Kühne+Nagel gibt in Seefracht Gas – und hofft nun auf Amazon
Schindellegi – Kühne+Nagel hat überraschend gute Zahlen zum dritten Quartal 2026 vorgelegt und das Jahresziel erhöht. Der Logistiker profitierte erneut vom KI-Boom und gewann zudem in der Seefracht Marktanteile hinzu. Und nun gibt es mit dem Amazon-Deal einen weiteren Wachstumstreiber.
In den Monaten Juli bis September stieg der Nettoumsatz von Kühne+Nagel um satte 22 Prozent auf 7,39 Milliarden Franken, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Am schnellsten gewachsen ist das Unternehmen erneut im Luftfrachtgeschäft. Der Umsatz stieg hier währungsbereinigt um satte 37 Prozent.
Der Treiber dafür war neben einem Marktanteilsgewinn im Healthcare-Bereich vor allem der KI-Boom. Kühne+Nagel gilt als ein Profiteur des KI-Hypes. Wenn hochkomplexe Teile für Datencenter zum Beispiel von Asien in die USA transportiert werden müssen, sind das lukrative Aufträge für den Logistiker.
Beim Bau eines Rechenzentrums sei es derzeit entscheidend, dass dieses rasch ans Netz komme, sagte CFO Markus Blanka-Graff gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. «Jeder Tag ist Geld wert.» Daher setzten die Kunden auf die relativ teure Luftfracht. «Sie wollen, dass die Datencenter-Elemente zeitgerecht und unbeschädigt ankommen, die Kosten sind sekundär.»
«Substanziell Marktanteile gewonnen»
Starkes Wachstum gab es nun im dritten Quartal aber auch in der Seefracht, die zuletzt geschwächelt hatte. Hier nahm der Umsatz währungsbereinigt um 20 Prozent zu.
«Wir haben substanziell Marktanteile gewonnen», sagte CFO Blanka-Graff. Mehr als die Hälfte der Volumensteigerung von 5 Prozent sei Marktanteilsgewinnen zu verdanken. «Wir haben da richtig Gas gegeben.» Etwas Rückenwind kam zudem von der Konjunktur.
Das Betriebsergebnis (EBIT) nahm in der Folge um 53 Prozent auf 435 Millionen Franken zu und der Reingewinn um ebenfalls 53 Prozent auf 316 Millionen.
Höheres Jahresziel
Im Ausblick wird das Unternehmen nun deutlich optimistischer. 2026 strebt der Konzern einen EBIT von 1,5 bis 1,6 Milliarden Franken an, bisher hatte eine Bandbreite von 1,35 bis 1,55 Milliarden gegolten. Schon im Sommer hatte das Unternehmen seine Ziele erhöht.
«Insbesondere in der Luftfracht gibt es im überblickbaren Zeitraum von zwei, drei Quartalen keine Anzeichen für eine Abschwächung des Booms», begründet CFO Blanka-Graff den grösseren Optimismus.
In der Seefracht ist das Q3 üblicherweise das stärkste Quartal des Jahres, weil in diesem Zeitraum Waren für das wichtige Weihnachtsgeschäft verschifft werden. Ob diese Saisonalität noch gelte, sei schwierig zu sagen, so der Finanzchef. «So oder so sieht es für das vierte Quartal aber gut aus.»
Amazon gibt Rückenwind
Zuversicht gibt auch der kürzlich angekündigte Deal mit dem Internet-Giganten Amazon. «Damit werden wir zu einem der grossen Logistikpartner des US-Konzerns», so der CFO. Der Deal habe daher das Potenzial, die Umsätze mit diesem Kunden in den Milliardenbereich zu hieven.
Und er betonte, dass man erste Effekte rasch sehen werde. Der Ausbau des Geschäfts mit dem E-Commerce-Giganten starte im Bereich Cloud-Infrastruktur, solle über die Zeit aber alle Geschäftsbereiche von Amazon umfassen.
All das führt an der Schweizer Börse zu einem leichten Kursanstieg (10.15 Uhr: +1,7%). Händler erklären sich das relativ moderate Plus mit einem gewissen Trend zu Gewinnmitnahmen angesichts einer bisherigen Jahresperformance von schon mehr als einem Drittel. (awp/mc/pg)