ABB in Q1 mit deutlichem Gewinnrückgang

Ulrich Spiesshofer
ABB-CEO Ulrich Spiesshofer. (Foto: ABB)

Ulrich Spiesshofer, Vorsitzender der Konzernleitung von ABB. (Foto: ABB)

Zürich – Der Industriekonzern ABB hat im ersten Quartal 2014 die Vorjahreswerte beim Umsatz und beim Auftragseingang nur knapp gehalten. Die Gewinnziffern gingen vor allem wegen einer enttäuschenden Entwicklung in der Division Energietechniksysteme klar zurück. Die schon länger im Fokus stehende Division soll nun mit einem weiteren Programm noch rigoroser neu aufgestellt werden. Diese Neuaufstellung wird aber länger dauern als bisher angenommen.

Der EBIT fiel gegenüber dem Vorjahr um 19% auf 855 Mio USD und der operative EBITDA um 13% auf 1,27 Mrd. Die für ABB wichtige EBITDA-Marge verringerte sich zum Vorjahr um 160 Basispunkte auf 13,4%, wogegen sich zum vierten Quartal eine Verbesserung ergab. Die Marge wurde den Angaben zufolge vor allem durch die schwache operative Performance der Division Energietechniksysteme und durch Belastungen gemindert, welche vor allem mit grossen Projekten als Generalunternehmer in der Offshore-Windindustrie und im Solarsektor zusammenhingen. Der Reingewinn reduzierte sich um 18% auf 544 Mio.

Erwartungen verfehlt
Der Umsatz verzeichnete ein Minus von 3% auf 9,47 Mrd USD (lok. Währungen -1%) und der Auftragseingang ein solches von 1% auf 10,36 Mrd (LW +1%). Auf vergleichbarer Basis ergab sich ein Minus von 2% für den Umsatz und ein Plus von 1% für den Auftragseingang. Damit hat ABB die Erwartungen der Analysten lediglich beim Auftragseingang in etwa erreicht; Umsatz und vor allem die Gewinnziffern blieben klar dahinter zurück.

Der Auftragseingang sei trotz des weiterhin schwachen Grossauftragseingangs im Versorgungssektor und in spätzyklischen Bereichen nahezu gehalten worden, teilte ABB am Dienstag mit. Im Automationsgeschäft sei der Umsatz gehalten worden, während sich das Energietechnikgeschäft rückläufig entwickelte, dies aufgrund eines niedrigeren Auftragsbestandes zu Beginn des Quartals.

Neues Programm für Division Energietechniksysteme
Für die Division Energietechniksysteme, deren „anhaltend schwache Performance“ als Enttäuschung gewertet wird, hat ABB denn auch weitere Massnahmen angekündigt. Nach einer gründlichen Überprüfung habe die neue Divisionsleitung das Programm „Step Change“ für eine Neuaufstellung eingeleitet. In diesem Zusammenhang seien bereits mehrere Korrekturmassnahmen ergriffen worden. Hierzu zählen weitere Änderungen im Management der Division und der Entscheid, nicht mehr an Ausschreibungen für Projekte als Generalunternehmer im Solarsektor teilzunehmen. Die Neuaufstellung der Division werde mehr Zeit in Anspruch nehmen als ursprünglich angenommen, heisst es. „Wir sind jedoch zuversichtlich, dass die Massnahmen dem Geschäft zu neuer Stärke und Wettbewerbsfähigkeit verhelfen werden“, erklärte CEO Ulrich Spiesshofer gemäss Mitteilung.

Die Division Energietechniksysteme erwirtschaftete im ersten Quartal auf Stufe EBITDA einen Verlust von 29 Mio USD. Im Vorjahr wurde noch eine positives Ergebnis von 169 Mio ausgewiesen. Der Umsatz ging um 22% auf 1,61 Mrd zurück.

Industrieautomation & Antriebe: Kräftiges Auftragsplus
Mit den übrigen vier Divisionen sieht sich Spiesshofer „auf Kurs“. In den Divisionen Niederspannungsprodukte und Prozessautomation wurde die EBITDA-Marge verbessert, während sie in den Divisionen Industrieautomation & Antriebe sowie Energietechnikprodukte bereinigt um den Verwässerungseffekt durch die Übernahme von Power One stabil blieb. Insgesamt seien hier im frühzyklischen Geschäft der Auftragseingang gesteigert, solide Erträge erzielt und der Cashflow erhöht worden. Als Highlights streicht das Unternehmen das „kräftige Auftragsplus und die starke Cash-Generierung der Division Industrieautomation & Antriebe“ hervor sowie „die solide Umsatzentwicklung in der Division Niederspannungsprodukte“.

In diesen vier Divisionen will die Gruppe im weiteren Jahresverlauf 2014 weiterhin eine solide Leistung erreichen, während in der Division Energietechniksysteme der Turnaround vorangetrieben werden soll. Kurzfristig bestünden einige positive frühzyklische makroökonomische Signale wie das stärkere Wachstum in den USA und das „ermutigende“ Wachstum in vielen Teilen Europas, heisst es zum Ausblick weiter. Einige Unsicherheiten gebe es mit Blick auf die Schwellenländer und dort insbesondere in China. Den langfristigen Ausblick für die Nachfrage nach den ABB-Geschäften sieht das Unternehmen weiterhin „eindeutig positiv“.

Portfolio-Bereinigung kommt voran
Wie die Veräusserung des HLK-Geschäfts (Heizung, Lüftung, Klima) von Thomas & Betts und der am Vortag angekündigte Verkauf des Power Solutions-Geschäfts von Power-One zeigen würden, schreite zudem die Portfolio-Bereinigung gut voran.

Deutliche Abgaben
Die Investoren strafen das Unternehmen für die unbefriedigende Performance im ersten Quartal ab. ABB-Aktien verlieren am Dienstag statte 7 Prozent. (awp/mc/pg)

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