Munich Re trotz zahlreicher Katastrophen auf Kurs

„Das bleibt ambitioniert, ist aber zu schaffen.“ Trotz immenser Belastungen durch das Erdbeben in Chile und den Untergang der Bohrinsel im Golf von Mexiko erwirtschaftete die Munich Re in den ersten sechs Monaten einen Überschuss von 1,2 Milliarden Euro nach 1,1 Milliarden ein Jahr zuvor. Überraschend gute Geschäfte an den Finanzmärkten gleichen die Lasten aus. Die im Dax notierte Aktie reagierte am Morgen mit einem Kurssprung auf die Zahlen. Zum Handelsstart legte sie um 1,06 Prozent auf 109,90 Euro zu. Analyst Roland Pfänder von der Commerzbank wertete die Zahlen als „stark“.


Börse rettet Gewinnanstieg
An den Finanzmärkten verdiente die Munich Re im ersten Halbjahr überraschend gut. Insgesamt sprang das Kapitalanlageergebnis um 43 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal betrug der Zuwachs zwar lediglich ein Fünftel. Analysten hatten jedoch mit weit weniger gerechnet. Auch für das Gesamtjahr gab sich der Vorstand wieder etwas optimistischer. Die Kapitalanlagen sollen jetzt eine Rendite gut vier Prozent einbringen – zuletzt war diese Schwelle noch ausser Sicht gewesen.


Katastrophen lasten auf Ergebnis
Aussergewöhnlich schwer lasteten die Katastrophen auf dem Ergebnis. Alleine für die Schäden durch das Erdbeben in Chile Ende Februar hat die Munich Re knapp eine Milliarde US-Dollar veranschlagt. Damit sei die Naturkatastrophe für das Unternehmen der grösste Schaden seiner Geschichte – hinter dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 und dem Wirbelsturm Katrina 2005. Der Untergang der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im April dürfte die Munich Re den Angaben zufolge mit einem niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag belasten. Die genaue Höhe sei noch immer nicht verlässlich absehbar, hiess es.


Schaden-Kosten-Quote über kritischer Grenze
Die Beitragseinnahmen in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung nicht aus, um die Kosten für Schäden und Verwaltung zu decken. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote lag im ersten Halbjahr bei 106,4 Prozent und damit klar über der kritischen 100-Prozent-Marke. Mittelfristig will der Vorstand die Quote weiterhin bei 97 Prozent halten. In diesem Jahr werde sie jedoch klar darüber liegen.


Ergo verdoppelt Gewinn
Der operative Gewinn des Konzerns verbesserte sich dennoch um fünf Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Während die Rückversicherungssparte weniger verdiente als ein Jahr zuvor, konnte die Erstversicherungstochter Ergo ihr operatives Ergebnis auf 627 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Die Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich im Erstversicherungsgeschäft um 1,9 Prozentpunkte auf 96,6 Prozent. Zu Ergo zählen die Marken D.A.S. und DKV sowie die Deutsche Reiseversicherung. Die Marken Hamburg-Mannheimer, Victoria und Karstadt Quelle Versicherungen wurden kürzlich durch den Konzernnamen Ergo ersetzt.


Geschäftsvolumen weiter ausgebaut
Unterdessen weitet die Munich Re ihr Geschäftsvolumen weiter aus. Wegen des starken US-Dollar und weiterem organischen Wachstum sollen die Beitragseinnahmen in diesem Jahr nun 44 bis 46 Milliarden Euro wachsen. Bei der Erneuerung der Rückversicherungsverträge zum 1. Juli in den USA, Australien und Lateinamerika baute die Munich Re das Vertragsvolumen um 2,8 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro aus. Die Preise sanken dabei um 0,1 Prozent.


Umdenken erhofft
Nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko erhofft sich Rückversicherungsvorstand Torsten Jeworrek hingegen ein Umdenken in der Industrie. Es sei wichtig, Versicherungsdeckungen und Selbstbehalte bei technischen Grossprojekten sowie der damit verbundenen Haftpflichtrisiken zu überdenken, sagte er. Dies sollte auch zu steigenden Preisen in der Rückversicherung führen. 


PIIGS-Staatsanleihen für 11 Mrd Euro
Munich Re hat rund elf Milliarden Euro in Staatspapieren der sogenannten PIIGS-Staaten investiert. Darauf entfallen 14 Prozent der vom Konzern gehaltenen Staatspapiere, wie Finanzvorstand Jörg Schneider bei der Vorlage der Halbjahresbilanz in München sagte. Zu den finanziell angeschlagenen Staaten zählen Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Am stärksten ist der Konzern in Italien engagiert. Genaue Zahlen zu dem Engagement in einzelnen dieser Staaten will die Munich Re nicht mehr veröffentlichen. Dies sei nur auf dem Höhepunkt der Krise angebracht gewesen. Insgesamt hielt die Munich Re zur Jahresmitte eigenen Angaben zufolge festverzinsliche Finanzinstrumente von 173 Milliarden Euro, davon 46 Prozent in Staatsanleihen. (awp/mc/ps/07) 

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