Bund dämpft Hoffnungen auf ein rasches Ende der Corona-Pandemie

Patrick Mathys
Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit des BAG/EDI. (Screenshot)

Bern – Die Schweiz verzeichnet weiterhin rund 200 Corona-Neuinfektionen pro Tag – trotz intensiver Kontaktverfolgung, Quarantänepflicht für Rückkehrer aus Risikoländern sowie Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Der Bund stellt sich auf weitere intensive Monate ein.

Am Mittwoch gaben Fachleute des Bundes vor den Medien erneut Auskunft darüber, wo die Schweiz bei der Eindämmung des Coronavirus steht. Die Situation habe sich im Vergleich zur Vorwoche zwar leicht entspannt, sagte Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Es gebe allerdings keinen Grund, sorglos zu werden. Derzeit befänden sich 45 Infizierte auf Intensivstationen, 32 davon würden beatmet.

Die Kantone müssten wachsam bleiben und das Contact Tracing konsequent durchziehen, sagte Mathys weiter. Es sei aber „eine Illusion, dass wir jemals alle Ansteckungsorte kennen“. Viele Menschen wüssten nicht, wo sie sich infiziert hätten.

Bevölkerung fast im Alltagsmodus
Mathys wehrte sich gegen Vorwürfe, wonach sich das Krisenmanagement in der Sommerpause verschlechtert habe. Die Verantwortung liege nun bei den Kantonen, die teils unterschiedliche Massnahmen träfen, sagte er. „Vielleicht sieht man derzeit die Limiten des Förderalismus. Deshalb diesen infrage zu stellen, geht aber zu weit.“

Laut Mathys ist die Bereitschaft der Bevölkerung, sich im Alltag weiter einzuschränken, kleiner geworden. „Sobald nicht wieder eine unmittelbare Bedrohung spürbar ist, wird das wohl so bleiben.“ Tatsächlich nehmen die Mobilität und die Reiseaktivität der Schweizer Bevölkerung wieder zu. Das zeigt das Vollzugsmonitoring des Bundes.

Der Bericht kommt auch zum Schluss, dass die Maskentragpflicht im öffentlichen Verkehr und die Quarantäne für Einreisende aus Risikogebieten kaum einen Einfluss auf die Covid-19-Fallzahlen haben. Der Anstieg gehe hauptsächlich auf Veranstaltungen mit einer hohen Anzahl teilnehmender Personen zurück. Dazu zählten Diskotheken, Bars, Schul- und Kindergartenveranstaltungen.

Spanisches Festland neu Risikogebiet
Die Kompetenz, in diesen Bereichen Massnahmen zu ergreifen, obliegt den Kantonen. Diese kontrollieren auch stichprobenweise, ob sich etwa Rückkehrer aus Risikogebieten an die zehntägige Quarantänepflicht halten. Eine solche gilt ab Samstag auch für Rückkehrer aus dem spanischen Festland, wie das Eidgenössische Innendepartement (EDI) am Mittwoch bekanntgab. Ausgenommen sind die Balearen und die Kanaren.

Kanton Zürich geht in die Offensive
Eigene Wege bei der Durchsetzung der vorgeschriebenen Quarantäne bei Rückkehrern aus Risikogebieten geht der Kanton Zürich. Er erhält am Flughafen Zürich von den Fluggesellschaften die Kontaktdaten aller Passagiere, die aus Risikoländern einreisen. Diese Zusammenarbeit mit den Fluggesellschaften ist ein „eigentlicher Durchbruch“, sagte Regierungsrat Mario Fehr (SP).

Beim Bund ist man weniger begeistert. Es gebe beim BAG Fragen in Bezug auf die Legalität, die noch geklärt werden müssten, sagte Mathys dazu. Die Konferenz der Gesundheitsdirektoren (GDK) hatte vor wenigen Tagen eine Empfehlung herausgegeben, dass die Kantone Massnahmen treffen sollten, wenn sich die Lage regional verschärfe. (awp/mc/pg)

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