Die Schweizer Jugend und ihre Finanzen

Nachteleben

Für eine deutliche Mehrheit der Jugendlichen sind die Kosten für den Ausgang zu hoch.

Zürich – Mehr als drei Viertel (79 Prozent) der Schweizer Jugendlichen sagen, sie haben genug Geld, 46 Prozent haben sogar mehr als genug. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die dritte repräsentative Schweizer Jugendstudie «Juvenir» der Jacobs Foundation. Die Studie fördert das Bild einer Jugend zutage, die sich überaus planvoll und sparsam im Umgang mit Geld zeigt. Bestimmte Angebote und Produkte sind aus Sicht der Jugendlichen (zu) teuer. Dennoch: Verzicht ist für die grosse Mehrheit kaum oder überhaupt kein Thema.

Die meisten Jugendlichen (76 Prozent) mussten praktisch noch nie auf etwas verzichten. Dies ist jedoch auch eine Frage der Ansprüche. Für die grosse Mehrheit sind immaterielle Werte weit wichtiger als Materielles: 72 Prozent investieren ihr Geld lieber in eine gute Zeit mit Freunden als in teure Dinge.

Nachhaltig einkaufen: Ja, aber…
Drei Viertel (78 Prozent) der Jugendlichen glauben, dass sie mit nachhaltigem Einkaufsverhalten die Produktionsbedingungen verbessern können. Aber Fairness beim Konsum hört in der Regel da auf, wo das eigene Portemonnaie strapaziert wird: Bisher kauft nur jeder 6. Jugendliche in der Schweiz (17 Prozent) konsequent fair hergestellte Produkte. Häufiger als Jugendliche aus den anderen beiden Sprachregionen lassen die Tessiner ihrem Nachhaltigkeitsbewusstsein auch Taten folgen (24 Prozent); in der Westschweiz konsumieren 18 Prozent konsequent nachhaltig und in der Deutschschweiz 16 Prozent.

«Wie passt das ausgeprägte Bewusstsein für nachhaltigen Konsum und die gute finanzielle Ausstattung mit der zurückhaltenden Umsetzung zusammen? – Mit diesem Widerspruch befinden sich die Jugendlichen in guter Gesellschaft, denn viele Erwachsene kritisieren Unternehmen für die Ausbeutung ihrer Mitarbeiter oder umweltschädliche Produktionen, erwarten aber gleichzeitig tiefe Preise und schnelle Lieferzeiten. Die Jugendlichen sind hier ein Spiegelbild der Gesellschaft», sagt Sandro Giuliani, Geschäftsführer der Jacobs Foundation.

Zu teuer: Miete, Mobilität, Ausgang
Die Miete für eine eigene Wohnung wird von einer grossen Mehrheit (86 Prozent) als zu teuer empfunden. Dicht gefolgt von den Ausgaben für die Mobilität (82 Prozent) und dabei insbesondere jene für den öffentlichen Verkehr. Für eine deutliche Mehrheit der Jugendlichen wird der Spass am Ausgang geschmälert, weil sie die Eintrittspreise für Clubs oder Konzerte für zu hoch halten (76 Prozent) und auch Getränke und Essen zu teuer finden (77 Prozent).

Sparsam und verantwortungsvoll
Die viel diskutierte zunehmende Verschuldung der Schweizer Jugend bestätigt Juvenir nicht: Fast alle Jugendlichen sparen gelegentlich (95 Prozent), 83 Prozent gelingt dies sogar regelmässig. Insgesamt zeigt Juvenir das Bild einer Jugend, die verantwortungs- und planvoll mit Geld umgeht. Sei es, dass sich die Jugendlichen ihr Geld über den Monat hinweg einteilen (84 Prozent), zuerst nachrechnen, bevor sie sich teure Dinge leisten (84 Prozent), oder preisbewusst einkaufen (73 Prozent). Lediglich 6 Prozent müssen sich manchmal gegen Monatsende Geld leihen, um über die Runden zu kommen.

Hintergrund der Juvenir-Studien
Juvenir ist eine repräsentative Studienreihe der Jacobs Foundation zu aktuellen Jugendthemen in der Schweiz. Das Besondere: Als einzige Schweizer Studienreihe spricht Juvenir nicht nur über Jugendliche, sondern mit ihnen und setzt dazu die sozialen Medien ein. Wie bereits bei den ersten beiden Studien können die Jugendlichen die Resultate auf Facebook diskutieren (www.facebook.com/juvenir.ch). Die dritte Juvenir-Studie «Geld – (k)ein Thema; wie es um die Finanzen der Schweizer Jugendlichen steht» hat Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 21 Jahren in den drei grossen Schweizer Sprachregionen befragt.

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