Galenica baut Produktportfolio im Pharmageschäft aus

Etienne Jornod
Etienne Jornod, exekutiver Verwaltungsratspräsident Galenica. (Foto: Galencia)

Etienne Jornod, exekutiver Verwaltungsratspräsident Galenica. (Foto: Galencia)

Bern – Die Gesundheitsgruppe Galenica baut das Produktportfolio seiner Pharmasparte aus. Vifor Pharma erwirbt vom US-Biopharma-Unternehmen ChemoCentryx die Vermarktungsrechte für den 5aR-Hemmstoff CCX168 für Europa und weitere wichtige Märkte (Kanada, Mexiko, Zentral- und Südamerika sowie Südkorea). Damit stärkt Galenica das Pharmageschäft mit Blick auf die bis im vierten Quartal 2016 geplante Aufspaltung in einen Pharma- sowie einen Apotheken- und Logistikteil. Die Aktie gewinnt derweil weiter an Wert.

Der oral zu verabreichende Komplementinhibitor CCX168, für den ChemoCentryx bis Ende 2016 die klinische Testphase III starten will, soll in der Behandlung von Orphan- und seltenen Nierenerkrankungen zum Einsatz kommen, heisst es in der Mitteilung vom Dienstag. Der Wirkstoff hat in den USA und Europa unter anderem zur Behandlung von sogenannter antineutrophiler zytoplasmatischer Antikörper (ANCA) assoziierter Vaskulitis (AAV) den «Orphan Drug»-Status erhalten, der den Weg für eine rasche Überprüfung durch die Zulassungsbehörden frei macht.

In den USA seien nahezu 40’000 Menschen von dieser seltenen Nierenkrankheit betroffen, während jedes Jahr um die 4’000 neue Fälle registriert würden, so Galenica. In Europa litten derweil über 75’000 Menschen an der Krankheit, und es kämen jährlich rund 7’500 Fälle hinzu. Derzeit würden die Patienten mit unspezifischen Immunosuppressiva (Cyclophosphamid oder Rituximab) in Kombination mit hochdosierter Anwendung von Kortikosteroiden behandelt.

Zudem werde CCX168 auch für die Behandlung anderer seltener Nierenerkrankungen entwickelt, so etwa gegen das atypische hämolytisch-urämische Syndrom (aHUS) oder die Immunoglobulin-A-Nephropathie bzw. IgA-Nephropathie.

Beteiligung an ChemoCentryx
ChemoCentryx erhält von Galenica eine Vorauszahlung von 60 Mio USD und die Berner beteiligen sich mit 25 Mio an dem US-Unternehmen. Galenica werde dazu ChemoCentryx-Aktien zum Preis von 7,50 USD je Stück erwerben.

Zudem erhalte ChemoCentryx weitere Zahlungen, sofern bestimmte regulatorische und umsatzbasierte Meilensteine erreicht werden, heisst es. Und wenn der Wirkstoff auf dem Markt ist, komme das Unternehmen in den Genuss gestaffelter Lizenzgebühren in zweistelliger Höhe für den Nettoumsatz, der mit CCX168 in den unter die Lizenz fallenden Regionen erzielt werde.

Galenica und ChemoCentryx könnten die Partnerschaft in Zukunft noch ausweiten, denn das für CCX168 erzielte Lizenzabkommen sei ein erster Schritt zu einer engeren Allianz in der Behandlung von Nierenleiden, schreibt Galenica. Vifor Pharma hat nämlich die exklusive Option erhalten, ein weltweites Lizenzabkommen für CCX140 auszuhandeln. CCX140 sei ein von ChemoCentryx entwickelter oral zu verabreichender Inhibitor des Chemokinrezeptors CCR2.

Aktie gewinnt weiter an Wert
An der Börse setzen Galenica die Aufwärtsbewegung fort und legen bis 10.05 Uhr um 0,8% auf 1’476 CHF zu, während der Gesamtmarkt (SPI) gar um 0,99% in die Höhe klettert. Galenica hatten bereits am Vortag mit knapp 3% deutlich an Wert gewonnen. Am Montag hatte die Gruppe bekannt gegeben, dass das mit Fresenius Medical Care im Dialysegeschäft aufgebaute Joint Venture ihr Medikamentenportfolio mit der Übernahme des Produktkandidaten Rayaldee ergänzt hat.

Analysten hatten bereits auf eine Transaktion für Vifor Pharma gewartet. Damit werde die Strategie konsequent fortgesetzt, Medikamente einzulizenzieren und Partnerschaften einzugehen, um das Portfolio von Vifor Pharma zu vergrössern und so dort die kritische Grösse zu erreichen, schreibt ZKB-Analystin Sibylle Bischofberger.

Zwar seien nicht alle finanziellen Details zum Deal bekannt, doch dürften die CCX168-Konditionen für Galenica sehr wahrscheinlich vorteilhafter sein als jene zum Dialyse-Medikament Rayaldee, meint Carla Bänziger von der Bank Vontobel. Mit der Zulassung von CCX168 rechnet die Analysten im Jahr 2019 und erste Umsätze dürften 2020 in die Kassen fliessen. Dabei werde das Produkt den Break-Even wohl 2021 erreichen, heisst es im Kommentar weiter. (awp/mc/ps)

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