung deckt sich mit denen von Dominique Strauss-Kahn, Direktor des Internationalen Währungsfonds IWF. Strauss-Kahn sagte bereits am 24. November in einem Interview mit der französischen Tageszeitung Le Figaro, der IWF rechne damit, dass Banken in Europa und den USA erst 50 Prozent ihrer dubiosen Kredite offengelegt hätten. «Die andere Hälfte ist wahrscheinlich noch in deren Bilanzen versteckt («cachées»)», vermutet Strauss-Kahn.


Sollten sich die Gemüter einmal beruhigt haben, rechnet Iqbal indes mit guten Einstiegsgelegenheiten an den Emirate-Börse DFM und ADX.

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