Amerikas IT-Riesen beherrschen die Weltbörsen

Apple
Apple Store an der 5th Avenue in New York. (Foto: Apple)

Apple bleibt das wertvollste Unternehmen der Welt.  (Foto: Apple)

Zürich – US-Konzerne dominieren die Weltbörsen: Die zehn wertvollsten Unternehmen der Welt haben alle ihren Sitz in den Vereinigten Staaten. Vor einem halben Jahr waren es noch acht amerikanische Unternehmen, die sich in den Top 10 platzieren konnten. Der chinesische Ölkonzern PetroChina und die Industrial and Commercial Bank of China haben es im Vergleich zum Vorhalbjahr nicht mehr unter die besten 10 geschafft. Neu unter den 10 topplatzierten Unternehmen finden sich gemäss einer aktuellen EY-Studie Facebook und Amazon. Von den 100 höchstbewerteten Unternehmen der Welt kommen mehr als die Hälfte (54) aus den USA, nur 26 aus Europa und 17 aus Asien.

Das teuerste Unternehmen der Welt bleibt Apple: Der Börsenwert des iPhone-Herstellers ist zwar seit Mitte des Jahres um 127 Milliarden Dollar bzw. 18 Prozent gesunken. Das Unternehmen bleibt aber mit einer Marktkapitalisierung von knapp 596 Milliarden Dollar die weltweite Nummer Eins vor dem Google-Nachfolgeunternehmen Alphabet, dessen Aktienkurs im Lauf des vergangenen Halbjahrs massiv – um 47 Prozent – zugelegt hat und das aktuell 531 Milliarden Dollar wert ist. Drittteuerstes Unternehmen der Welt ist ebenfalls ein US-Technologiekonzern: Microsoft ist derzeit 447 Milliarden Dollar wert – das sind 25 Prozent mehr als zur Jahresmitte.

Schweizer Unternehmen führen europäische Rangliste an
Wertvollstes europäisches Unternehmen ist der Schweizer Pharmakonzern Roche auf Platz 13 mit einem aktuellen Wert von gut 239 Milliarden Dollar. Direkt im Anschluss auf den Rängen 14 und 16 folgen der Lebensmittelkonzern Nestlé, welcher mit gut 237 Milliarden Dollar bewertet ist, und der Pharmakonzern Novartis mit einer Börsenkapitalisierung von gut 232 Milliarden Dollar. Mit diesen drei Firmen unter den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt kann die Schweiz zum Jahresende den vierten Rang im Länderranking behaupten – hinter den USA, China und Grossbritannien, die 54, 10 beziehungsweise 9 Unternehmen in den Top 100 positionieren konnten.

Sinkende Börsenwerte
Die Mehrheit der in den Top 100 notierten Aktiengesellschaften (57 Prozent) hat in den vergangenen sechs Monaten an Börsenwert eingebüsst – insgesamt sank die Marktkapitalisierung der Top-100-Unternehmen im zweiten Halbjahr um etwa ein Prozent auf 15,8 Billionen Dollar, nachdem sie im ersten Halbjahr noch um drei Prozent gestiegen war. Der Börsenwert der drei Schweizer Unternehmen gab ebenfalls nach: um gut drei Prozent auf 709 Milliarden Dollar (Vorhalbjahr rund 735 Milliarden Dollar).

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), welche die Marktkapitalisierung der 100 bzw. 300 am höchsten bewerteten Unternehmen weltweit untersucht.

USA dominieren IT-Branche
Vor allem die IT-Branche spielt in den USA eine deutlich grössere Rolle als in Europa: Im Ranking der 300 teuersten Unternehmen können sich aktuell 21 IT-Konzerne (Computer/Internet/Software) platzieren – 13 davon haben ihren Sitz in den USA, vier sind in China ansässig und gerade einmal zwei Unternehmen kommen aus Europa. Der Börsenwert der US-IT-Konzerne in den Top 300 liegt bei 2,8 Billionen Dollar. Die beiden IT-Konzerne mit Sitz in Europa – SAP und Accenture – sind zusammen etwa 167 Milliarden Dollar wert. Gemäss Stefan Rösch-Rütsche, Partner und Leiter Transaktionsdienstleistungen bei EY Schweiz, trägt das unterschiedliche Ansehen und die Unterstützung von Jungunternehmen in Europa und den USA zu dieser IT-Kluft bei: «Die Gründungskultur wird in den USA gross geschrieben und junge Unternehmer erhalten einfachere und bessere Finanzierungsbedingungen als hier in Europa. In den USA hat man sich in den vergangenen Jahren nicht davor gescheut, neue Wege zu beschreiten und unkonventionelle Geschäftskonzepte umzusetzen, ganz im Gegensatz zu Europa. Daher muss jetzt seitens der europäischen Unternehmen viel Effort geleistet werden, um den Anschluss nicht gänzlich zu verpassen».

Schwäche Europas liegt an Branchenmix und Wertverlust des Euro
Die deutliche Übermacht der US-IT-Branche kommt für Rösch-Rütsche nicht von ungefähr: «Die Digitalisierung macht sich in allen Lebensbereichen bemerkbar – sei es im privaten Haushalt oder im Geschäftsalltag. Das Wachstumspotenzial und die Chancen, die diese Entwicklungen bieten, sind enorm. Der Umgang mit den Risiken, die neue Geschäftsfelder mit sich bringen, darf dabei aber nicht vernachlässigt werden». Europa spielt in der Entwicklung der IT-Branche eine kleine Rolle. «Es sind die IT-Unternehmen aus den USA, welche die Branche revolutionieren und die digitale Welt von morgen kreieren. Die europäischen Unternehmen müssen innovativ sein, sonst bleiben sie Zuschauer im Spiel um die vordersten Plätze».

Die aktuelle Schwäche Europas im Ranking – die Zahl europäischer Unternehmen in den Top 100 ist binnen eines halben Jahres von 28 auf aktuell 26 gesunken – ist gemäss Rösch-Rütsche auf ein Ungleichgewicht im Branchenmix und auf die weiterhin schwierige konjunkturelle Lage in vielen europäischen Ländern zurückzuführen. «Der Währungsverlust des Euro sowie des russischen Rubel hat dazu geführt, dass sich Unternehmen aus dem europäischen und russischen Raum mit schwächeren Platzierungen im Ranking zufriedengeben müssen. Während der starke US-Dollar den Wert der US-Konzerne beflügelt, resultiert aus dem gesunkenen Eurokurs ein Verlust der an europäischen Börsen gelisteten Konzerne».

Neu elf Schweizer Firmen in Top 300
Per Ende 2015 finden sich elf Schweizer Unternehmen unter den Top 300, eines mehr als vor Jahresfrist. Seit Jahresmitte konnte der Versicherer Ace seine Marktkapitalisierung von 33 auf 38 Milliarden Dollar steigern und hat sich damit wieder einen Platz im Ranking gesichert (Rang 271). Auch der Rückversicherer Swiss Re hat es dank einem Kapitalisierungsplus von 4 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorhalbjahr in die Top 300 geschafft und belegt den 284. Platz. Der Agrarchemiekonzern Syngenta hat es zum ersten Mal in die Bestenliste geschafft und belegt aktuell den Rang 286. Nebst den drei Neuzugängen finden sich auch UBS (Rang 106), Credit Suisse (230), ABB (237), Richemont (238), und Zurich (266) in der Wertung der 300 Top-Unternehmen.

Ölkonzerne verlieren an Börsenwert
Hauptverlierer im aktuellen Börsenranking sind die Öl- und Bergbaukonzerne: Die acht im Ölgeschäft tätigen Unternehmen, die sich im aktuellen Top-100-Ranking platzieren können, haben in der zweiten Jahreshälfte in Summe gut 250 Milliarden Dollar bzw. 16 Prozent an Wert eingebüsst. Der Branchenprimus Exxon rutscht im Jahresvergleich vom zweiten auf den fünften Platz. Der Wert des Schweizer Rohstoffunternehmens Glencore hat sich derart verringert, dass der Baarer Konzern nicht mehr unter den Top 300 anzutreffen ist.

Gemäss Stefan Rösch-Rütsche ist der Preisverfall beim Öl ein zweischneidiges Schwert. «Einerseits können die Verbraucher aktuell von tiefen Heiz- und Tankkosten profitieren und das Geld anderweitig investieren, was die Konjunktur unterstützt. Andererseits werden die Investitionen in der gesamten Industrie inklusive der Zulieferer auf ein Minimum zurückgefahren und Mitarbeiter werden entlassen. Dies kann mittelfristig zu einem Engpass führen, sollte die Nachfrage nach Öl ansteigen. Solange das schwarze Gold so günstig ist, werden zudem weniger Neuinvestitionen in nachhaltige Energiequellen geschehen», betont Rösch-Rütsche. «Viele Schwellenländer sind wirtschaftlich vom Ölhandel abhängig und könnten bei einem anhaltenden Abwärtstrend als Absatzmarkt für westliche Produkte zurückfallen». (EY/mc/pg)

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