Handelsbilanz: Schweiz bietet starkem Franken die Stirn

Handelsbilanz: Schweiz bietet starkem Franken die Stirn

Bern  – Der Schweizer Aussenhandel hat sich im Dezember 2010 positiv entwickelt. Die Exporte stiegen im Vorjahresvergleich um 6,9% (real +10,9%) auf 15,4 Mrd CHF. Die Importe legten um 8,2% (real +10,5%) auf 14,2 Mrd CHF zu. Allerdings zählte der Berichtsmonat einen Arbeitstag mehr als der Dezember 2009. Kalendertagbereinigt nahmen die Ausfuhren um 3,0% (real: +6,9%) zu und die Einfuhren um 4,2% (real: + 6,4%).

Bezogen auf den Vormonat (saisonbereinigt) zeigte sich in beiden Verkehrsrichtungen im zweiten Monat in Folge ein Minus. In der Handelsbilanz belief sich der Überschuss auf 1,3 Mrd CHF (-5,8%), wie den Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) vom Donnerstag zu entnehmen ist.

Zweihöchster Handelsbilanzüberschuss
Im Gesamtjahr 2010 hielt sich der schweizerische Aussenhandel angesichts der Frankenstärke gut. So nahmen die Exporte um 7,1% auf 193,3 Mrd CHF zu (real: +7,4%) und die Importe um 8,4% auf 173,7 Mrd CHF (real: +8,4%). Der Handelsbilanzüberschuss erreichte 19,6 Mrd CHF (-3,8%), so die Mitteilung weiter. Dies sei der zweithöchste Überschuss in der Geschichte. Nach dem Schreckensjahr 2009 erzielten im Jahr 2010 wieder 8 der 10 bedeutenden Exportbranchen ein Umsatzplus. Die deutlichste Aufholjagd vollzogen dabei die Uhren- und die Metallindustrie, deren Auslieferungen gleich um je einen Fünftel stiegen. Bei den übrigen Industriezweigen bewegte sich die Zunahme zwischen 4 und 8%.

Uhren- und Metallindustrie mit Absatzplus
Im Vorjahr noch von hohen Einbussen getroffen, erzielte die Uhren- und die Metallindustrie im 2010 ein imposantes Absatzplus. Bei Letzterer expandierten die Auslieferungen von Eisen und Stahl um die Hälfte und jene von Aluminium um einen Drittel. Ausserdem legten die Ausfuhren von Maschinenelementen um einen Fünftel zu. Eindrücklich war auch der Kurswechsel bei der Maschinen- und Elektronikindustrie, die ihre Auslandverkäufe innert Jahresfrist um insgesamt 8% steigerte.

Exporte von Kraftmaschinen deutlich unter Vorjahresniveau
Allerdings vermochten erst 7 von 12 Subgruppen am Aufschwung teilzuhaben. Während die Textil- (+50%) und die Metallbearbeitungsmaschinen (+13%) positiv hervorstachen, lagen u.a. die Exporte von Kraftmaschinen deutlich unter dem Vorjahresniveau. Um fast 6% wuchsen die Ausfuhren der Chemischen Industrie und der Kunststoffindustrie. Bei Ersteren war der Anstieg breit abgestützt. Zwischen 11 und 20% erhöhten sich u.a. die Lieferungen von Ätherischen Ölen, Riech- und Aromastoffen, Roh- und Grundstoffen sowie immunologischen Produkten.

Papier- und Grafische Industrie immer noch im Tief
Die Textilindustrie, die Präzisionsinstrumente sowie die Nahrungs- und Genussmittelindustrie wiesen ein Exportwachstum von 4% auf. Bei Letztgenannter schoss der Absatz von Kaffee um einen Viertel in die Höhe. Derweil zeigte sich bei den Tabakfabrikaten und beim Käse ein Minus. Noch nicht aus ihrem letztjährigen Formtief heraus fand die Papier- und Grafische Industrie, zumal ihr Auslandumsatz leicht unter dem Niveau des Vorjahres lag. Bei der Bekleidungsindustrie, die bereits im Jahr 2009 gebeutelt wurde, weitete sich das Minus im 2010 sogar noch aus.

Importschlager Rohstoffe und Halbfabrikate
In sämtlichen Verwendungszweckgruppen wuchsen die Importe, allerdings sichtbar unterschiedlich. Am deutlichsten stiegen die Bezüge von Rohstoffen und Halbfabrikaten, gefolgt von den Energieträgern. Bei Letzteren war das Plus jedoch vor allem durch den starken Preisanstieg bedingt. Bei den Rohstoffen und Halbfabrikaten erzielten gleich 3 bedeutende Subgruppen eine Zunahme um einen Viertel, so die Metalle (+1,9 Mrd CHF), die elektrischen und elektronischen Artikel sowie die Uhrenteile. Die Importe der umsatzstärksten Gruppe, der Chemikalien, erhöhten sich um einen Achtel bzw. um 1,1 Mrd CHF.

7,9 Prozent mehr Konsumgüter importiert
Die Konsumgüter als grösste Hauptgruppe wies ein Plus von 7,9% bzw. +5,5 Mrd CHF auf. Wesentlich beigetragen haben die Bijouterie- und Juwelierwaren (+ 33,6%; davon 2,6 Mrd CHF Goldornamente zum Einschmelzen aus Vietnam), die Personenautos (+19,7%; Stück: +20,7%) und die Arzneiwaren (+7,2%). Dagegen sanken die Einfuhren von Bekleidung und Schuhen sowie Nahrungs- und Genussmitteln.

Uhrenexporte 2010 bei 1’525 Mio Franken
Die Schweizer Uhrenexporte sind im Dezember gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat nominal um 24,3% auf 1’525 Mio CHF gestiegen (real +25,5%). Damit habe sich der positive Trend aus den Vormonaten fortgesetzt und zu einem «exzellenten Jahresende» geführt», teilte der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FHS) am Donnerstag mit. Für das gesamte Jahr 2010 resultiert gegenüber dem Jahr davor ein Anstieg von 22,0% (real +24,1%) auf 16’139 Mio CHF. Die Exporte von Armbanduhren im Dezember legten in allen Material-Kategorien zu. Uhren aus Stahl, Gold oder bimetallische Produkte waren dabei die Hauptwachstumstreiber. Die Stückzahl der ausgelieferten Uhren erhöhte sich um 430’000 Uhren gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Frankreich mit Spitzenplatz in Europa
Hinsichtlich der wichtigsten Absatzmärkten der Schweizer Industrie nehme Hongkong im Dezember weiterhin eine «herausragende» Stellung ein. Die Exporte in die USA verharrten auf dem Vorjahresniveau und in China zeigte sich den Angaben zufolge angesichts des starken Trends teilweise ein substanzielles Wachstum. Frankreich nehme weiterhin einen Spitzenplatz innerhalb Europas ein, wobei die Exporte überdurchschnittlich geklettert seien. Die Exporte nach Italien stagnierten und die Ausfuhren nach Deutschland legten nur leicht gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Japan auf Rang fünf habe die kräftige Erholung fortgesetzt. (awp/mc/ss/09)

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